Jahrelang stand das ehemalige Kinderheim am Rallenweg 2 in Heiligensee leer. Nun gibt es eine neue Perspektive für das denkmalgeschützte Ensemble: Die Jüdische Gemeinde Chabad Berlin soll auf dem Gelände ein Zentrum jüdischen Lebens entwickeln.

Bei der vorläufigen Besitzeinweisung für das Grundstück am Rallenweg 2: Josef Gordon, Emine Demirbüken-Wegner und Harald Muschner (v.l.n.r.). / © Foto: Bezirksamt Reinickendorf
© Titelbild: Wikimedia Commons, Berlin Brewer, CC BY-SA 4.0
Jahrelang stand das ehemalige Kinderheim am Rallenweg 2 in Heiligensee leer. Hinter den Bäumen am Tegeler Forst blieb ein denkmalgeschütztes Ensemble aus den 1950er-Jahren ungenutzt. Nun zeichnet sich eine neue Zukunft für das ungewöhnliche Areal ab: Die Jüdische Gemeinde Chabad Berlin soll hier künftig ein Zentrum jüdischen Lebens aufbauen.
Noch ist der Vertrag zwischen dem Bezirk Reinickendorf und der Gemeinde nicht endgültig geschlossen. Eine vorläufige Besitzeinweisung wurde inzwischen jedoch unterzeichnet. Damit ist nach einem längeren Interessenbekundungsverfahren klar, wer das rund 7.900 Quadratmeter große Grundstück künftig nutzen soll.
In Heiligensee: Zentrum für jüdisches Leben geplant
Auf dem Gelände soll ein Ort für Begegnung, Bildung und religiöses Leben entstehen. Nach den bisherigen Angaben sind unter anderem Veranstaltungen und Austauschformate mit Schulen, Jugendeinrichtungen und anderen sozialen Einrichtungen vorgesehen.
Auch die Auseinandersetzung mit Antisemitismus und Diskriminierung soll Teil des Konzepts sein. Workshops und Bildungsangebote sollen demokratische Kompetenzen vermitteln und den Austausch zwischen unterschiedlichen Gruppen fördern. Für Reinickendorf ist die künftige Nutzung damit nicht nur eine religiöse, sondern auch eine soziale und gesellschaftliche Nutzung.
Ehemaliges Kinderheim aus den 1950er-Jahren ist Baudenkmal
Das Gebäudeensemble selbst hat eine besondere Geschichte. Es wurde 1955 vom damaligen Bezirksamt Tiergarten als Kindererholungsheim errichtet. Bis zu 360 Kinder aus dem Bezirk sollten hier in den Sommer- und Wintermonaten betreut werden.
Das Landesdenkmalamt führt die Anlage heute als Baudenkmal. Zum Ensemble gehören ein zweigeschossiges Hauptgebäude sowie mehrere eingeschossige Pavillons, die über einen offenen Verbindungsgang miteinander verbunden sind. Große Fensterflächen, Liegeterrassen und filigrane Bauteile prägen die Architektur der Nachkriegszeit.

Zum denkmalgeschützten Ensemble am Rallenweg 2 gehören neben dem Hauptgebäude mehrere eingeschossige Pavillons. Sie wurden ursprünglich für den Sommerbetrieb des Kindererholungsheims errichtet. / © Foto: Wikimedia Commons, Berlin Brewer, CC BY-SA 4.0
Mehrere Millionen Euro für die Sanierung nötig
Bevor dort allerdings neues Leben einziehen kann, dürfte viel Arbeit notwendig sein. Laut den Unterlagen des Bezirksamts befinden sich sämtliche Gebäude in einem erheblich sanierungsbedürftigen Zustand. Unter anderem müssen die Leitungen für Strom, Wasser und Heizung erneuert werden. Im Keller gibt es zudem starke Durchfeuchtungen.
Das Bezirksamt geht von Sanierungskosten in Höhe von mehreren Millionen Euro aus. Gleichzeitig ist der Spielraum für Veränderungen begrenzt: Der Erhalt und die denkmalgerechte Sanierung aller vorhandenen Gebäude sind Voraussetzung für die neue Nutzung. Besonders die ursprünglich für den Sommerbetrieb vorgesehenen Pavillons stellen dabei eine Herausforderung dar, da sie nicht beheizbar sind.
Rallenweg 2: Grundstück liegt am Tegeler Forst
Auch die Lage des Grundstücks setzt Grenzen. Das Areal liegt planungsrechtlich im Außenbereich und grenzt unmittelbar an das Landschaftsschutzgebiet Tegeler Forst. Größere bauliche Erweiterungen sind deshalb nur in eingeschränktem Umfang möglich. Bei Veränderungen müssen zudem Natur- und Denkmalschutz berücksichtigt werden.
Das Bezirksamt hatte die Liegenschaft im vergangenen Jahr für unterschiedliche Interessenten ausgeschrieben. Gesucht wurde ein Nutzungskonzept, das soziale Infrastruktur schafft und zugleich den historischen Gebäudebestand erhält. Die Jüdische Gemeinde Chabad Berlin setzte sich mit ihrem Konzept durch.
Zentrum jüdischen Lebens: Endgültiger Vertrag steht noch aus
Mit der vorläufigen Besitzeinweisung ist nun der nächste Schritt gemacht. Die endgültige Vertragsvereinbarung muss allerdings noch ausgehandelt werden. Erst danach kann die weitere Entwicklung des Areals konkretisiert werden.
Für das lange leerstehende Kinderheim am Rallenweg gibt es damit erstmals seit Jahren eine konkrete Nutzungsperspektive. Wie schnell die Sanierung beginnen kann und wann das geplante Zentrum seinen Betrieb aufnehmen könnte, ist derzeit noch offen.
Rallenweg 2
Quellen: Emine Demirbüken-Wegner via Instagram, Bezirksamt Reinickendorf von Berlin, Landesdenkmalamt Berlin
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