Das traditionsreiche Cantianstadion im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark ist mittlerweile nahezu vollständig verschwunden. Nur zwei Flutlichtmasten und letzte Betonreste erinnern noch an die einstige Arena in Prenzlauer Berg, auf deren Fläche ab 2027 ein Neubau entstehen soll.

Blick auf das Spielfeld und die Tribünen des früheren Cantianstadions Anfang der 2010er Jahre. Die traditionsreiche Sportstätte bot zuletzt knapp 20.000 Zuschauerinnen und Zuschauern Platz. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT

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Das frühere Cantianstadion im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark ist aus dem Stadtbild von Prenzlauer Berg verschwunden. Wo über Jahrzehnte Fußballspiele, Leichtathletikwettbewerbe und Großveranstaltungen stattfanden, erstreckt sich mittlerweile eine weitgehend abgeräumte Fläche. Das Stadion und seine Tribünen wurden inzwischen fast vollständig abgetragen.

Vom Inneren des Sportparks lässt sich die einstige Stadionfläche mittlerweile nahezu vollständig überblicken. Letzte Reste der Anlage und größere Schuttberge erinnern noch an die frühere Arena. Bagger tragen das verbliebene Material schrittweise ab, während Lastwagen den Bauschutt vom Gelände transportieren.

Prenzlauer Berg: Zwei Flutlichtmasten erinnern an das alte Cantianstadion

Besonders auffällig sind die beiden verbliebenen Flutlichtmasten. Sie ragen über die freigeräumte Fläche hinaus und gehören zu den letzten sichtbaren Zeugnissen des alten Stadions. Die markanten, fächerförmig geneigten Konstruktionen prägten seit dem Umbau in den 1980er Jahren das Erscheinungsbild der Arena.

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Wie dauerhaft die beiden Masten erhalten bleiben und welche Rolle sie künftig im neu gestalteten Sportpark spielen werden, ist bislang nicht abschließend erkennbar. Derzeit markieren sie vor allem den Ort, an dem sich bis vor Kurzem noch eines der traditionsreichsten Berliner Stadien befand.

Vom Exerzierplatz zu einer Wiege des Berliner Fußballs

Die Geschichte des Geländes reicht weit über den Bau des späteren Cantianstadions hinaus. Seit 1825 nutzte die preußische Armee die Fläche als Exerzierplatz. Im Berliner Volksmund wurde das Areal als „Exer“ oder als Exerzierplatz zur Einsamen Pappel bezeichnet.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die weitläufige Freifläche zu einem wichtigen Ort des frühen Berliner Fußballs. Zahlreiche Vereine trugen hier ihre Spiele aus. Auch der damalige BFC Hertha 1892, aus dem später Hertha BSC hervorging, nutzte den Exerzierplatz zwischen 1893 und 1904.

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Abgeräumte Fläche des ehemaligen Cantianstadions mit Schutt, Erdhügeln, Mauerresten und zwei verbliebenen Flutlichtmasten.

Vom früheren Cantianstadion ist kaum noch etwas erhalten. Zwischen Erdhügeln und letzten Mauerresten ragen zwei Flutlichtmasten über die abgeräumte Fläche. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Das Areal am Jahnsportpark gehört zu den ältesten Fußballstandorten Deutschlands

Das Gelände gilt daher als einer der ältesten kontinuierlich genutzten Fußballstandorte Deutschlands. Ab 1913 entstanden auf Teilen des Areals erste kommunale Spiel- und Sportanlagen.

In den folgenden Jahrzehnten wurde das Gelände schrittweise erweitert. Nach dem Zweiten Weltkrieg lagerten hier große Mengen Trümmerschutt, der später beim Bau des neuen Stadions verwendet wurde.

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Stadionbau für die Weltjugendfestspiele 1951

Anlässlich der III. Weltjugendfestspiele entstand 1951 innerhalb weniger Monate der Berliner Sportpark. Der Bauhaus-Absolvent Rudolf Ortner entwarf das Große Stadion als schlichtes Erdstadion mit zunächst bis zu 30.000 Plätzen. Ein Jahr später erhielt die Anlage den Namen Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark.

1964 wurde eine erste Flutlichtanlage installiert, 1970 folgte eine Tartanbahn. Eine umfassende Modernisierung veränderte das Stadion 1986 und 1987 deutlich. Damals entstanden die viergeschossige, rückseitig mit rotem Glas verkleidete Haupttribüne, die überdachte Gegengerade und die charakteristischen Flutlichtmasten. 1998 kamen die bunten Schalensitze hinzu, die das Erscheinungsbild bis zum Abriss bestimmten.

Eine Luftaufnahme zeigt den alten Jahnsportpark während der Abrissarbeiten.

Eine Luftaufnahme zeigt den alten Jahnsportpark während der Abrissarbeiten im März 2025. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Fußball, Leichtathletik und ein Konzert von Michael Jackson

Zu DDR-Zeiten war das Cantianstadion vor allem mit dem Fußball verbunden. Zunächst trug Vorwärts Berlin hier seine Heimspiele aus, später wurde die Arena zur langjährigen Spielstätte des BFC Dynamo. Zudem fanden zehn Länderspiele der DDR-Nationalmannschaft sowie mehrere Partien im Europapokal statt.

Auch die Leichtathletikgeschichte des Stadions war bedeutend. Beim Olympischen Tag wurden zahlreiche Weltrekorde erzielt. 1984 warf Uwe Hohn den Speer auf 104,80 Meter und übertraf damit als erster Athlet die Marke von 100 Metern.

Nach der Wiedervereinigung nutzten unter anderem Union Berlin, Hertha BSC, Viktoria Berlin, die VSG Altglienicke und mehrere American-Football-Teams die Arena. Im September 1992 trat zudem Michael Jackson während seiner „Dangerous World Tour“ im Jahnsportpark auf. Zehntausende Fans verfolgten das Konzert im und vor dem Stadion.

Bagger beim Abbruch von Betonresten auf dem Gelände des ehemaligen Cantianstadions im Jahnsportpark.

Ein Bagger zerkleinert die letzten Betonreste des früheren Stadions. Der anfallende Bauschutt wird anschließend vom Gelände abtransportiert. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Neues Stadion soll ab 2027 entstehen

Der Abriss des Großen Stadions begann im Oktober 2024, wurde zeitweise aus Gründen des Artenschutzes unterbrochen und anschließend fortgesetzt. Begleitet wurde das Vorhaben von langjährigen Debatten über Denkmalschutz, ökologische Eingriffe und mögliche Alternativen zum vollständigen Rückbau.

Nun ist die alte Arena fast vollständig verschwunden. Auf der freigeräumten Fläche soll nach derzeitiger Planung ab 2027 ein neues, barrierefreies Stadion entstehen. Es bildet den zentralen Baustein des geplanten Inklusions-Sportparks. Damit beginnt an einem der traditionsreichsten Berliner Sportstandorte ein neues Kapitel – während vorerst nur zwei Flutlichtmasten an das frühere Cantianstadion erinnern.

Schuttberge und freigeräumte Flächen am Standort des abgerissenen Cantianstadions in Berlin-Prenzlauer Berg.

Große Schuttberge prägen derzeit das Gelände des früheren Cantianstadions. Die einstigen Tribünen und Sportanlagen sind vollständig verschwunden. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Die Darstellung zeigt den Eingangsbereich des Jahnsportpark Neubaus in Berlin mit Menschen auf breiten Wegen und barrierearmen Rampen sowie dem Stadiongebäude im Hintergrund.

Die Visualisierung zeigt den geplanten barrierearmen Zugang zum Neubau im Jahnsportpark in Berlin mit breiten Wegen, Rampen und Aufenthaltsflächen im Umfeld des Stadions. Ab dem kommenden Jahr soll der Neubau beginnen. / © Visualisierung: O+M Architekten GmbH

Stadion-Neubau im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark
Im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark soll ein neues barrierefreies und inklusionsorientiertes Leichtathletik- und Fußballstadion mit mehr als 20.000 Plätzen entstehen.

Quellen: O+M Architekten GmbH, berlin.de, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Wikipedia, Deutsches Architektur Forum, Architektur Urbanistik Berlin, Senatsverwaltung für Inneres und Sport, Bürgerinitiative Jahnsportpark

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One Comment

  1. Asha 24. September 2026 at 16:34 - Reply

    Schön schnell mit dem Bau anfangen, sonst siedeln sich da unter freudiger Unterstützung von Naturextremisten schon bald 2 Zauneidechsen, 1 Spatzenpaar und 4 Blindschleichen und irgendeine einsame Kröte in ner Baupfütze an, die das Ganze dann wieder um 6 Jahre und 240 Millionen € verzögern und verteuern.
    Während der reichste Mensch der Welt im Wald und Wasserschutzgebiet munter Wald holzt und Feuchtland trockenlegt, um Fabriken für Autos zu erweitern, die keiner kaufen will.
    Prioritäten setzen ist halt schwierig.

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