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Im Berliner Jahn-Sportpark hat die Asbestentsorgung nach monatelanger Verzögerung begonnen. Der Abtransport des krebserregenden Materials erfolgt nun täglich, begleitet von Luftmessungen. Die Kritik an Informationspolitik und Sicherheitsvorkehrungen bleibt jedoch bestehen.
Arbeiterinnen und Arbeiter in Schutzkleidung am Friedrich-Ludwig-Jahn-Stadion.

Arbeiterinnen und Arbeiter beim Rückbau des Friedrich-Ludwig-Jahn-Stadions tragen Schutzanzüge und Atemmasken. Schuttberge der abgerissenen Osttribüne wurden mit Planen abgedeckt, nachdem schwach gebundener Asbest entdeckt worden war. Die Schutzmaßnahmen erfolgten erst Wochen nach Beginn der Abrissarbeiten. / © Foto: Bürgerinitiative Jahnsportpark

© Fotos: Bürgerinitiative Jahnsportpark
© Foto Titelbild: © IMAGO / Rolf Zöllner

 

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Im Frühjahr 2025 wurde beim Rückbau des Friedrich-Ludwig-Jahn-Stadions in Berlin-Prenzlauer Berg schwach gebundener Asbest entdeckt. Die Substanz galt als überraschender Fund, da sie in Hohlräumen der 1980er-Jahre errichteten Tribüne unbemerkt verbaut worden war. Der Schutt lag unweit des stark frequentierten Mauerparks, was in der Nachbarschaft für erhebliche Verunsicherung sorgte.

Besonders kritisiert wurde die verzögerte Reaktion auf den Fund: Obwohl erste Erkenntnisse über die Belastung bereits im April 2025 vorlagen, wurde der asbesthaltige Schutt zunächst nur provisorisch gesichert. Die Bürgerinitiative Jahnsportpark sprach von mangelhafter Informationspolitik und reichte eine Strafanzeige gegen die Senatsverwaltung ein.

Täglicher Abtransport angelaufen: Senat sieht keine Gesundheitsgefahr durch Asbestbeseitigung

Laut Senatsverwaltung für Stadtentwicklung wird der kontaminierte Bauschutt seit dem 19. Juni 2025 nach einem abgestimmten Konzept entsorgt. Inzwischen liegt auch die Genehmigung des Landesamts für Umwelt Brandenburg für den Abtransport zu einer Deponie im Berliner Umland vor. Seit der vergangenen Woche erfolge die Entsorgung nun „containerweise“ und täglich, wie der Tagesspiegel berichtet.

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Der Abtransport hatte sich zuletzt wegen Unwettern weiter verzögert. Aktuell seien die Arbeiten jedoch im Plan. Nach Angaben der Verwaltung besteht keine Gesundheitsgefahr: Begleitende Luftmessungen hätten keine Asbestfasern nachgewiesen.

Unzureichende Schutzmaßnahmen? Initiative wirft Senat Versäumnisse bei Asbestentsorgung in Prenzlauer Berg vor

Die Bürgerinitiative bleibt trotz Fortschritten bei der Entsorgung skeptisch. Sie kritisierte, dass der Fund lange nicht kommuniziert wurde und die Baustelle über Wochen unzureichend gesichert gewesen sei. Planen seien verrutscht, Schutzvorgaben nicht eingehalten worden. Auch die vorgeschriebene staubdichte Einhausung sei ausgeblieben.

Die Senatsverwaltung weist die Vorwürfe zurück. Man habe schnell reagiert, Schutzmaßnahmen eingeleitet und das betroffene Material abgedeckt. Der asbesthaltige Bauschutt sei mit Planen gesichert worden. Die tägliche Kontrolle der Sicherheitsvorkehrungen entspreche den geltenden Vorschriften.

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Trotz Kritik: Senat hält am Stadionneubau im Jahn-Sportpark ab 2026 fest

Trotz der Diskussionen um Asbest und Sicherheit hält der Senat am geplanten Stadionneubau fest. Ab 2026 soll auf dem Gelände ein barrierefreier Inklusionssportpark für rund 250 Millionen Euro entstehen. Zwei der alten Flutlichtmasten sollen im Herbst 2025 gesprengt werden, trotz Bedenken wegen der dichten Wohnbebauung.

Der Zeitpunkt der Sprengung liegt laut Senatsverwaltung voraussichtlich zwischen dem dritten und vierten Quartal 2025. Zwei Masten sollen erhalten bleiben und in die Neugestaltung des Geländes integriert werden. Kritiker fordern jedoch, alle Masten als bauliche Zeugnisse der DDR-Zeit zu erhalten.

Das Thema Asbest hat die Diskussion um den Jahn-Sportpark in eine neue Richtung gelenkt. Der eigentliche Plan, ein modernes und inklusives Sportareal zu schaffen, rückt angesichts der Konflikte um Sicherheit, Transparenz und Umweltschutz in den Hintergrund. Klar ist: Die Auseinandersetzungen um den Abriss und Neubau werden das Viertel auch in den kommenden Monaten begleiten.

Quellen: Landesamt für Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz und technische Sicherheit Berlin, Bürgerinitiative Jahnsportpark, NaturFreunde Berlin, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, LOR Landschaftsarchitekten, Verein Pfeffersport, Bürgerverein Gleimviertel, rbb, Tagesspiegel, Berliner Zeitung

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