Eine neue Studie zeigt eine Milliardenlücke in Berlin. Bis 2035 braucht die Hauptstadt 100,5 Milliarden Euro für Infrastruktur, Bildung, Gesundheit, Klimaschutz und Wohnungsbau.

Die Grafik zeigt den Investitionsbedarf Berlins bis 2035 nach Handlungsfeldern. Den größten Finanzbedarf sieht die Studie beim bezahlbaren Wohnen, gefolgt von Bildung und Netzinfrastruktur. / © Grafik: ENTWICKLUNGSSTADT mit KI
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Berlin steht vor einer der größten Finanzierungsaufgaben der kommenden Jahre. Die Studie „Zukunft beginnt heute!“ der Forschungsgruppe für Strukturwandel und Finanzpolitik vom DGB und der Hans-Böckler-Stiftung beziffert den Investitionsbedarf der Hauptstadt bis 2035 auf 100,5 Milliarden Euro. Das Geld wird für Infrastruktur, Bildung, Gesundheit, Klimaneutralität und vor allem für Wohnungsbau benötigt.
- Ort: Berlin
- Studie: „Zukunft beginnt heute!“
- Herausgeber: DGB Berlin-Brandenburg und Hans-Böckler-Stiftung
- Zeitraum: 2026 bis 2035
- Gesamtbedarf: 100,5 Milliarden Euro
- Größter Posten: Wohnungsbau mit 27,6 Milliarden Euro
- Weitere Schwerpunkte: Bildung, Infrastruktur, Klimaneutralität, Gesundheit
Berlin braucht laut Studie jedes Jahr rund 10 Milliarden Euro für öffentliche Investitionen. Der aktuelle Landeshaushalt erreicht dieses Niveau bei weitem nicht. Für 2026 und 2027 plant Berlin Investitionen von knapp sechs Milliarden Euro pro Jahr. Damit klafft jährlich eine Finanzierungslücke von rund vier Milliarden Euro.
Infrastruktur in Berlin: Verkehr, Netze und Brücken brauchen Milliarden
Allein für die Netzinfrastruktur veranschlagt die Studie 23,7 Milliarden Euro. Dazu zählen Verkehr, Breitband, Energie und Wasser. Der größte Anteil entfällt auf den öffentlichen Nahverkehr. Für BVG-Infrastruktur und Fahrzeuge, den Berliner Anteil am Bahnprogramm „i2030“ sowie neue S-Bahnzüge werden hohe Milliardenbeträge angesetzt.
Auch Straßen, Brücken und Radwege bleiben zentrale Baustellen. Hintergrund sind der hohe Sanierungsstau sowie zahlreiche alternde Ingenieurbauwerke. Die Studie nennt für Berlins Straßen einen Bedarf von 2,1 bis 2,4 Milliarden Euro. Für Brücken kommt rund eine Milliarde Euro hinzu. Für Radwege werden 300 Millionen Euro genannt. Anfang 2026 gab es in Berlin zudem 6.724 öffentliche Ladepunkte für E-Mobilität, darunter 1.102 Schnellladepunkte. Die bestehende Ladeinfrastruktur bildet dabei lediglich den Ausgangspunkt. Auch hier sieht die Studie einen weiteren Ausbau als Teil der Verkehrswende als notwendig.

Eine Visualisierung zeigt, wie die Schönhauser-Allee-Brücke einmal aussehen soll. / © Visualisierung: SenMVKU
Wohnungsbau in Berlin: Sozialwohnungen werden teuerster Posten
Der größte Einzelbereich ist der Wohnungsbau. Die Studie beziffert den Bedarf für bezahlbares Wohnen auf 27,6 Milliarden Euro. Berlin müsste bis 2035 zusätzlich 51.900 Sozialwohnungen schaffen. Zugleich laufen jedes Jahr viele Wohnungen aus der Mietpreisbindung. Daraus ergibt sich ein zusätzlicher Bedarf von rund 13.200 mietpreisgebundenen Wohnungen pro Jahr.
Bei der Bildung liegt der Bedarf bei 25,5 Milliarden Euro. Die Studie sieht bei Schulen Fortschritte, aber weiter hohen Sanierungsdruck. Besonders groß fällt der Rückstand bei Hochschulen und Universitäten aus. Für Gesundheit nennt die Studie 5,2 Milliarden Euro, davon fünf Milliarden Euro für Krankenhäuser und 220 Millionen Euro für Pflegeinfrastruktur.
Finanzierung in Berlin: Studie nennt Einnahmen, Landesunternehmen und IBB
Für Klimaneutralität bis 2045 errechnet die Studie 18,5 Milliarden Euro bis 2035. Davon entfallen 12,9 Milliarden Euro auf die Landesverwaltung und 5,5 Milliarden Euro auf die Unterstützung von Unternehmen bei der Transformation.
Bei der Finanzierung verweist die Studie auf mehrere Wege. Berlin könne eigene Einnahmen stärken, etwa durch mehr Betriebsprüfungen, die Bekämpfung von Steuermissbrauch und Parkraumbewirtschaftung. Außerdem nennt sie Steuerreformen, eine Neuordnung der Bund-Länder-Finanzen, Landesunternehmen und die Investitionsbank Berlin.
Berliner Schulbauoffensive als Positiv-Beispiel
Als positives Beispiel gilt die Berliner Schulbauoffensive. Die landeseigene HOWOGE finanziert dort Schulbau über Kredite und vermietet die Gebäude anschließend an Schulträger. Im Doppelhaushalt 2026/2027 sind zwei Milliarden Euro für Schulbau vorgesehen. Hinzu kommen 790 Millionen Euro durch die HOWOGE. Dadurch konnten Investitionen außerhalb des klassischen Landeshaushalts finanziert werden. Die Studie sieht darin ein Modell, das Berlin auch in anderen Bereichen prüfen kann.
Die Studie liefert damit eine umfassende Übersicht über den Investitionsbedarf Berlins bis 2035. Sie zeigt nicht nur die Höhe der Milliardenlücke auf, sondern benennt auch konkrete Finanzierungsansätze für Infrastruktur, Wohnungsbau, Bildung, Gesundheit und Klimaschutz.
Quellen: DGB Berlin-Brandenburg, Hans-Böckler-Stiftung, Berliner Morgenpost
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