Hamburg baut weiter am Radnetz. Nach einem intensiven Ausbaujahr richtet sich der Blick nun auf die nächste Phase: mehr Sicherheit, bessere Orientierung und eine stärkere Nutzung der vorhandenen Infrastruktur.

Hamburg will 2026 den Blick zunehmend darauf richten, das bestehende Radnetz sicherer, verständlicher und alltagstauglicher zu machen. Inwieweit die geplanten Nachrüstungen, neuen Routen und bessere Wegweisung zu einer spürbar höheren Nutzung führen werden, bleibt vorerst abzuwarten. / © Foto: Eva Haeberle
© Fotos: Eva Haeberle
Hamburg bleibt beim Ausbau der Radinfrastruktur auf Kurs. Seit 2020 sind rund 343 Kilometer Radwege neu gebaut oder grundlegend saniert worden. Dies entspricht einer Strecke, die in ihrer Länge sinnbildlich bis nach Kopenhagen reicht. Im vergangenen Jahr kamen etwa 50 Kilometer hinzu.
Doch nach Jahren intensiver Bautätigkeit verschiebt sich der Schwerpunkt zunehmend: weg von reinen Längenangaben, hin zu Qualität, Sicherheit und der Frage, wie gut das Netz im Alltag tatsächlich funktioniert.
Hamburger Radnetz: Mehr Qualität statt nur mehr Kilometer
Ein zentrales Merkmal des bisherigen Ausbaus ist der hohe Anteil geschützter Infrastruktur. Rund zwei Drittel der in jüngerer Zeit realisierten Radwege wurden als baulich getrennte oder besonders gesicherte Anlagen umgesetzt. Projekte wie der neue Jungfernstieg oder die Umgestaltung rund um die Hohenfelder Bucht zeigen, wie Radverkehr, Aufenthaltsqualität und Stadtgestaltung zusammengedacht werden können.
Gleichzeitig wird das Hamburger Radnetz systematisch weiterentwickelt. Die bisherigen Velorouten werden schrittweise zu einem stadtweiten Netz zusammengeführt. Ergänzt wird dies durch ein neues Leitsystem, das die Orientierung verbessern soll. Dieser Punkt galt bislang als Schwachstelle und dürfte auch zur vergleichsweise zurückhaltenden Nutzung mancher neuer Strecken beigetragen haben.
Hamburg setzt auf Innovationen und Pilotprojekte im Radverkehr
Neben klassischen Straßenumbauten setzt die Stadt verstärkt auf Pilotprojekte. Mit der Radbrücke in der Halskestraße entstand erstmals eine reine Radverkehrsbrücke, weitere Projekte testen neue Standards für Schutz- und Trennelemente auf bestehenden Radfahrstreifen. Ziel ist es, gefährliche Abschnitte auch dort sicherer zu machen, wo kurzfristig kein vollständiger Umbau möglich ist.
Dass Hamburg bundesweit wahrgenommen wird, zeigt die Auszeichnung eines bereits abgeschlossenen Projekts an der Louise-Schröder-Straße mit dem Deutschen Fahrradpreis. Gleichzeitig bleibt die Kritik bestehen, dass der Ausbau nicht automatisch zu einer entsprechend höheren Nutzung führt.
Neue Wegweisung und Zebrastreifen auf Radwegen: Der Blick nach vorn
Für 2026 sind zahlreiche Maßnahmen geplant, die genau hier ansetzen. Fünf Pilotprojekte zur Nachrüstung von Protektionselementen sollen zeigen, wie sich Sicherheit kurzfristig erhöhen lässt. Hinzu kommen neue und sanierte Radwege auf wichtigen Achsen sowie weitere Abschnitte der Radroute Plus, die schnelle und komfortable Verbindungen ins Umland schaffen sollen.
Auch die nächste Ausrollphase der neuen Wegweisung steht an. Sie soll helfen, das wachsende Netz verständlicher zu machen und Hemmschwellen abzubauen. Ergänzend wird in einem Pilotversuch geprüft, wie Zebrastreifen auf Radwegen wirken – ein weiterer Baustein, um Konflikte zu reduzieren.
Kontinuität statt Kurswechsel: Radnetz soll spürbar verbessert werden
Die Verkehrsbehörde setzt damit auf einen kontinuierlichen Ausbau mit wachsendem Fokus auf Alltagstauglichkeit. Dr. Anjes Tjarks, Senator für Verkehr und Mobilitätswende machte deutlich, dass das Fahrrad eine zentrale Rolle in der städtischen Verkehrsstrategie einnimmt und es künftig weniger um symbolische Projekte als um spürbare Verbesserungen gehen soll.
Ob diese Strategie aufgeht, wird sich vor allem daran messen lassen, ob mehr Hamburgerinnen und Hamburger das Rad tatsächlich häufiger nutzen.
Quellen: Behörde für Verkehr und Mobilitätswende Hamburg, Mobilität in Deutschland, NDR
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