In mehreren Berliner Bezirken entstehen derzeit sogenannte „Tiny Forests“: kleine, dichte Miniwälder nach japanischem Vorbild. Sie sollen das Stadtklima verbessern, Lebensraum schaffen und die Nachbarschaft einbinden.

Tiny Forests in Berlin: Interessierte können sich an den Pflanzaktionen beteiligen. Die Projekte leben vom Engagement derjenigen, die ihre Stadt aktiv begrünen wollen. / © Foto: depositphotos.com / belchonock
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© Titelbild: Wikimedia Commons, Cultureel Gelderland, CC0
Während die Berliner Regierungskoalition das Budget für Stadtgrün deutlich reduziert und damit das zentrale Klimaanpassungsziel „eine Million neue Bäume bis 2040“ finanziell in Frage stellt, engagieren sich Ehrenamtliche in verschiedenen Teilen der Hauptstadt dafür, zumindest kleine Waldflächen anzulegen, die trotz ihrer geringen Größe ökologisch wirksam sein sollen.
„Tiny Forests“ in Berlin: Bis zu 20 Miniwälder in der Stadt geplant
Projekte in Marienfelde und Hellersdorf gehören zu den ersten Berliner Beispielen dieser Art. Im Bürgergarten „Helle Oase“ in Hellersdorf etwa entsteht seit dem 5. November auf rund 136 Quadratmetern ein Miniwald mit etwa 400 Bäumen und Sträuchern. Auch in Marienfelde wurde im April eine Fläche von rund 250 Quadratmetern mit etwa 750 Gehölzen bepflanzt.
Beide Vorhaben werden von der Berliner Genossenschaft KARUNA eG in Kooperation mit dem Verein MIYA Forest e.V. umgesetzt. Ziel ist es, die Methode in Berlin zu erproben und Bürgerinnen und Bürger aktiv einzubeziehen. Die Berliner Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz unterstützt die Projekte, teilweise mit Mitteln des „Right Now Climate Fund“ von Amazon, der rund eine Million Euro für bis zu 20 solcher Miniwälder in der Stadt bereitstellt.
Ursprung der Idee der „Tiny Forests“: Das Miyawaki-Konzept
Das Konzept geht auf den japanischen Botaniker Akira Miyawaki zurück, der in den 1970er-Jahren eine Pflanzmethode entwickelte, bei der verschiedene standorttypische Arten dicht nebeneinander gesetzt werden. Durch diese enge Pflanzung entsteht innerhalb weniger Jahre ein stabiler, sich selbst regulierender Miniwald. Der hohe Konkurrenzdruck zwischen den Pflanzen fördert ein schnelles Wachstum und eine dichte Vegetation, die schon nach kurzer Zeit Schatten spendet und Lebensräume schafft.
Diese „Tiny Forests“ sind nicht nur ökologisch, sondern auch sozial gedacht. In Berlin werden Anwohnerinnen und Anwohner regelmäßig in die Pflanzung und Pflege eingebunden. Etwa im Bürgergarten „Helle Oase“ ist das Projekt eng mit bestehenden Umwelt- und Bildungsangeboten verknüpft. So soll der Miniwald auch ein Lernort werden, an dem Stadtnatur erfahrbar wird.
Miniwälder in Berlin sollen sich positiv auf das Stadtklima auswirken
In dicht bebauten Gebieten können Miniwälder positive Effekte entfalten. Sie verbessern die Luftqualität, binden CO₂, speichern Regenwasser und wirken der Aufheizung des Bodens entgegen. Gerade in Berlin, wo viele versiegelte Flächen dominieren, sind solche Projekte als Beitrag zur Klimaanpassung gedacht.
Nach Angaben der Senatsverwaltung wurden die Standorte bewusst in Quartieren gewählt, in denen ökologische und soziale Effekte gleichermaßen spürbar sind. In Hellersdorf etwa war der Boden stark mit Bauschutt belastet und kaum durchlässig. Die aufwendige Bodenaufbereitung vor der Pflanzung soll helfen, langfristig ein gesundes Ökosystem aufzubauen.
Zwischen Anspruch und Realität: Kontinuierliche Betreuung gilt als entscheidend
Manche Kritiker befürchten , dass das Konzept als kurzfristiger Imagefaktor genutzt werde, ohne langfristige Pflegekonzepte zu sichern. Auch wird angezweifelt, inwieweit Tiny Forests langfristig stabil bleiben, da der enge Raum zu Konkurrenz zwischen den Arten führen könne. Befürworter sehen darin jedoch einen natürlichen Prozess, bei dem neue Pflanzen nachwachsen.
Tiny Forests seien kein Wundermittel, aber ein möglicher Baustein für mehr Grün und Artenvielfalt in der Stadt. Eine kontinuierliche Betreuung durch Initiativen oder Nachbarschaften gilt als entscheidend, um das ökologische Potenzial tatsächlich zu entfalten.
Am 19. November soll der zweite Miniwald im Bezirk Marzahn-Hellersdorf entstehen. Gemeinsam mit Freiwilligen erfolgt dann die Pflanzung von 1.200 Bäumen und Sträuchern auf dem Gelände des Begegnungscafés „neBENNan“ in Marzahn.
Quellen: Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, moabitonline.de, Global Goals Berlin, Umweltbundesamt, MIYA Forest, forstpraxis.de, turmstrasse.de, tinyforestberlin.de
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