Der deutsche Immobilienmarkt stabilisiert sich, doch eine breite Erholung lässt weiter auf sich warten. Für die ABG Real Estate Group gewinnen deshalb die Weiterentwicklung bestehender Immobilien, Revitalisierungen und ein aktives Asset Management an Bedeutung. Projekte wie Central Parx und das Palais Rossmarkt in Frankfurt zeigen, wie dieser Ansatz konkret umgesetzt wird. Gleichzeitig bleibt insbesondere der Wohnungsbau von einer nachhaltigen Trendwende entfernt.

Frankfurts Immobilienmarkt bleibt in Bewegung: Besonders bei Büroimmobilien gewinnen Qualität, Lage und die Weiterentwicklung bestehender Gebäude an Bedeutung. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
© Visualisierung: ABG Real Estate Group
Der deutsche Immobilienmarkt befindet sich weiterhin in einer Phase der Neuorientierung. Zwar haben sich Finanzierungsbedingungen und Preisvorstellungen von Käufern und Verkäufern zuletzt angenähert, von einer breiten Markterholung kann nach Einschätzung von Ulrich Höller, Geschäftsführender Gesellschafter der ABG Real Estate Group, jedoch noch nicht gesprochen werden.
Beim Presse-Dinner des Unternehmens am 23. September 2026 in Frankfurt machte Höller deutlich, dass die Normalisierung langsamer voranschreitet als noch vor einem Jahr erwartet. Eine deutlichere Belebung des Marktes erwartet er derzeit erst ab der zweiten Jahreshälfte 2027.
Für die kommenden Jahre rückt damit stärker die Frage in den Mittelpunkt, wie bestehende Immobilien unter veränderten Marktbedingungen weiterentwickelt werden können. Kapital sei grundsätzlich vorhanden, werde jedoch selektiver eingesetzt, so Höller.
Entscheidend seien zunehmend die langfristige Wettbewerbsfähigkeit einer Immobilie, ihre Vermietbarkeit und der notwendige Investitionsbedarf. Für ABG bedeutet das, nicht auf einen allgemeinen Aufschwung zu warten, sondern verstärkt auf Revitalisierung, Repositionierung und die aktive Entwicklung bestehender Gebäude zu setzen. Gerade im Bestand sieht das Unternehmen erhebliche Wertschöpfungspotenziale.
Revitalisierung wird zur zentralen Aufgabe im Bestand
Nach Einschätzung Höllers wird sich die Wertschöpfung auf dem Immobilienmarkt künftig stärker in den Bestand verlagern. Während steigende Marktpreise lange Zeit einen wesentlichen Teil der Wertentwicklung ausmachten, komme es heute stärker darauf an, bestehende Gebäude aktiv weiterzuentwickeln.
Revitalisierung, Repositionierung und Umnutzung gewinnen damit an Bedeutung. Entscheidend sei, ob Immobilien an veränderte Anforderungen angepasst und langfristig wettbewerbsfähig gehalten werden können. Gerade bei älteren Gebäuden werde deshalb zunehmend geprüft, welche Investitionen notwendig sind, um Nutzung, Energieeffizienz und Aufenthaltsqualität auf ein zeitgemäßes Niveau zu bringen.
Besonders deutlich zeigt sich dieser Wandel auf dem Büromarkt. Höller geht nicht davon aus, dass das Büro durch hybride Arbeitsmodelle grundsätzlich an Bedeutung verliert. Vielmehr veränderten sich die Anforderungen an die Flächen. Moderne Büros müssten heute flexiblere Nutzungsmöglichkeiten, eine gute Erreichbarkeit und eine hohe Aufenthaltsqualität bieten.
Ein Teil des steigenden Leerstands sei deshalb aus seiner Sicht nicht allein auf fehlende Nachfrage zurückzuführen, sondern auch auf Immobilien, die den heutigen Anforderungen nicht mehr entsprechen. Für Eigentümer wächst damit der Druck, bestehende Gebäude neu zu positionieren oder umfassend zu modernisieren.
Central Parx zeigt den Wandel bestehender Büroimmobilien
Wie umfangreich die Weiterentwicklung älterer Bürogebäude ausfallen kann, zeigt Central Parx an der Bockenheimer Landstraße. Das 1965 nach Plänen von Sep Ruf errichtete und denkmalgeschützte Ensemble aus Tower, Studio und Pavillon wird von der ABG Real Estate Group gemeinsam mit der HanseMerkur Grundvermögen umfassend revitalisiert.
Auf rund 25.650 Quadratmetern Mietfläche entstehen moderne Büroflächen, während prägende Teile der bestehenden Architektur erhalten bleiben. Das Investitionsvolumen liegt bei rund 370 Millionen Euro. Im Juni 2026 wurde für das Projekt Richtfest gefeiert, die Fertigstellung ist für 2028 vorgesehen.
Neben der energetischen Sanierung werden Grundrisse und Gebäudetechnik an heutige Anforderungen angepasst. Gleichzeitig bleibt die charakteristische Architektur des Ensembles erhalten. Für Höllers Einschätzung zum Büromarkt ist auch der Vermietungsstand interessant: Nach Angaben der Projektpartner sind die Flächen inzwischen nahezu vollständig vergeben. Central Parx verbindet damit den Erhalt eines bedeutenden Bestandsgebäudes mit einer umfassenden technischen und funktionalen Erneuerung.

Central Parx entsteht in unmittelbarer Nähe zum Rothschildpark und zählt zu den derzeit größten Revitalisierungsvorhaben im Frankfurter Bankenviertel. Statt eines Neubaus wird die bestehende Bausubstanz umfassend modernisiert und weiterentwickelt. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Beim „Palais Rossmarkt“ rückt der Baustart näher
Ein weiteres großes Revitalisierungsprojekt verfolgt ABG nur wenige Schritte von Hauptwache und Goetheplatz entfernt. Das denkmalgeschützte Palais Rossmarkt blickt auf mehr als 120 Jahre Bankgeschichte zurück und soll gemeinsam mit HanseMerkur Grundvermögen zu einem modernen Büro- und Geschäftshaus weiterentwickelt werden. Geplant sind rund 15.700 Quadratmeter Fläche bei einem Investitionsvolumen von mehr als 250 Millionen Euro.
Die historische Fassade sowie prägende Bereiche wie der Frankfurter Saal und das frühere Präsidentenzimmer bleiben erhalten. Hinter der denkmalgeschützten Außenhülle entstehen neue, flexibel nutzbare Flächen mit moderner Gebäudetechnik.
Auf dem Dach ist ein 1.600 Quadratmeter großer Rooftop Garden geplant
Auf dem Dach ist zudem ein rund 1.600 Quadratmeter großer Rooftop Garden geplant, der als größter Dachgarten Frankfurts bezeichnet wird. Öffentlich zugänglich soll dieser nach Angaben Höllers allerdings nicht sein. Die Fertigstellung ist derzeit für 2030 vorgesehen.
Beim Presse-Dinner konkretisierte Höller auch den Zeitplan und die erwartete Positionierung des Projekts. Der Baustart soll nach seinen aktuellen Angaben Ende 2026 erfolgen. Für die künftigen Büroflächen hält er Mietpreise von mehr als 65 Euro pro Quadratmeter für realistisch. Begründet hat er diese Einschätzung vor allem mit der zentralen Lage und dem besonderen Charakter des denkmalgeschützten Gebäudes.
Neben Wärmepumpen, Photovoltaik und dem begrünten Dachgarten sind für das Palais mehrere Nachhaltigkeitszertifizierungen vorgesehen. Nach Central Parx setzt ABG damit auch am Rossmarkt auf eine umfassende Erneuerung eines prominenten Frankfurter Bestandsgebäudes.

Die Visualisierung zeigt die geplante Dachterrasse des revitalisierten Palais Rossmarkt. Begrünte Aufenthaltsbereiche, Pflanzflächen und Dachgärten sollen die neuen Büroflächen ergänzen. Nach Angaben der Projektentwickler entsteht hier einer der größten Dachgärten Frankfurts. / © Visualisierung: ABG Real Estate Group
Wohnungsbau: Zwischen wachsender Planung und fehlenden Baustarts
Schwierig bleibt die Lage im Wohnungsbau. Zwar ist das erfasste Wohnprojektvolumen laut Development Monitor von bulwiengesa Mitte 2026 auf rund 68 Millionen Quadratmeter gestiegen. Davon befinden sich jedoch rund 31 Millionen Quadratmeter noch in Planung, während lediglich etwa 15,5 Millionen Quadratmeter tatsächlich gebaut werden. Auch die Zahl der Baustarts bleibt niedrig: Im zweiten Quartal 2026 lag das neu gestartete Wohnprojektvolumen rund 67 Prozent unter dem Höchststand von 2022. Von einer nachhaltigen Trendwende könne deshalb auch aus Sicht Höllers noch nicht gesprochen werden.
ABG will das Wohnsegment dennoch deutlich ausbauen. In München entwickelt das Unternehmen gemeinsam mit Partnern mehrere größere Wohnprojekte mit insgesamt rund 1.500 Wohnungen. Zusätzlich ist gemeinsam mit HanseMerkur Grundvermögen ein Wohnentwicklungsfonds geplant, der in Projektentwicklungen und Redevelopments in deutschen Metropolregionen sowie Universitäts- und Wissenschaftsstädten investieren soll.
Kapital ist vorhanden, wird aber vorsichtiger eingesetzt
Auch am Investmentmarkt zeichnet sich eine leichte Stabilisierung ab. Im ersten Halbjahr 2026 wurden laut BNP Paribas Real Estate Gewerbeimmobilien im Wert von rund 12,3 Milliarden Euro gehandelt, acht Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Nach Einschätzung Höllers nähern sich Käufer und Verkäufer bei ihren Preisvorstellungen wieder an. Investoren prüfen jedoch genauer, welche Immobilien langfristig vermietbar sind und wo zusätzliche Investitionen notwendig werden.
Für Bewegung könnten zudem auslaufende Finanzierungen aus der Niedrigzinsphase sorgen. Höhere Zinsen, niedrigere Immobilienbewertungen und strengere Anforderungen der Banken können bei einer Anschlussfinanzierung zu Lücken führen. Höller rechnet deshalb weiterhin mit Verkäufen und neuen Investitionsmöglichkeiten, allerdings nicht mit einer gleichmäßigen Erholung des gesamten Marktes.
Deutscher Immobilienmarkt: Bestandsgebäude rücken stärker in den Mittelpunkt
Damit verdichtet sich das Bild eines Marktes, in dem nicht mehr allein Neubau und steigende Preise den Takt vorgeben. Entscheidend wird zunehmend, wie gut sich bestehende Immobilien an neue Anforderungen anpassen lassen. Revitalisierung, Repositionierung und eine klare Qualitätsstrategie gewinnen dadurch weiter an Gewicht. Projekte wie Central Parx und das Palais Rossmarkt zeigen, wie ABG diesen Ansatz bereits konkret umsetzt.
Gleichzeitig bleibt die Gesamtlage anspruchsvoll. Der Wohnungsbau kommt nur langsam voran, Investoren agieren zurückhaltender und eine breite Erholung des Immobilienmarktes ist weiterhin nicht in Sicht. Umso wichtiger wird es für Entwickler und Eigentümer, bestehende Potenziale gezielt zu nutzen und Immobilien langfristig wettbewerbsfähig aufzustellen.
Palais am Roßmarkt
Central Parx
Quellen: ABG Real Estate Group, Ulrich Höller, HanseMerkur Grundvermögen, Palais Rossmarkt, CENTRAL PARX, bulwiengesa, BNP Paribas Real Estate
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