Die WBM lässt den Biergarten „James June“ denkmalgerecht umbauen. ENTWICKLUNGSSTADT war zu Besuch auf der Baustelle in der Karl-Marx-Allee und hat sich von Architektin Friederike Schwalbe und Landschaftsarchitektin Imke Singer erklären lassen, wie sie historische Elemente freilegen und zeitgemäß weiterdenken wollen.

Architektin Friederike Schwalbe (links) und Landschaftsarchitektin Imke Singer (rechts) wollen den Biergarten „James June“ zurück in die 1970er Jahre bringen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
© Visualisierung Titelbild: Schwalbe-Singer Gbr
Hinter den Bauzäunen auf der Karl-Marx-Allee schreitet der Umbau des Biergartens „James June“ sichtbar voran. Die Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte (WBM) lässt das denkmalgeschützte Ensemble aus Garten und Pavillon umfassend im Stil der 1970er-Jahre restaurieren.
Auf der Baustelle erklären Architektin Friederike Schwalbe und Landschaftsarchitektin Imke Singer im Interview mit ENTWICKLUNGSSTADT, wie sie historische Elemente freilegen, den Charakter der 1970er-Jahre zurückbringen und gleichzeitig einen modernen, nachhaltigen Ort für alle Generationen schaffen wollen.
ENTWICKLUNGSSTADT: Sie bauen zurzeit den Biergarten „James June“ um. Was ist Ihre Vision?
Schwalbe: Unsere Vision ist vor allem, dieses besondere Denkmalensemble aus Garten und Restaurant wieder in den größeren Zusammenhang der Karl-Marx-Allee einzubetten. Das ist auch eine zentrale Vorgabe der Denkmalbehörde. Dies betrifft zum einen das Gebäude und den Garten aber auch den Standort als ursprüngliche Biergartennutzung mit Tanzkapelle, erweitert um das Restaurant.
Sie wollen Elemente der 1970er-Jahre wieder sichtbar machen. Wie setzen Sie das um?
Schwalbe: Die 1970er-Jahre bilden den Bestand, den wir heute weitgehend vorfinden. Wir werden daher freilegen, was aus dieser Zeit noch vorhanden ist, und um architektonische Elemente ergänzen – teilweise inspiriert von den 1950er-Jahren, teilweise aus unserer eigenen Gestaltung. Damit orientieren wir uns an den anderen Elementen der klassischen Moderne innerhalb der Karl-Marx-Allee wie das Kino Kosmos aber auch den späteren Pavillons mit Galerien und Bars, dem Café Moskau und Kino International.
Warum dieser Fokus auf die 1970er-Jahre?
Singer: Ein Gutachten von 2018 hat ergeben, dass außer der Natursteinmauer praktisch nichts mehr aus den 1950er-Jahren existiert. Der Bestand stammt fast vollständig aus den 1970er-Jahren. Deshalb folgen wir der Empfehlung, auch im Stil dieser Epoche zu restaurieren. Planung und Ausführung erfolgen in enger Abstimmung mit der Unteren Denkmalbehörde.
Welche historischen Elemente bleiben erhalten und was kommt neu hinzu?
Schwalbe: Erhalten bleiben vor allem das große Wandmosaik sowie die Tanzkapelle mit dem kleinen Mosaik und alle Bestandsgebäudeteile. Auch im Garten bleibt grundsätzlich alles, was vorhanden ist. Neu entstehen drei große Dachflächen, also eine Dachlandschaft, dazu ein großer Außentresen und ein Anbau zur Erweiterung des Gastraums. Wir möchten ein ganzjährig nutzbares attraktives Restaurant schaffen. Außerdem ergänzen wir einen zweiten Rettungsweg aus dem Keller. Beim Anbau kommen Paravents hinzu, die die Verbindung zwischen Restaurant und Garten gestalten.
Singer: Auch die Kubatur der Außenanlagen bleibt bestehen. Die Waschbeton-Einfassungen richten wir als Sitznischen wieder her. Unter alten Aufbauten haben wir Betonformplatten entdeckt, die wir ebenfalls freilegen. Die Natursteinmauer wird restauriert. Außerdem revitalisieren wir ein Wasserbecken mit drei Fontänen. Es gibt neue Beleuchtung an den alten Standorten. Wir wollen insgesamt mehr Helligkeit schaffen: Die Mosaike werden angestrahlt, das Wasserbecken bekommt Licht, und einzelne Pflanzen werden ebenfalls beleuchtet.
Wird auch neu gepflanzt?
Singer: Der Garten war in den 1970er-Jahren als Rosengarten konzipiert. Früher gab es auch Kugelahorn und eine große Linde – all das ist verschwunden. Wir pflanzen wieder Rosen mit Gräsern und Stauden, allerdings keinen klassischen Rosengarten. Dazu kommen Sträucher und Bodendecker. Zur Straße Pariser Kommune entsteht eine immergrüne Hecke als Raumkante und zur Abschirmung des Verkehrs. Außen ergänzen wir eine Baumreihe, die die vertikale Raumkante bildet. Zur Karl-Marx-Allee bleibt der Garten offen.
Wie integrieren Sie das Thema Nachhaltigkeit beim Umbau?
Schwalbe: Wir arbeiten überwiegend mit mineralischen Putzen und Farben. Die neuen Dächer werden aus Holz gebaut. Obwohl es beim Denkmal keine Pflicht gibt, werden wir das Gebäude dämmen und mit neuen Fenstern versehen – das entspricht dem Energiefahrplan der WBM. Außerdem installieren wir eine Photovoltaikanlage und gestalten das Dach extensiv begrünt.
Singer: Im Außenbereich nutzen wir überwiegend vorhandene Materialien weiter. Regenwasser versickert künftig direkt vor Ort.
Was bleibt vom alten Biergarten und was kommt neu hinzu?
Schwalbe: Der Biergarten bleibt erhalten und wird weiterhin offen für alle Generationen von James June betrieben. Neu ist das ganzjährig geöffnete Restaurant. Es wird eine moderne gastronomische Vollküche neu gebaut.
Singer: Neu sind auch die früher typischen Sitzbänke, die wir an den Waschbetonelementen rekonstruieren werden. Sie waren rund 30 Jahre verschwunden. Besonders ist, dass es sich um DDR-Hockerbänke handelt. Sie werden fest installiert.
Wann soll eröffnet werden?
Schwalbe und Singer: Im Juni 2026.
Quellen: Friederike Schwalbe Architektur, Imke Singer Landschaftsarchitektur
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3 Kommentare
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Gerade eines der dunkelsten Architekturjahrzehnte des Jahrtausend wird mühsam zurückgebracht. Darauf hätte ich verzichten können.
Die Visualisierung verheißt nichts gutes, Waschbeton und Betonboden, wer soll sich da wohlfühlen….. Das James June war eine grüne Oase und komplett abgetrennt von dem Lärm der Straße….alles weg 🙁
oje sieht das düster aus