Im Ilsekiez in Berlin-Karlshorst verzögert sich der geplante Baustart für ein umstrittenes Nachverdichtungsprojekt der HOWOGE. Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden, dass vorbereitende Arbeiten vorerst nicht beginnen dürfen. Grund sind Defizite beim Artenschutz — betroffen sind unter anderem Zwergfledermäuse und Haussperlinge.
© Foto Titelbild: HOWOGE
Die HOWOGE darf mit den Bauarbeiten für ihr Nachverdichtungsprojekt im Ilsekiez vorerst nicht beginnen. Das Verwaltungsgericht Berlin hat in einem Eilverfahren entschieden, dass die erteilte naturschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung voraussichtlich rechtswidrig ist. Damit ist auch die geplante Baufeldfreimachung zunächst gestoppt.
Die Senatsverwaltung hatte der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft am 12. Februar 2026 erlaubt, die Vegetation bis Ende Februar zu beseitigen, obwohl dadurch essentielle Nahrungshabitate geschützter Arten wie des Haussperlings (Passer domesticus) und der Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus) betroffen wären. Gegen diese Genehmigung klagte ein Naturschutzverband. Das Gericht wies den Eilantrag der HOWOGE zurück.
Verwaltungsgericht Berlin: Zweifel an Ausnahmegenehmigung für Ilsekiez-Bauprojekt
Die Kammer stellte klar, dass die Schaffung von Wohnraum zwar ein hochrangiges öffentliches Interesse darstelle und grundsätzlich Ausnahmen vom Artenschutz rechtfertigen könne. Voraussetzung sei jedoch, dass sich der Erhaltungszustand der betroffenen Populationen nicht verschlechtere. Genau hierzu fehlten nach Auffassung des Gerichts ausreichende Feststellungen.
Das Land Berlin habe die Auswirkungen des Bauvorhabens auf Haussperling und Zwergfledermaus nicht ausreichend geprüft. Ob sich deren Erhaltungszustand verschlechtere, könne das Gericht im Eilverfahren nicht eigenständig klären. Gegen den Beschluss kann Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg eingelegt werden.
Ilsekiez in Karlshorst: HOWOGE plant 237 Wohnungen und Kita in den Innenhöfen
Im Ilsekiez zwischen Ilsestraße und Marksburgstraße plant die HOWOGE insgesamt elf Neubauten mit 237 Wohnungen, einer Kita und Gewerbeeinheiten. Die Siedlung aus den 1950er Jahren mit begrünten Innenhöfen soll damit nachverdichtet werden. Etwa die Hälfte der Wohnungen ist als geförderter Wohnraum vorgesehen, zudem sind barrierefreie Einheiten geplant.
Seit 2017 sorgt das Vorhaben für Proteste. Die Initiative „Rettet den Ilse-Kiez“ kritisiert den Verlust von Grün- und Gemeinschaftsflächen sowie die Fällung zahlreicher Bäume. Die HOWOGE verweist dagegen auf ihre Aufgabe, dringend benötigten Wohnraum zu schaffen, und betont, dass neue Spiel- und Aufenthaltsflächen vorgesehen seien. Der ursprünglich für 2025 angekündigte Baustart hatte sich bereits verzögert — nun kommt mit dem gerichtlichen Beschluss eine weitere Unsicherheit hinzu.
Quellen: Verwaltungsgericht Berlin, HOWOGE, Karlshorst e.V., Sprecherrat der Bürgerinitiative „Rettet den Ilse – Kiez“, Bezirksamt Lichtenberg
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