Im Ilse-Kiez spitzt sich der Konflikt um ein großes Wohnungsbauprojekt erneut zu. Kurz vor Beginn der Rodungssaison hat der Bezirk Lichtenberg eingegriffen. Für das seit Jahren umstrittene HOWOGE-Vorhaben bedeutet das einen weiteren Aufschub.

An der Kreuzung von Ilsestraße und Marksburgstraße liegt der umstrittene Ilsekiez in Berlin-Karlshorst. Das Bezirksamt Lichtenberg will die Nachverdichtung durch die HOWOGE deutlich begrenzen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
© Titelbild: HOWOGE
Zwischen Ilse-, Marksburg- und Lisztstraße sollen 246 neue Mietwohnungen entstehen. Doch bevor die HOWOGE die dafür vorgesehenen Flächen freimachen kann, muss erneut der Artenschutz geprüft werden. Der Bezirk hat Rodungen vorerst untersagt.
- Bezirk: Lichtenberg
- Ort: Ilsestraße / Marksburgstraße
- Wohnungen: 246 Mietwohnungen
- Gebäude: zehn Neubauten mit vier bis fünf Geschossen sowie ein sechsgeschossiges Gebäude
- Projektstatus: Baufeldfreimachung durch Artenschutzfragen verzögert
Im Karlshorster Ilse-Kiez sollte nach jahrelanger Planung neuer Wohnraum entstehen. Tatsächlich steht das Vorhaben der landeseigenen HOWOGE jedoch weiter vor einem ungelösten Problem.
Bezirk stoppt Rodungen im Ilse-Kiez bis Ende Oktober
Am 30. September 2026 erließ das Bezirksamt Lichtenberg nach Angaben des BUND Berlin eine Untersagungsverfügung. Auf den vorgesehenen Bauflächen dürfen damit zunächst keine Bäume oder Sträucher gerodet werden. Die Regelung gilt bis zum Abschluss der artenschutzrechtlichen Überprüfungen, zunächst längstens bis zum 31. Oktober 2026.
Damit verschiebt sich die Baufeldfreimachung erneut. Die Rodungen hätten nach Darstellung des BUND ab dem 1. Oktober grundsätzlich beginnen können. Der Umweltverband hatte deshalb am 30. September vom Bezirksamt verlangt, die Arbeiten zu untersagen. Der Bezirk kam dieser Forderung zumindest vorläufig nach.

Der geplante Wohnungsbau im Ilse-Kiez verzögert sich erneut, nachdem der Bezirk Lichtenberg Rodungen auf den betroffenen Flächen vorerst untersagt hat. / © Foto: SenStadt (DL-DE-Zero-2.0)
Ilse-Kiez: Haussperlinge und Zwergfledermäuse beschäftigen erneut die Behörden
Im Mittelpunkt stehen vor allem Haussperlinge und Zwergfledermäuse. Der BUND hält die bisherigen Untersuchungen und Ausgleichsmaßnahmen für nicht ausreichend. Nach Auffassung des Verbands müsse unter anderem geklärt werden, ob Ersatzlebensräume bereits ihre vorgesehene Funktion erfüllen. Auch die aktuelle Planung zum Artenschutz kritisiert der Verband.
Der Konflikt ist nicht neu. Bereits im Februar 2026 hatte das Verwaltungsgericht Berlin einen geplanten Beginn der Rodungen gestoppt. Die Senatsverwaltung hatte zuvor eine artenschutzrechtliche Ausnahme zugelassen. Diese betraf essenzielle Nahrungshabitate von bis zu 71 Brutpaaren des Haussperlings und bis zu 72 Zwergfledermäusen. Das Gericht bewertete die Ausnahmegenehmigung im Eilverfahren als voraussichtlich rechtswidrig, weil die Auswirkungen auf den Erhaltungszustand der Populationen nicht ausreichend festgestellt worden seien.
Schon zuvor hatte das Projekt wegen der Bebauung der grünen Innenhöfe erheblichen Widerstand ausgelöst. Die Nachverdichtung im Ilse-Kiez und die Proteste gegen das Vorhaben beschäftigen Politik und Nachbarschaft seit Jahren.
HOWOGE plant inzwischen 246 Wohnungen in Karlshorst
Dabei hat sich das Projekt während der langen Planung verändert. In früheren Unterlagen war noch von 237 Wohnungen die Rede. Die aktuelle Projektseite der HOWOGE nennt inzwischen 246 Mietwohnungen. Sie sollen sich auf zehn Neubauten mit vier bis fünf Geschossen sowie ein sechsgeschossiges Gebäude mit Gewerbeeinheit verteilen. Geplant sind Wohnungen mit einem bis fünf Zimmern sowie eine größere gemeinschaftliche Wohnform. Die Hälfte der Wohnungen soll barrierefrei sein.
Auch die Freiflächen will die HOWOGE neu gestalten. Vorgesehen sind unter anderem Spiel- und Bewegungsflächen, Quartiersplätze und neue Wegeverbindungen. Zudem nennt die Wohnungsbaugesellschaft Gründächer, Photovoltaikanlagen, Regenwasserversickerung und ein quartiersübergreifendes Regenwassermanagement. Für Fahrräder sind 478 Stellplätze vorgesehen.
Noch Anfang 2024 war davon ausgegangen worden, dass die neuen Wohnhäuser im Ilse-Kiez ab 2025 entstehen könnten. Inzwischen nennt die HOWOGE 2028 als Fertigstellung. Ob dieser Zeitplan nach den erneuten Verzögerungen gehalten werden kann, ist derzeit offen.
HOWOGE-Projekt Ilse-Kiez
Quellen: BUND Berlin, HOWOGE, Verwaltungsgericht Berlin, Bezirksamt Lichtenberg
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