Beim ICC Berlin ist das Konzeptverfahren abgeschlossen. Bis 2028 müssen Baurecht, Finanzierung und Erbbaurecht geklärt werden. Baustart könnte 2029 sein.

Die Visualisierung zeigt die geplante Erweiterung M11 des ICC Berlin mit neuen Nutzungen und einer stärkeren Öffnung des Gebäudes zum öffentlichen Raum. / © Visualisierung: GRAFT GmbH / Max Dudler GmbH
© Titelbild: GRAFT GmbH / Max Dudler GmbH
Nach mehr als einem Jahrzehnt im Stillstandsbetrieb hat das ICC Berlin erstmals einen konkreten Entwicklungspartner und ein ausgearbeitetes Nutzungskonzept. Dennoch rollen am Messedamm nicht schon morgen die Bagger an. Nach Abschluss des Wettbewerbs beginnt jetzt eine rund zweijährige Phase, in der aus dem Entwurf ein genehmigungs- und finanzierbares Projekt werden muss.
- Bezirk: Charlottenburg-Wilmersdorf
- Adresse: Messedamm 22, 14055 Berlin
- Projektstatus: Vergabeempfehlung
- Baubeginn: erste Baumaßnahmen ab 2029 möglich
- Inbetriebnahme: schrittweise ab 2032/2033 angestrebt
Die Ausgangslage hatte ENTWICKLUNGSSTADT bereits ausführlich dargestellt: Aus dem früheren Kongresszentrum soll ein dauerhaft genutztes Quartier für Kultur, Veranstaltungen, Gastronomie und Kreativwirtschaft entstehen.
Das wettbewerbliche Dialogverfahren ist abgeschlossen. Die Jury bewertete das Konzept der „Projektpartnerschaft Quartier ICC“ im April 2026 positiv, am 12. Juni folgte die offizielle Vergabeempfehlung. Auch in der Sitzung des Baukollegiums vom 31. August wurde ausdrücklich festgehalten, dass das Verfahren abgeschlossen sei und das Projekt nun in die Vorbereitungsphase wechsle.

Im Inneren des ICC sind neue Arbeits-, Kultur- und Aufenthaltsbereiche vorgesehen, die das Gebäude wieder öffentlich zugänglich machen sollen. / © Visualisierung: GRAFT GmbH / Max Dudler GmbH
ICC Berlin: Exklusivitätsvereinbarung und Erbbaurecht
Die Vergabeempfehlung ist jedoch noch kein endgültiger Zuschlag. Als Nächstes will das Land der Projektpartnerschaft eine Exklusivitätsvereinbarung anbieten. Anschließend beginnt die sogenannte Anhandgabe. Dafür sind rund zwei Jahre vorgesehen. In dieser Zeit müssen insbesondere Baurecht, Finanzierung, Denkmalschutz sowie das Nutzungs- und Betriebskonzept weiter konkretisiert werden.
Das ist entscheidend, weil das Land die Grundstücke nicht verkaufen will. Ziel bleibt eine Vergabe über Erbbaurechte. Schon die Ausschreibung sah eine Laufzeit von 99 Jahren vor; die Grundstücke bleiben damit im Eigentum Berlins. Der entsprechende Vertrag muss dem Abgeordnetenhaus zur Beschlussfassung vorgelegt werden. Bis 2028 sollen nach aktuellem Zeitplan die Voraussetzungen für diese Vergabe geschaffen sein.
Baustart 2029 beim ICC ist möglich – aber noch nicht beschlossen
Damit lässt sich die Frage nach einem möglichen Baustart relativ klar beantworten: Das ICC könnte ab 2029 zur Baustelle werden. Sicher ist das aber noch nicht. Der Senat formuliert ausdrücklich, dass erste Baumaßnahmen ab 2029 beginnen könnten. Eine schrittweise Inbetriebnahme ist derzeit ab 2032/2033 vorgesehen.
Bis dahin geht es zudem um weit mehr als die Sanierung des Bestands. Das Konzept sieht das ICC als „Haus als Quartier“. Mehrere Eingänge und eine öffentliche Nord-Süd-Passage sollen die heutige Insellage aufbrechen. Die Planer wollen Nutzungen bewusst nicht für Jahrzehnte starr festschreiben, sondern das Gebäude langfristig weiterentwickeln können. Im Baukollegium betonte das Team deshalb, dass Durchlässigkeit, unterschiedliche Programme und eine schrittweise Entwicklung zusammengehören.
Auch das Umfeld gehört zum Projekt. Auf dem heutigen Parkplatz am Messedamm 9 ist ein Hochhaus mit Hotel, Wohnungen und Büros vorgesehen. Am Messedamm 11 soll das bestehende Parkhaus einem Neubau mit Parkplätzen sowie Hotel-, Büro-, Gastronomie- und Gewerbeflächen weichen. Neue Vorplätze und Zugänge sollen das ICC stärker mit Messe, Kantstraße und dem künftigen Stadteingang West verbinden.

Am Standort Messedamm 9 soll nach den aktuellen ICC-Plänen ein Hochhaus M09 mit verschiedenen Nutzungen entstehen. / © Visualisierung: GRAFT GmbH / Max Dudler GmbH
ICC-Konzept muss jetzt technisch und wirtschaftlich belastbar werden
Im Baukollegium wurde zugleich deutlich, wie groß diese Aufgabe bleibt. Das Planungsteam warnte davor, die Projektpartnerschaft als Lösung für sämtliche Probleme des ICC zu verstehen. Wegen der Verbindungen zur Messe, zur Autobahn, zum Stadteingang West und zu den angrenzenden Quartieren brauche es weiterhin eine gesamtstädtische Abstimmung.
Genau darin liegt nun die nächste Etappe: Nicht mehr die grundsätzliche Idee steht im Mittelpunkt, sondern ihre Umsetzbarkeit. Erst wenn Finanzierung, Baurecht, Denkmalschutz, Verträge und Betriebskonzept zusammenpassen und der endgültige Zuschlag erfolgt, kann aus der Vision tatsächlich eine Baustelle werden.
ICC Berlin: Quartier ICC
Quellen: 113. Sitzung des Baukollegiums Berlin, Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe, BIM Berliner Immobilienmanagement GmbH, ICC Berlin
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