Mit 250 Metern Länge und sechs Querflügeln prägt das I.G. Farben-Haus seit 1931 das Frankfurter Westend. Der Poelzig-Bau erzählt von industrieller Macht, US-Militärgeschichte und heutiger Universitätsnutzung.

Empfangen wurde man hier durch ein prächtiges Portal: Das I.G. Farben-Gebäude im Westend wurde 1931 fertiggestellt, und zählt bis heute zu den eindrücklichsten Bauten in Frankfurt. / © Foto: Landesarchiv Baden-Württemberg, Staatsarchiv Freiburg W 134 Nr. 018582 Fotograf Willy Pragher, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons
© Titelbild und Foto: Landesarchiv Baden-Württemberg, Staatsarchiv Freiburg W 134 Nr. 018581a, Fotograf: Willy Pragher, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons
Das I.G. Farben-Haus im Frankfurter Westend entstand zwischen 1928 und 1931 nach Plänen des Architekten Hans Poelzig. Mit einer Länge von 250 Metern, sechs Querflügeln und moderner Stahlskelettbauweise galt es lange als größter Bürokomplex Europas. Seine Lage am heutigen Campus Westend prägt bis heute die Stadtsilhouette.
Errichtet als repräsentativer Verwaltungssitz der I.G. Farbenindustrie AG, wurde das Gebäude später zum Hauptquartier der US-Streitkräfte und ab den 2000er Jahren Teil der Goethe Universität Frankfurt. Damit spiegelt es die wechselvolle Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert wider und zählt zugleich zu den markantesten Bauwerken Frankfurts.
I.G.-Farben-Haus im Frankfruter Westend: Gebäudekomplex wurde 1931 fertiggestellt
Die Entstehung des Gebäudes war von Diskussionen und Widerständen begleitet. Zunächst plante die I.G. Farben ihren neuen Hauptsitz zwischen Main und Gutleut-Viertel, stieß dort jedoch auf Protest der Anwohner. 1927 einigte man sich schließlich auf ein Areal im Westend, das zuvor die städtische Psychiatrische Klinik genutzt hatte. Für den Bau lobte man einen Wettbewerb mit namhaften Architekten aus, an dem unter anderem Hans Poelzig, Ernst May und Fritz Höger teilnahmen.
Am Ende setzte sich Poelzig mit seinem Entwurf durch, der ein geschwungenes, siebenstöckiges Hauptgebäude mit sechs Querflügeln vorsah. Die Bauarbeiten begannen 1928 und zählten zu den modernsten ihrer Zeit. Ein Stahlskelett, Kräne und rationelle Baustellenorganisation ermöglichten den schnellen Fortschritt. Trotz baulicher Anpassungen, interner Konflikte und zweier tödlicher Unfälle wurde der Komplex 1931 termingerecht fertiggestellt.
250-Meter-Koloss: Poelzig-Bau verfügt über sieben Stockwerke und sechs Querflügel
Das I.G. Farben-Haus beeindruckte durch seine monumentale Dimension mit 250 Metern Länge, sieben Stockwerken und sechs radial angeordneten Querflügeln. Die klare Gliederung, die schmucklose Fassade und der serielle Charakter der Querbauten spiegelten den Rationalismus der Industriearchitektur wider.
Für die Innenausstattung zeichnete Marlene Moeschke-Poelzig verantwortlich. Südorientierte Büros nutzten das Tageslicht optimal, moderne Ausstattung wie Paternoster, Telefonanlagen, Aktenaufzüge und zentrale Entlüftungssysteme setzten Maßstäbe. Kunstwerke, darunter Gemälde von Hans Poelzig und das restaurierte Wandbild von Georg Heck, ergänzten die Gestaltung.
Ehemaliges I.G.-Farben-Gebäude: Vom Industriezentrum zu Eisenhowers Konferenzraum
Nach Kriegsende 1945 blieb das Gebäude nahezu unversehrt. Amerikanische Truppen übernahmen den Komplex und richteten zunächst das Hauptquartier der „Supreme Headquarters Allied Expeditionary Forces“ ein. Später nutzte General Dwight D. Eisenhower das Gebäude als Amts- und Konferenzraum. Von hier aus wurden zentrale Entscheidungen für die Nachkriegsordnung, die Entnazifizierung und den Wiederaufbau Deutschlands vorbereitet.
Auch während des Kalten Krieges behielt das Gebäude seine strategische Bedeutung. Ab 1951 war hier das fünfte Korps der US-Armee stationiert, weshalb der Komplex als „Pentagon of Europe“ bezeichnet wurde. Bis in die 1990er Jahre bildete das Haus einen zentralen Stützpunkt der amerikanischen Streitkräfte in Europa und wurde mehrfach Ziel von Anschlägen der RAF.
Universität statt Militär: Wie das I.G.-Farben-Gebäude sich zur Bildungsstätte wandelte
Nach dem Abzug der US-Truppen 1995 fiel das Gebäude an deutsche Behörden. Zwischen 1998 und 2001 wurden die Bestandsgebäude saniert und für geisteswissenschaftliche Fachbereiche der Goethe-Universität umgebaut. Neubauten für Wirtschaftswissenschaften und Recht ergänzten den Campus Westend. Die historischen Parkanlagen mit Wasserbecken und Skulpturen wurden restauriert und in das neue Nutzungskonzept integriert.
Das Gebäude dokumentiert die wechselvolle Geschichte Frankfurts und Deutschlands. Es erinnert an die industrielle Bedeutung der I.G. Farben, die im Nationalsozialismus unter anderem Zwangsarbeiter beschäftigte, an die Nachkriegsverwaltung durch die US-Streitkräfte und die strategische Rolle während des Kalten Krieges.
Historischer Bildungsort: Wollheim-Memorial weist auf Zwangsarbeit durch I.G.-Farben hin
Heute verbindet das Ensemble historisch gewachsene Architektur mit universitären Funktionen, während Gedenktafeln und das Wollheim-Memorial auf die Geschichte der Zwangsarbeit hinweisen. Architektur, Innenausstattung und Kunstwerke sollen erhalten werden, dadurch will man sowohl historische Zusammenhänge vermittelt als auch die kontinuierliche Nutzung als Bildungsstandort gewährleisten.
Quellen: Stadt Frankfurt, Goethe Universität Frankfurt, Wikipedia, Frankfurt 1933-1945
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