Der Konflikt um das Humboldt Forum spitzt sich zu. Bürgervereine üben Kritik an Entscheidungen der Stiftung und fordern Unterstützung für den Förderverein sowie die Rekonstruktion des Großen Treppenhauses.
© Titelbild: IMAGO
Am Humboldt Forum in Berlin geht der Konflikt rund um den Förderverein in die nächste Runde. Im Zentrum steht die Entscheidung der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss, den Vertrag mit dem Förderverein Berliner Schloss nicht zu verlängern. Mehrere Berliner Bürgervereine haben daraufhin Kritik geäußert und sich mit einem offenen Brief an den Kulturstaatsminister gewandt. Sie fordern, das Engagement des Fördervereins stärker zu berücksichtigen und neue Rekonstruktionsprojekte zu ermöglichen.
Das Humboldt Forum gilt als eines der wichtigsten Kulturprojekte der Hauptstadt. Es entstand im rekonstruierten Berliner Schloss und wird von der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss betrieben. Der Förderverein spielte bei der Rekonstruktion der barocken Fassaden eine zentrale Rolle. Er sammelte rund 110 Millionen Euro an privaten Spenden. Diese Finanzierung war politisch vorgesehen und gewollt. Doch kaum war das Projekt abgeschlossen, wurde der Förderverein vor die Tür gesetzt.
Förderverein und Stiftung: Unterschiedliche Positionen zum Humboldt Forum
Die Stiftung begründet ihre Entscheidung mit dem Abschluss des Bauprojekts. Aus ihrer Sicht besteht kein Anlass mehr, dem Förderverein Räume im Humboldt Forum zur Verfügung zu stellen oder weitere Spendenaktionen im Gebäude zu ermöglichen. Die Rekonstruktion sei abgeschlossen, zusätzliche Bauprojekte seien nicht vorgesehen.
Der Förderverein sieht das anders. Er verweist auf seine bisherige Leistung und verfolgt weitere Ziele. Dazu gehört vor allem die Rekonstruktion des historischen Großen Treppenhauses, auch als Gigantentreppe bekannt. Der Verein plant, zunächst die baureife Planung zu finanzieren und anschließend Spenden für die Umsetzung zu sammeln.

Das Humboldt Forum in Berlin zeigt am Schlossplatz die rekonstruierte barocke Fassade des Berliner Schlosses. / © Foto: Wikimedia Commons, abbilder, CC BY 2.0
Offener Brief an Kulturstaatsminister wegen Humboldt Forum
Vonseiten des Humboldt Forums wird das bisher abgelehnt. Begründung: Es könnte den Museumsbetrieb stören. „Die im Ostflügel des Gebäudes befindliche Raumaussparung für den Wiederaufbau des Treppenhauses, in der heute bauzeitliche Skulpturen und Spolien ausgestellt werden, ist jedoch überhaupt nicht mit dem eigentlichen Museumsbetrieb verbunden“, heißt es hingegen in einem offenen Brief an Kulturstaatsminister Dr. Wolfram Weimer.
Und weiter: „Andere Baumaßnahmen seit Eröffnung der Ausstellungen im Humboldtforum, wie die Rekonstruktion der historischen Portaldurchgänge, wurden ohne nennenswerte Beeinträchtigung des Museumsbetriebs durchgeführt.“
Bürgervereine äußern Kritik und fordern Unterstützung für Humboldt Forum
Die Allianz mehrerer Berliner Bürgervereine hat die Entscheidung der Stiftung in diesem Brief öffentlich kritisiert. Sie hält es für unangemessen, dass der Förderverein nach seiner zentralen Rolle beim Wiederaufbau keinen Platz mehr im Humboldt Forum erhält. Aus Sicht der Initiativen wäre es ein Zeichen der Anerkennung, dem Verein weiterhin Präsenz zu ermöglichen.
Zudem richtet sich die Kritik gegen die Ablehnung weiterer Rekonstruktionsprojekte. Die Bürgervereine argumentieren, das Große Treppenhaus habe hohe kulturelle Bedeutung. Es sei ursprünglich nach Entwürfen von Andreas Schlüter entstanden und galt als wichtiges Werk des Barock. Eine Rekonstruktion könne die historische Authentizität des Gebäudes stärken und zusätzliche Besucher anziehen.
Offene Fragen zur Zukunft des Humboldt Forums
Die Bürgervereine fordern in ihrem offenen Brief den Kulturstaatsminister auf, sich für den Verbleib des Fördervereins im Humboldt Forum einzusetzen. „Gerade in Zeiten knapper öffentlicher Mittel müsse bürgerschaftlich finanzierte Kulturarbeit stärker unterstützt werden“, heißt es darin.
Außerdem regen sie an, die strategische Ausrichtung und personelle Besetzung des Stiftungsvorstands zu überprüfen. Die Entscheidungen von Prof. Hartmut Dorgerloh seien nicht im Sinne dessen, was für Berlin und die Baukultur des Landes den größten Vorteil böte.
Wie sich der Konflikt entwickelt, ist derzeit offen. Klar ist jedoch, dass die Diskussion um das Humboldt Forum und die Rolle des Fördervereins weiter an Bedeutung gewinnt.
Humboldt Forum (Berlin-Mitte)
Quellen: Allianz der baukulturell engagierten Berliner Bürgervereine, Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss, Förderverein Berliner Schloss e.V.
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