Das Humboldt Forum hat den Vertrag mit dem Förderverein Berliner Schloss nicht verlängert. Was das für den Verein, das Schloss und weitere Rekonstruktionspläne bedeutet, ist derzeit offen.

Die Kuppel des Humboldt Forums prägt die Silhouette von Berlin-Mitte und trägt ein historisches Kreuz. / © Foto: depositphotos.com
© Titelbild: IMAGO
In Berlin ist ein weiterer Konflikt um das Humboldt Forum öffentlich geworden. Die Leitung des Hauses hat den Vertrag mit dem Förderverein Berliner Schloss e.V. nicht verlängert. Das ist deshalb bemerkenswert, weil der Förderverein rund 110 Millionen Euro an privaten Spenden für die historischen Fassaden des Berliner Schlosses in Berlin-Mitte eingeworben hatte. Das Humboldt Forum begründet die Entscheidung mit dem abgeschlossenen Bauvorhaben. Der Förderverein verweist dagegen auf seine bisherige Rolle und auf weitere Ideen für das Gebäude.
Das Humboldt Forum ist ein Kultur- und Ausstellungsgebäude in Berlin-Mitte. Betreiberin ist die Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss. Sie wurde 2009 auf Beschluss des Bundestags gegründet und koordiniert Betrieb, Programm und Vermittlung im Haus. Generalintendant und Vorstandsvorsitzender ist Hartmut Dorgerloh.
Humboldt Forum verlängert Vertrag mit dem Förderverein nicht
Der Wiederaufbau des Berliner Schlosses wurde staatlich finanziert, die Rekonstruktion der barocken Fassaden und einzelner baulicher Optionen dagegen durch private Spenden ermöglicht. Dieses Finanzierungsmodell war politisch vorgegeben. Noch im Juni 2025 wurde der Abschluss der Fassadenrekonstruktion öffentlich als Erfüllung des Bundestagsbeschlusses von 2002 beschrieben.
Nach Berichten von „Bild“ und „Berliner Morgenpost“ wurde der Vertrag des Fördervereins im Humboldt Forum nun nicht verlängert. Dorgerloh ließ dazu mitteilen, die Rekonstruktions- und Bauarbeiten seien vollständig abgeschlossen. Deshalb bestehe aus Sicht der Stiftung „kein Anlass mehr, dass der Förderverein im Humboldt Forum beispielsweise über neue Vereinstätigkeiten informiert, die das Humboldt Forum nicht betreffen, oder Spenden für weitergehende Ausbau- und Rekonstruktionsmaßnahmen sammelt, die weder beschlossen noch beabsichtigt sind“.
Diese Begründung entspricht der offiziellen Linie der Stiftung. Bereits 2024 hatte sie in einer Stellungnahme betont, dass private Spenden die vom Bundestag beschlossene Rekonstruktion der Fassaden und baulichen Optionen ermöglicht hätten. Zugleich macht die Stiftung seit Jahren deutlich, dass Entscheidungen über weitere bauliche Ergänzungen nicht beim Förderverein liegen, sondern in den zuständigen politischen und institutionellen Gremien.
Förderverein verweist auf 110 Millionen Euro und neue Ziele am Humboldt Forum
Der Förderverein Berliner Schloss hält dem entgegen, dass seine Arbeit mit dem Abschluss der Fassaden nicht beendet sei. Auf seiner Website wirbt der Verein weiter für zusätzliche Projekte am Berliner Schloss. Dazu gehören vor allem Planungen für die sogenannte Gigantentreppe. Nach Angaben des Vereins soll 2026 zunächst die baureife Planung finanziert werden.
Damit zeigt sich, worum der Streit in Berlin sachlich geht: nicht um den bereits umgesetzten Vertrag zum Fassadenaufbau, sondern um die Frage, ob der Förderverein auch nach Abschluss des ursprünglichen Bauvorhabens im Humboldt Forum präsent bleiben soll. Das Haus sieht dafür nach Ende der Rekonstruktionsarbeiten keinen institutionellen Anlass mehr. Der Verein möchte seine bisherige Leistung weiterhin sichtbar machen und für weitere Rekonstruktionsideen werben.
Humboldt Forum (Berlin-Mitte)
Quellen: Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss, Humboldt Forum, Bild, Berliner Morgenpost, Förderverein Berliner Schloss e.V.
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19 Kommentare
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Die Stiftung ist für die inhaltliche Programmgestaltung, Ausstellungen und den Betrieb des als Rekonstruktion des Hohenzollernschlosses errichteten Gebäudes verantwortlich. Mehr nicht.
Sie masst sich aber aber als alleinige Instanz zu entscheiden, was weiterhin mit dem Gebäude passiert. Ein weitere Rekonstruktion
ist der woken Leitung natürlich ein Dorn im Auge. Aber sie haben das nicht zu entscheiden.
Wenn Sie den Text gelesen hätten, wüssten Sie, dass sich die Stiftung gar nichts „anmasst“ bzw. anmaßt. Die Stiftung verweist zurecht darauf, dass ihr die Entscheidung über weitere Rekonstruktionen nicht obliegt, sondern der Politik . Logisch, dass ohne eine solche Entscheidung ein Spendensammeln wenig Sinn macht.
Ihren Satz mit „woke“ finde ich unqualifiziert, er wird der hervorragenden und von vielen Bürgern und Bürgerinnen geschätzten Arbeit der Stiftung nicht gerecht.
Es sollte allmählich Trend werden, solche Pöbeleien den Trumps der Welt zu überlassen.
Es ist schlicht entwürdigend, wie die Stiftung Humboldtforum mit dem Schlossbauförderverein umgeht. Ohne die Rekonstruktion der barocken Schlossfassaden, demokratisch finanziert durch eine große Bürgerbewegung, gäbe es auch das Humboldtforum und damit die Stiftung Humboldtforum nicht. Vor diesem Hintergrund ist das Verhalten der Stiftung und des Herrn Dorgerloh natürlich eine Anmaßung.
Der Hinweis darauf, dass die Leitung des Humboldtforums woke ist, ist doch keine unqualifizierte Pöpelei. Jeder, der dieses Idiot*innen:deutsch auf den Erklärtafeln des Museums erleben und erleiden musste, kann die Einschätzung von Max bestätigen.
Sie selbst sind mit Ihrem Kommentar gegen Max doch derjenige, der pöbelt. Lassen Sie das.
Pöpelei gibts auch .. meinte aber Pöbelei
Schön, dass Sie mit Ihrem Begriff „Idiot*innen:deutsch“ belegen, dass Sie ein Freund des Pöbelns sind. Aber lassen Sie sich beraten:
Wer herumpöbelt, wird nicht ernst genommen, sondern erntet höchstens Mitleid für seine Verbitterung.
Erst einmal bedauerlich, dass entwicklungsstadt.de kein aktuelles Foto des Schlosses mit den Balustradenfiguren verwendet hat.
Die Kündigung des Vertrages durch die Stiftung macht überhaupt kein Sinn, nachdem die Stiftung der Vertrag kein Geld kostet. Die Begründung der Kündigung zeigt ja die tatsächlich dahinter stehende Intention: Man will weitere Rekonstruktionen verhindern! Nur, und nur das ist der Grund für die Kündigung. Wer die Verantwortlichen der Stiftung und ihre Einstellung zu gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Fragen kennt, wird die Bezeichnung „woke“ hinnehmen müssen. Man haderte schon mit dem Kreuz auf der Kuppel nebst umlaufenden Text wie auch den Balustradenfiguren. Und ich meine, dass man sich auch schon gemein gemacht hatte mit dem Ansinnen eines nach meiner Erinnerung Kasseler Architekten (was hat der eigentlich mit Berlin zu tun), die Fassade jetzt nachträglich wieder mit den Kriegsschäden des 2. WK zu versehen. Die verantwortlichen Mitglieder der Stiftung sind unzweifelhaft „linkswoke“ zu verorten! Und man will deswegen auch das Werben für die Rekonstruktion anderer historischer Bauten verhindern. Der Stiftung passt die ganze Richtung des Vereins nicht!
Es gibt auch keinen Grund, die Gigantentreppe nicht wieder zu rekonstruieren, soweit eine Rekonstruktion auf der Grundlage vorhandenen Bildmaterials oder von Planungsunterlagen überhaupt gelingt (was zweifelhaft ist). Der Betroffene Schlossbereich hält die Kubatur vor und ist derzeit wenig attraktiv gestaltet.
Mich würde im Übrigen auch die Wiederherstellung der Rossebändiger auf der Lustgartenseite interessieren!
„..sind unzweifelhaft „linkswoke“ zu verorten! “
Woke (Aussprache: [woʊk] ⓘ, englisch für „aufgewacht, wach; aufmerksam, wachsam“) ist ein im afroamerikanischen Englisch in den 1930er Jahren entstandener Ausdruck, der ein „wachsames“ Bewusstsein für mangelnde Minderheitenrechte und Rassismus beschreibt. https://de.wikipedia.org/wiki/Woke
Wer ist denn in Ihrem Weltbild rechtswoke zuverorten? Hinweise, ich finde die Debatte hier gut und finde wohl auch das der Verein dort ein Bleiberecht hat, aber mit der Verwendung von Begriffen wie Woke tun sich die Befürworter keinen gefallen, ganz im Gegenteil.
Die Rekonstruktion weiterer Elemente des Innengebäudes wäre doch sehr zu begrüßen. Das Beispiel Balustradenfiguren zeigt doch sehr schön: Ohne sah das Humboldt Forum etwas leer und nicht gut aus, mit aber umso mehr!
Das trifft wohl auch für die Gigantentreppe zu. Wäre doch wunderbar, durch Spenden finanziert dieses Schmuckstück wiederzusehen!
Habe eben im HeuteJournal gesehen, dass nach 40 Jahren der Wiederaufbauarbeiten am Dresdener Residenzschloss wieder eine fantastische, neue Ausstellung eröffnet wurde…
In Dresden hat man sich für einen Weg entschieden, der begeistert und zukunftsträchtig ist und für die Stadt – abgesehen von den positiven Imageaspekten – auch einen identitären und wirtschaftlichen Mehrwert hat (trotz enormer Rekonstruktionskosten in den letzten Jahrzehnten).
In Berlin hat man sich für den Weg einer vergleichsweise bescheidenen Teilrekonstruktion entschieden.
Das Ergebnis ist unbefriedigend.
Hätte man sich doch nur von Dresden inspirieren lassen und anstatt irgendwelche fremden Weltkulturen in einem merkwürdigen, preußisch- modernen Hybridgebäude zu präsentieren… lieber die in Berlin beheimatete Kultur- und Herrschaftsgeschichte der brandenburgisch-preussischen Hohenzollerndynastie in einem entsprechenden Museum zur Schau gestellt. Und dies in einem innen und außen weitgehend historisch korrektem, vollständigen Wiederaufbau des Stadtschlosses, der notwendigerweise – wie in Dresden- auf Jahrzehnte hätte angelegt werden müssen.
Vielleicht wird man den stattdessen eingeschlagenen Weg irgenwann einmal als unbefriedigende Sackgasse erkennen, die für Berlin keinen überzeugenden Mehrwert bietet. Weder in Image- und Identitätsaspekten, noch in wirtschaftlicher Hinsicht leistet das Humboldtforum für Berlin auch nur annähernd das, was das Dresdener Residenzschloss für Dresden in diesen drei Aspekten leistet.
Das Humboldtforum ist meiner Ansicht nach eine riesengroße Enttäuschung. Ein fauler Kompromiss zwischen den damaligen Befürwortern der Originalrekonstruktion und ihren damaligen Gegnern.
Zitat: „.. lieber die in Berlin beheimatete Kultur- und Herrschaftsgeschichte der brandenburgisch-preussischen Hohenzollerndynastie in einem entsprechenden Museum zur Schau gestellt.“
Bei so einer Gelegenheit kann dann ausführlich über die intime Männerbeziehungen vom Alte Fritz berichtet werden, oder ist dieser Bestandteil vom adligen Leben dann wieder zu „woke“ in Ihrem Wortbestand?
Ki: Briefe, Geschenke und die Intimität in schriftlichen Beziehungen zeigen starke emotionale Bindungen zu Männern; Friedrichs Vorliebe für männliche Kameradschaften, seine Distanz zu Ehe und heterosexuellen Beziehungen sowie sein Interesse an männlicher Schönheit wurden von Zeitgenossen kommentiert.
Ich meinte meinen Kommentar nicht abwertend gegen andere Kulturen dieser Welt.. ich finde es einfach nur naheliegender, an diesem historischen Ort die (eigene) Kultur und Geschichte zu zeigen, die hier stattgefunden hat und welche nunmal von der Hohenzollerndynastie ganz wesentlich geprägt wurde.
Berlin wäre ja bis heute ein vergleichsweise unbedeutendes Pupsdorf geblieben, wenn diese Dynastie sich nicht 1486 dazu entschieden hätte, Berlin zu ihrer Residenz zu machen.
Dass Berlin diesen wesentlichen Teil seiner Identität im Stadtbild der historischen Mitte erkennbar verleugnet, das ist dümmlich, ja geradezu bemitleidenswert unreif: pupertär.
Was den Alten Fritz anbelangt, nun, ist doch alles weithin bekannt.. und könnte natürlich auch in einem HohenzollernMuseum präsentiert werden – als Teil des Gesamtbildes. Warum nicht?
…pubertär..
Das Wirken der Hohenzollerndynastie inklusive Niederschlagunng der 1848-Revolution, Verursachen des Ersten Weltkrieges und Unterstützung der Nazis wird bereits ausreichend im Museum für deutsche Geschichte gewürdigt. Zum Glück haben wir 1918 die Idee, eine Familie unser Volk regieren zu lassen, ad acta gelegt.
Irritierend ist auch an Ihrer Aussage mit den „Fremden Kulturen“, dass deren Kunstwerke im Völkerkundemuseum ja gerade zur Zeit und oft im Auftrag der Hohenzollerndynastie gesammelt wurden. Meinen Sie ernsthaft, dass diese Kulturschätze es nicht wert sind, an zentraler Stelle gezeigt zu werden? Das fordern ja nicht einfach Parteien mit Rechtsextremismusverdacht.
Gewiss macht eine Rekonstruktion des Treppenhauses trotzdem Sinn, um tolle Barock-Architektur zu erleben. Aber für die Akquise von Spenden und politische Überzeugungsarbeit braucht der Förderverein ja nicht unbedingt einen Showroom im Humboldt-Forum.
Der „Hohenzollerndynastie“ die (alleinige) Verantwortlichkeit für den I. Weltkrieg zuzuweisen, ist dann schon eine reichliche Geschichtsklitterung!
Die jetzigen Ausstellungsstücke waren früher anderweitig und sehr schön ausgestellt, das musste nicht ins Stadtschloss Berlins ziehen, wenn man die alten Liegenschaften saniert hätte. Und die Wiederherstellung von Schlössern – einschließlich der Innenräume, und das, ohne dass dort eine König oder Kaiser wieder einzog – ist anderweitig und ideologiebefreit in Europa umgesetzt worden.
Ich gebe Ihnen und M.Hillen mal einen Tipp. Wenn sich vor allem Menschen für Rekonstruktionen einsetzen, die geschichtliche Tatsachen verkehren wollen und überkommene Adelsgeschlechter huldigen wollen, schadet das der Debatte enorm.
Es wird garantiert keine Gigantentreppe wiederaufgebaut, wenn sich dubiose nationalistische Kreise lautstark dafür engagieren.
Zitat: „..um die Frage, ob der Förderverein auch nach Abschluss des ursprünglichen Bauvorhabens im Humboldt Forum präsent bleiben soll.“
Ich kenne die Lokalität dort noch nicht, eine Anfrage für eine Drehgenehmigung blieb leider unbeantwortet. Grundsätzlich erscheint mir das der Förderverein erfolgreich im Sinne des Ortes handelt und es auch Sinn stiftend wirkt wenn dort weitere Vorhaben umgesetzt werden, wie z.B. diese Treppe auf der einst Pferde reiten konnten, oder eines der üppigen Zimmer.
Allerdings muß man sich auch grundsätzlich fragen ob es Sinn macht weiter mehr Geld dort zu investieren, es gibt vieles was dringend Geld benötigt und in Zukunft wird sich das absehbar weiter verschärfen. In einer Krise sollten große Kulturinvestitionen nachhaltig gestaltet sein, ansonsten läuft man Gefahr das man aufwacht und vor einem schmucken Altar steht aber mitten im Scherbenhaufen.
„Allerdings muß man sich auch grundsätzlich fragen ob es Sinn macht weiter mehr Geld dort zu investieren, es gibt vieles was dringend Geld benötigt und in Zukunft wird sich das absehbar weiter verschärfen.“
Wenn Privatiers im Wege der Spende solches finanzieren wollen, kann es egal sein, wo das Geld anderweitig „sinnvoller“ eingesetzt werden könnte. Noch entscheiden Spender, für was sie spenden wollen.
@Ewald Karl (Kommentar vom 22.04.2026): Ich verkehre keine geschichtlichen Tatsachen, das betreiben Sie – und ich ahne, aus welcher politischen Ecke das kommt. Und ich huldige auch keinen „überkommenen“ Adelsgeschlechtern, ich huldige überhaupt keinen Adelsgeschlechtern.
1971 ist in tiefsten kommunistischen Zeiten das Warschauer Schloss, dass nach den Zerstörungen durch die Deutschen in einem dramatisch schlechteren Zustand als das Berliner Schloss zum Kriegsende war, originalgetreu, wohlgemerkt: O r i g i n a l g e t r e u (!!!), wiederaufgebaut worden. Nur ein Beispiel!
Und ich gehöre auch keinen „nationalistischen“ Kreisen, schon gar nicht dubiosen an!