Seit Wochen schwelt der Konflikt um das sogenannte Hugo-Haus an der Gürtelstraße. Nun hat ein Polizeieinsatz die Lage grundlegend verändert. Gleichzeitig hält die Eigentümerseite an ihren Plänen für mehr als 100 Wohnungen fest.

Das eingerüstete Hugo-Haus in der Gürtelstraße 39 in Berlin-Friedrichshain. Der Konflikt um das besetzte Gebäude eskalierte Ende September 2026. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
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An der Gürtelstraße 39 bis 41 in Friedrichshain hat sich der Konflikt um das besetzte Hugo-Haus in den vergangenen Wochen deutlich verschärft. Seit rund zwei Jahren hielten sich dort Menschen in Teilen des ehemaligen Georghofs auf. Die neue Eigentümerin dBS Investment forderte sie nach dem Erwerb des Grundstücks auf, das Gebäude zu verlassen, und bereitete rechtliche Schritte wegen Hausfriedensbruchs vor. Gleichzeitig begann das Unternehmen mit vorbereitenden Arbeiten für die geplante Entwicklung des Grundstücks. Nachdem Gerüste aufgestellt worden waren und Bauarbeiten am Gebäude liefen, eskalierte die Situation in dieser Woche.
- Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
- Adresse: Gürtelstraße 39–41, 10247 Berlin
- Projekt: Neubau einer Wohnanlage und Sanierung eines Bestandsgebäudes
- Wohnungen: 110
- Gebäude: drei Häuser mit sieben Geschossen
Noch Ende August hatte die Situation deutlich anders ausgesehen. Die neue Eigentümerseite bereitete damals die Entwicklung des ehemaligen Georghofs zu einer Wohnanlage mit 110 Wohnungen vor. dBS Investment erklärte seinerzeit, die im Gebäude lebenden Menschen würden das Gelände freiwillig verlassen. Tatsächlich blieb jedoch ein Teil der Gruppe im Haus. Anfang September machten die Besetzer ihre bislang weitgehend stille Besetzung öffentlich.
Hugo-Haus: Gerüst und Bauarbeiten verschärften den Konflikt
Mitte September ließ die Eigentümerseite das Gebäude einrüsten. Hintergrund waren Arbeiten an der Fassade. Nach Angaben der Eigentümerin sollte dabei belastete Mineralwolle entfernt werden. Die Besetzer sahen in den Maßnahmen dagegen einen Versuch, ihren Aufenthalt im Haus zu beenden. Vor dem Gebäude entstand schließlich eine angemeldete Dauermahnwache.
Die Situation verschärfte sich am Mittwoch. Nach Angaben der Polizei wurden Bauarbeiter und private Sicherheitskräfte aus dem Gebäude heraus angegriffen. Dabei sollen unter anderem Flaschen und mit Urin gefüllte Behälter geworfen worden sein. Zwei Arbeiter wurden verletzt. Gleichzeitig schilderten die Besetzer den Ablauf anders: Nach ihrer Darstellung hätten Männer Fenster eingeschlagen und Pfefferspray in das Gebäude gesprüht.

Der frühere Georghof an der Gürtelstraße in Friedrichshain vor Beginn der jüngsten Arbeiten. Das Gebäude wurde später als Hugo-Haus bekannt und besetzt; auf dem Grundstück sind 110 Wohnungen geplant. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Rund 200 Polizisten durchsuchen das Hugo-Haus
Am Donnerstagabend rückte die Polizei schließlich mit rund 200 Einsatzkräften an. Grundlage war ein über die Staatsanwaltschaft beantragter richterlicher Durchsuchungsbeschluss des Amtsgerichts Tiergarten. Die Polizei betonte ausdrücklich, dass es sich nicht um eine polizeiliche Räumung handelte. Ziel war demnach, die Identitäten der Menschen im Gebäude festzustellen und Beweismittel zu sichern.
Sechs Personen wurden aus dem Gebäude gebracht und vorübergehend festgenommen. Nach Polizeiangaben fanden die Einsatzkräfte unter anderem Schlagwerkzeuge, Schreckschusswaffen und Präzisionsschleudern.
Friedrichshain: Hausbesetzung in der Gürtelstraße ist beendet
Außerdem wurden mit Urin gefüllte Flaschen entdeckt, die teilweise mit pyrotechnischen Gegenständen versehen gewesen sein sollen. Die Gegenstände werden kriminaltechnisch untersucht. Die Ermittlungen liegen beim Staatsschutz des Landeskriminalamts.
Obwohl die Polizei den Einsatz ausdrücklich nicht als Räumung bezeichnet, ist die Besetzung nach dem aktuellen Stand beendet. Nach Angaben des Tagesspiegels befanden sich am Freitag keine Besetzer mehr im Gebäude.
Eine Vertreterin der früheren Bewohner bezeichnete das Vorgehen gegenüber der Berliner Zeitung dagegen als faktische Räumung ohne Räumungstitel. Die Polizei weist diese Darstellung zurück und verweist auf den richterlichen Durchsuchungsbeschluss.

Der Hinterhof des Areals ist stark verwahrlost. Die neue Eigentümerin dBS Investment lässt den angesammelten Müll nun beseitigen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
An der Gürtelstraße sollen weiterhin 110 Wohnungen entstehen
Hinter dem Konflikt steht zugleich die Frage nach der künftigen Nutzung des seit Jahren verfallenden Areals. Bis 2017 befand sich dort das Gästehaus Georghof mit mehr als 200 Zimmern. Anschließend dienten Teile der Anlage als Unterkunft. 2022 endete diese Nutzung. Ein langwieriger Streit zwischen früheren Eigentümern verzögerte anschließend den Verkauf und eine neue Entwicklung des Grundstücks.
Die aktuellen Planungen sehen drei miteinander verbundene Häuser mit sieben Geschossen und einer Tiefgarage vor. Auf dem 1.652 Quadratmeter großen Grundstück sollen 5.089 Quadratmeter Wohnfläche entstehen.
Geplant sind 110 Wohnungen sowie Gewerbeflächen im Erdgeschoss. Der Entwurf stammt von Keintzel Architekten. Zuletzt sollte der Bauantrag im Herbst 2026 eingereicht und das Projekt bis Mitte 2028 abgeschlossen werden. Ob dieser Zeitplan nach den jüngsten Ereignissen weiterhin gilt, wird sich zeigen.
Hugo-Haus – Gürtelstraße 39–41
Quellen: Berliner Zeitung, Tagesspiegel, Polizei Berlin, dBS Investment
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