An der Hochstraße 46 in Berlin-Gesundbrunnen soll direkt neben dem Humboldthain Club ein Hotel entstehen. Neben dem bekannten Streit um mögliche Lärmkonflikte rückt nun auch ein umstrittener Grundstückstausch in den Mittelpunkt.

Innenraum eines Clubs mit gedämpftem, farbigem Licht. Im Vordergrund spielen mehrere Personen an einer Tischtennisplatte, eine Person hält einen roten Schläger in die Höhe.

An der Hochstraße 46 in Berlin-Wedding plant ein Investor einen Hotel-Neubau, direkt am S-Bahnhof Humboldthain und in unmittelbarer Nachbarschaft zum Humboldthain Club. /© Foto: Wikimedia Commons, Pinkas Lotte Fritz, CC BY-SA 4.0 

© Titelbild: Wikimedia Commons, Michael.F.H.Barth, CC BY-SA 4.0

ANZEIGE

An der Hochstraße 46 in Berlin-Gesundbrunnen plant ein Investor einen Hotel-Neubau direkt neben dem Humboldthain Club. Nun geht es nicht mehr nur um Lärm und Nutzungskonflikte. Im Zentrum stehen auch Vorwürfe zu einem früheren Grundstückstausch, der das Baugrundstück verändert haben soll.

  • Bezirk: Mitte
  • Adresse: Hochstraße 46, 13357 Berlin
  • Nutzung: Hotel beziehungsweise Beherbergungsbetrieb
  • Aktuelle Bauvoranfrage: eingereicht am 9. Februar 2026
  • Betroffener Nachbar: Humboldthain Club
  • Strittiger Punkt: Grundstückstausch über 191 Quadratmeter

An der Hochstraße 46, direkt am S-Bahnhof Humboldthain, soll ein Hotel entstehen. Das Vorhaben trägt in der aktuellen Bauvoranfrage den Titel „Neubau eines Gebäudes mit Beherbergungsnutzung“. Nach Angaben des Bezirksamts Mitte liegt der Antrag seit dem 9. Februar 2026 vor und befindet sich noch in Bearbeitung.

ANZEIGE

Grundstück am S-Bahnhof Humboldthain mehrfach umgeplant

Eine Zusage des Bezirks sei nicht bekannt. Einen Baubeginn oder eine Fertigstellung nennt die Bauvoranfrage nicht, weil solche Angaben nach Darstellung der Verwaltung nicht Teil dieses Verfahrens sind.

Der Standort ist seit Jahren umstritten. 2018 gab es bereits einen Vorbescheid für einen Beherbergungsbetrieb, der inzwischen abgelaufen ist. 2022 folgte ein Antrag für den „Neubau eines nachhaltigen Bürogebäudes“. Diese Baugenehmigung wurde laut Senatsantwort zweimal verlängert und ist derzeit noch gültig.

Später rückten Mikroapartments in den Fokus. Immobilienberichte nannten etwa 120 Einheiten und rund 4.950 Quadratmeter Bruttogeschossfläche. Inzwischen geht es wieder um ein Hotel.

ANZEIGE

Hotel-Neubau neben Club: Warum der Humboldthain Club Risiken sieht

Der Humboldthain Club liegt direkt neben dem Grundstück. Clubs befürchten häufig sogenannte „heranrückende Nutzungen“, bei denen neue lärmsensible Nachbarn spätere Einschränkungen des bestehenden Betriebs nach sich ziehen können.

Betreiber Ludwig Eben warnt seit Monaten vor einem Nutzungskonflikt. Aus seiner Sicht könnten künftige Hotelgäste Lärm beanstanden und so den Clubbetrieb gefährden. Der Club verweist dabei auf das allgemeine Problem, dass kulturelle Nutzungen oft unter Druck geraten, wenn lärmsensible Nutzungen in ihre Nähe rücken. Eine Petition für den Erhalt des Clubs sammelte bereits mehr als 6.000 Unterschriften.

Der Bezirk ordnet die Fläche planungsrechtlich als beschränktes Arbeitsgebiet ein. Dort sind gewerbliche Betriebe, Verwaltungs-, Geschäfts- und Büronutzungen zulässig. Allgemeines Wohnen ist nach Angaben des Bezirks nicht erlaubt.

ANZEIGE

Deshalb scheiden klassische Wohnungen und damit auch Mikroapartments als allgemeine Wohnnutzung aus. Ein Hotel kann dagegen als gewerbliche Nutzung eingeordnet werden. Ob das konkrete Vorhaben genehmigungsfähig ist, bewertet das Bezirksamt öffentlich nicht vor Abschluss des Verfahrens.

Schwere Vorwürfe: Was hinter dem Grundstückstausch steht

Besonders brisant ist ein Grundstückstausch aus dem Jahr 2021. Nach Medienberichten gab der damalige Grundstückseigentümer eine 191 Quadratmeter große Teilfläche an den Bezirk ab und erhielt im Gegenzug eine gleich große Fläche an anderer Stelle. Dadurch soll das Baugrundstück begradigt und zur Straße hin deutlich verbreitert worden sein. Kritiker fragen nun, ob diese Änderung den Wert und die Nutzbarkeit des Grundstücks erheblich gesteigert hat.

Der Humboldthain Club ließ dazu eine gutachterliche Stellungnahme erstellen. Nach Darstellung von Kritikern soll der Tausch zu einem möglichen Vorteil in Millionenhöhe für den Eigentümer geführt haben. Diese Bewertung ist bislang nicht gerichtlich festgestellt. Das Bezirksamt verweist dagegen auf eine Verkehrswertermittlung durch die landeseigene Berliner Immobilienmanagement GmbH. Danach sei ein Ausgleichsbetrag zugunsten des Landes Berlin geflossen.

BIM und Bezirk weisen Kritik zurück – offene Fragen bleiben

Die Berliner Immobilienmanagement GmbH weist den Vorwurf eines rechtswidrigen oder „illegalen“ Grundstückstauschs zurück. Entscheidend bleibt, welche Unterlagen dem Bezirk, der BIM und den politischen Gremien damals vorlagen und ob die Wertfolgen des Tauschs vollständig erfasst wurden. Die CDU-Fraktion Mitte fordert Aufklärung und kritisiert fehlende Transparenz. Das Bezirksamt sieht die Bearbeitung des aktuellen Antrags dagegen als laufendes Verfahren nach geltendem Recht.

Damit bündelt der Fall mehrere Konflikte: Stadtentwicklung, Grundstückspolitik, Lärmschutz und den Erhalt von Clubkultur. Für den Humboldthain Club geht es um Planungssicherheit. Für den Investor geht es um die Nutzung eines zentral gelegenen Grundstücks. Für den Bezirk geht es nun vor allem um nachvollziehbare Entscheidungen. Solange der Antrag zum „Neubau eines Gebäudes mit Beherbergungsnutzung“ nicht entschieden ist und der Grundstückstausch nicht vollständig aufgeklärt wurde, bleibt das Hotel-Projekt an der Hochstraße 46 politisch und rechtlich sensibel.

möglicher Hotel-Neubau neben dem Humboldthain Club

 

Quellen: Berliner Morgenpost, Schriftliche Anfrage an das Abgeordnetenhaus Berlin, Drucksache 19/25186, Tagesspiegel, B.Z.

Jetzt PLUS-Kunde werden

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein PLUS-Abonnement.

Tags (Schlagwörter) zu diesem Beitrag

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.