Die Pläne für Holzkraftwerke in Berlin stehen offenbar vor dem Aus. Der Senat will die Fernwärme künftig vor allem mit Geothermie, Wasserstoff und erneuerbaren Energien klimafreundlich umbauen.

Reuter West

© Titelbild: Wikimedia Commons, Olivier Cleynen, CC BY 4.0

 

ANZEIGE

Der Berliner Senat setzt beim klimafreundlichen Umbau der Fernwärme offenbar nicht mehr auf das Verfeuern von Holz im großen Stil. Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey erklärte im Abgeordnetenhaus, dass der frühere Dekarbonisierungsfahrplan des ehemaligen Fernwärmebetreibers Vattenfall in den vergangenen zwei Jahren grundlegend verändert worden sei. Statt Holzkraftwerken sollen künftig andere Energiequellen stärker in den Mittelpunkt rücken.

Der Umbau der Berliner Fernwärme gilt als wichtiger Bestandteil der Wärmewende in der Hauptstadt. Das Fernwärmenetz versorgt große Teile der Stadt und zählt zu den größten Europas. In früheren Szenarien von Vattenfall war vorgesehen, Biomasse in größerem Umfang einzusetzen. Konkret betrafen die Überlegungen die Standorte Reuter West in Spandau und Klingenberg in Lichtenberg.

Berlin setzt offenbar stärker auf Geothermie und Wasserstoff

Nach Angaben von Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey soll der neue Kurs gemeinsam mit dem Landesunternehmen Berliner Energie und Wärme GmbH umgesetzt werden. Dabei sollen künftig vor allem Windenergie, Solarenergie, Geothermie und Wasserstoff eine größere Rolle spielen. Holzkraftwerke stünden dagegen offenbar nicht mehr im Mittelpunkt des neuen Dekarbonisierungsfahrplans.

ANZEIGE

Die Berliner Energie und Wärme GmbH gehört seit dem Rückkauf der früheren Vattenfall-Fernwärme dem Land Berlin. Dadurch hat der Senat direkten Einfluss auf die künftige Ausrichtung der Wärmeversorgung. Ziel bleibt weiterhin, die Fernwärme schrittweise von fossilen Energieträgern unabhängig zu machen.

Umweltverbände kritisieren die Nutzung von Holz zur Energiegewinnung bereits seit Jahren. Sie warnen davor, dass große Mengen Holz benötigt würden und dadurch zusätzlicher Druck auf Wälder in Europa entstehen könnte. Außerdem verweisen sie auf den CO2-Ausstoß bei der Verbrennung und auf lange Regenerationszeiten der Wälder.

Gutachten stellte geplantes Holzkraftwerk Reuter West infrage

Zusätzliche Kritik kam Anfang 2026 durch ein Gutachten des BUND Berlin auf. Darin kamen die Autoren zu dem Ergebnis, dass das geplante Holzkraftwerk am Standort Reuter West in der damaligen Form nicht genehmigungsfähig sei. Das Gutachten verwies unter anderem auf offene Fragen beim Immissionsschutz und bei der Umweltverträglichkeitsprüfung.

ANZEIGE

Laut einer Schriftlichen Anfrage im Abgeordnetenhaus war für Reuter West eine Biomasse-Anlage mit 90 Megawatt thermischer Leistung vorgesehen. Die Planungen sahen vor, dass Biomasse bis zu 15 Prozent der Wärmeversorgung übernehmen könnte.

Welche konkreten Projekte die bisherigen Holzpläne ersetzen sollen, will der Senat demnächst im Abgeordnetenhaus vorstellen. Klar ist bereits jetzt, dass Berlin beim Umbau der Fernwärme offenbar stärker auf erneuerbare Energien und alternative Wärmequellen setzt.

Quellen: rbb24, BUND Berlin, BEW, Senatsverwaltung Berlin; Schriftliche Anfrage Abgeordnetenhaus Berlin, Drucksache 19 / 22 309, NABU

ANZEIGE

Jetzt PLUS-Kunde werden

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein PLUS-Abonnement.

Tags (Schlagwörter) zu diesem Beitrag

One Comment

  1. a.t. 13. Mai 2026 at 15:45 - Reply

    Ich bin mit meinem Viertel an einem kommunalen Holzhackschnitzel-Heizwerk angeschlossen. Dass schnurrt seit über 30 Jahren.
    Die bisherigen Energiekatastrophen drangen daher nur in fast unmerklichen Schüben durch. Also fast gar nicht…
    Kann mir aber vorstellen, dass das für eine Großstadt wie Berlin quantitativ nur schwer funktioniert.

    p.s. Ich gehe aber auch jede Wette ein, dass H-Zwei eine Totgeburt vom Feinsten wird.

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.