Auf dem Future Cleantech Festival in Remscheid präsentieren Forschende und Unternehmen innovative Lösungen für eine klimafreundlichere Bauwirtschaft. Besonders viel Aufmerksamkeit erhält ein neuartiger Baustoff: Holzbeton. Das nachhaltige Material soll hohe Tragfähigkeit mit einem geringeren Ressourcenverbrauch verbinden.

Peter Schniering (links), Gründer von Future Cleantech Architects, und Walter Eevers vom European Innovation Council moderieren auf dem Future Cleantech Festival in Remscheid eine Diskussion über die Zukunft klimafreundlicher Technologien und die Rolle Europas als Innovationsstandort. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
© Titelbild: Universität Stuttgart
Remscheid im Bergischen Land wird in dieser Woche zum Treffpunkt für Vordenker, Unternehmen, Forschende und politische Entscheidungsträger aus ganz Europa. Beim Future Cleantech Festival 2026 stehen innovative Lösungen für die Dekarbonisierung von Industrie, Energieversorgung und Bauwirtschaft im Mittelpunkt.
Das Festival, das erstmals 2021 veranstaltet wurde, verbindet wissenschaftliche Erkenntnisse mit praktischen Einblicken direkt an Industriestandorten und gilt inzwischen als eine der spannendsten Plattformen für Klimainnovationen in Europa.
ENTWICKLUNGSSTADT zu Gast auf dem Future Cleantech Festival 2026
Auch ein Teil der ENTWICKLUNGSSTADT-Redaktion ist eigens ins Rheinland gereist, um sich vor Ort ein Bild von den neuesten Entwicklungen zu machen. Auf dem Remscheider Schützenplatz wurde am Mittwochvormittag ein Technologien präsentiert, die künftig eine wichtige Rolle bei der Transformation der Wirtschaft spielen könnten.
Zu den auffälligsten Innovationen des gesamten Festivals gehört der dort vorgestellte, neuartige Holzbeton, der die Vorteile von Holz und Beton miteinander verbinden soll. Präsentiert wurde das Projekt von seinen Entwicklern im Rahmen eines Fachformats, das von Peter Schniering von Future Cleantech Architects und Walter Eevers vom European Innovation Council moderiert wurde. Beide machten deutlich, dass Klimainnovationen längst kein Nischenthema mehr sind, sondern einen milliardenschweren Zukunftsmarkt darstellen.
Klimainnovationen zum Anfassen in Remscheid: Holzbeton als nachhaltige Alternative?
Holzbeton gehört zu einer neuen Generation von Baustoffen, die den Bausektor nachhaltiger machen sollen. Dabei werden Holzbestandteile mit mineralischen Bindemitteln kombiniert, um die Vorteile beider Materialien zu nutzen.
Das Ergebnis ist ein Baustoff, der leichter sein kann als herkömmlicher Beton und zugleich gute Dämmwerte bietet. Da Holz während seines Wachstums CO₂ speichert, verbessert sich zudem die Klimabilanz des Materials. Forschende und Unternehmen sehen darin einen vielversprechenden Ansatz für das Bauen der Zukunft. Noch befindet sich die Technologie in vielen Bereichen in der Weiterentwicklung.

Die von der Universität Stuttgart entwickelte Deckenkonstruktion verteilt Lasten gezielt über eine geometrisch optimierte Struktur. Dadurch kann der Materialeinsatz gegenüber konventionellen Bauweisen deutlich reduziert werden. / © UNIVERSITÄT STUTTGART
Forschungsprojekt Universal Timber Slab präsentiert Holzbeton-Experiment auf Remscheider Schützenplatz
Im Remscheid wurde im Rahmen eines Live-Experiments eine Konstruktion gezeigt, die eine Last von mehr als 20 Tonnen problemlos tragen konnte. Die Live-Präsentation stieß auf großes Interesse bei den Festivalgästen und zeigte exemplarisch, wie neue Baustoffe künftig zur Reduzierung von Emissionen im Bausektor beitragen könnten.
Hinter dem gezeigten Holzbau-Experiment steht das Forschungsprojekt Universal Timber Slab, das von mehreren Instituten der Universität Stuttgart getragen wird. Die Forschenden arbeiten an neuartigen Holzdeckensystemen, die mit deutlich weniger Material auskommen und gleichzeitig hohe Spannweiten ermöglichen sollen.
Unterstützt wird die Entwicklung durch digitale Planungswerkzeuge, künstliche Intelligenz und robotische Fertigungstechnologien. Ziel ist eine nachhaltige Alternative zu den heute weit verbreiteten Stahlbetondecken.
Marktübliche Materialien sollen die Technologie niedrigschwellig verfügbar machen
Ein wesentlicher Vorteil des Konzepts liegt nach Angaben der Entwickler darin, dass ausschließlich marktübliche Materialien verwendet werden. Zum Einsatz kommen Standardholz, Standardbeton und konventioneller Baustahl, wodurch eine spätere industrielle Produktion ohne grundlegende Umstellungen bestehender Lieferketten möglich sein soll.
Im Rahmen der Präsentation diskutierten die Projektbeteiligten gemeinsam mit Walter Eevers vor allem darüber, welche Voraussetzungen geschaffen werden müssen, um die Technologie marktfähig und wettbewerbsfähig zu machen.
Die Entwickler zeigten sich tatsächlich überzeugt, dass Europa auf diesem Gebiet eine internationale Führungsrolle einnehmen könnte. Voraussetzung dafür sei jedoch eine konsequente Unterstützung durch die Europäische Union, insbesondere bei der Finanzierung und Skalierung der Technologie.
Future Cleantech: Innovative Bauverfahren im Fokus
Neben dem vorgestellten Holzbeton präsentiert das Future Cleantech Festival weitere Technologien für das klimafreundliche Bauen von morgen. Im Mittelpunkt stehen dabei innovative Konstruktionsmethoden und digitale Fertigungsverfahren, die den Materialverbrauch deutlich reduzieren sollen.
Besondere Aufmerksamkeit erhält auch das Thema 3D-Druck im Bauwesen, das nach Aussagen vieler Entwickler noch in den Kinderschuhen steckt. Gezeigt werden Lösungen, mit denen Bauteile präzise und ressourcenschonend hergestellt werden können. Die Präsentationen verdeutlichen, wie neue Technologien dazu beitragen können, den CO₂-Ausstoß und den Rohstoffverbrauch in der Bauwirtschaft zu verringern.
Quellen: Forschungsprojekt Universal Timber Slab, European Innovation Council, Future Cleantech Architects, Universität Stuttgart
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