Am Grünauer Weg in Schmöckwitz wird das Kopfsteinpflaster mit „Precision Grinding“ geglättet. Damit verbessert der Bezirk eine wichtige Radroute.
Precision Grinding am Grünauer Weg
© Titelbild: Wikimedia Commons, Fridolin freudenfett, CC BY-SA 3.0
Auch im Berliner Südosten kommt jetzt eine Technik zum Einsatz, die sich innerhalb kurzer Zeit von einem Pilotversuch zu einer echten Option für gepflasterte Straßen entwickelt hat. Ende August beginnen am Grünauer Weg in Schmöckwitz die Vorarbeiten für das sogenannte „Precision Grinding“. Dabei bleibt das vorhandene Natursteinpflaster liegen – verändert wird nur seine Oberfläche. Das spart Zeit und Kosten.
- Bezirk: Treptow-Köpenick
- Adresse: Grünauer Weg, 12527 Berlin
- Beginn der Vorarbeiten: August 2026
- Beginn der Fräsarbeiten: Mitte September 2026
- Geplante Fertigstellung: voraussichtlich 30. September 2026
Der Grünauer Weg liegt ganz im Süden von Treptow-Köpenick, unmittelbar an der Landesgrenze zu Brandenburg. Die Straße gehört zu einer Radverbindung zwischen Berlin und Eichwalde. Genau dort besteht seit Längerem ein Problem: Die Fahrbahn besteht aus Kopfsteinpflaster, während der Seitenbereich sandig ist. Radfahrende nutzen deshalb nach Angaben des Bezirksamts immer wieder den schmalen Gehweg. Dadurch entstehen Konflikte mit Fußgängerinnen und Fußgängern. Und das soll sich nun ändern.
Grünauer Weg in Schmöckwitz: Vorarbeiten starten am 31. August 2026
Das Straßen- und Grünflächenamt hatte zuvor verschiedene Möglichkeiten untersucht. Statt das Pflaster auszubauen oder die Fahrbahn vollständig neu herzustellen, entschied sich der Bezirk nun für das Schleifverfahren. Auf rund 350 Metern und einer Breite von drei Metern soll die Oberfläche des vorhandenen Natursteinpflasters bearbeitet werden.
Zunächst geht es noch nicht direkt mit der großen Schleifmaschine los. Ab dem 31. August soll das Pflaster gereinigt und vermessen werden. Außerdem will das Straßen- und Grünflächenamt einzelne Stellen anpassen. Erst Mitte September sollen die eigentlichen Fräsarbeiten beginnen. Fertig werden soll das Projekt am 30. September 2026.
Kopfsteinpflaster neu gedacht: Was ist „Precision Grinding“?
Beim „Precision Grinding“ werden Unebenheiten der Pflasteroberfläche mechanisch abgetragen. Das ausführende Fachunternehmen beschreibt das Verfahren als Möglichkeit, unterschiedliche Höhen der Steine anzugleichen und den Fugenanteil an der Oberfläche zu reduzieren. Das Pflaster selbst bleibt erhalten. Dadurch kann weiterhin Wasser zwischen den Steinen versickern. Zugleich soll die ebenere Oberfläche Fahrgeräusche verringern.
Auch für den Bezirk ist die Methode Neuland. Treptow-Köpenick setzt „Precision Grinding“ nach eigenen Angaben erstmals ein. Berlinweit gibt es dagegen bereits mehrere Beispiele, darunter das Pilotprojekt am Priesterweg in Tempelhof-Schöneberg. Dort wurden im März 2025 auf rund 250 Metern etwa 1.200 Quadratmeter Großsteinpflaster bearbeitet.

Die ersten Arbeiten erfolgten mit einer speziellen Schleifmaschine, die die Oberfläche des Kopfsteinpflasters bearbeitete und so eine ebenere Fahrspur für den Radverkehr herstellte. / © Foto: infraVelo / Florian Schuh
Von Priesterweg bis Hufelandstraße: Zukunft für Berliner Kopfsteinpflaster
Inzwischen findet sich die Technik auch in anderen Bezirken. In der Hufelandstraße in Prenzlauer Berg wurde das Pflaster auf einem 622 Meter langen Abschnitt bearbeitet. Auch in der Corinthstraße in Friedrichshain kam das Verfahren zum Einsatz. Aktuell wird zudem beim Umbau des Tietzenwegs in Steglitz mit „Precision Grinding“ gearbeitet. Damit ist der Grünauer Weg kein Versuch mehr, sondern Teil einer wachsenden Reihe Berliner Projekte.
Interessant ist dabei die technische Entwicklung. Nach Angaben des Tagesspiegels arbeiten modifizierte Großfräsen bei entsprechenden Projekten mit zahlreichen Diamantschleifscheiben. Beim Forschungsprojekt am Priesterweg kamen zudem 3D-Laservermessung und eine digitale Schleifsimulation zum Einsatz. Zu tief liegende Steine konnten gezielt angehoben werden, damit nicht unnötig viel Material von den umliegenden Pflastersteinen entfernt werden musste.

Am Priesterweg in Berlin wurde das historische Kopfsteinpflaster bereits mit dem Verfahren „Precision Grinding“ geglättet. Das Projekt dient als Vorbild für die geplante Maßnahme am Grünauer Weg in Schmöckwitz. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Der Ansatz zielt damit auf einen Mittelweg: Kopfsteinpflaster bleibt erhalten, gleichzeitig soll die Oberfläche für Fahrräder besser nutzbar werden. Auch die Versickerungsfähigkeit der Pflasterfläche bleibt nach Angaben des Bezirksamts bestehen. Für den Grünauer Weg nennt die Verwaltung zudem einen vergleichsweise geringen Aufwand und Kosteneinsatz als Argument für die gewählte Lösung. Eine konkrete Summe veröffentlicht das Bezirksamt allerdings nicht.
Quellen: Bezirksamt Treptow-Köpenick, Fräsdienst-Service E. Feind GmbH, Technische Hochschule Wildau, Tagesspiegel
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Anstatt diese einer Industrienation unwürdige Straße zu sanieren verkommt das Schleifen jetzt zu einer Sparmaßnahme, um nötige Investitionen nicht tätigen zu müssen. Da wäre es mir lieber, diese „Innovation“ wäre nie erfunden worden.
Da muss ich Gegenhalten – historische Bausubstanz ist erhaltenswert und hinsichtlich der Klimaresilienz ist eine Möglichkeit des Versickerns viel erstrebenswerter als eine Entwässerung über Kanäle. Darüber hinaus halte ich es begrüßenswert, dass das „gesparte“ Geld dann in andere, relevantere Projekte gehen kann. Bspw die Sanierung maroder Brücken, Ausbau von Radinfrastruktur, ÖPNV etc
Noch schlimmer als das Pflaster im Grünauer Weg ist das Pflaster in der von dort abgehenden Seitenstraße „Fliederweg“. Könnte man hier auch über eine Sanierung nachdenken?
MfG
Ulrich Sonntag