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Die Hohenzollerngruft unter dem Berliner Dom zählt zu den bedeutendsten Grablegen Europas. Nach einer langjährigen Sanierung soll sie bald in neuer Form Raum für stille Momente bieten. Ab Anfang 2026 können Besucher diesen besonderen Ort wieder selbst erleben.
Visualisierung der Hohenzollerngruft mit den Särgen

Die Sanierung der Hohenzollerngruft gilt als das größte Bauvorhaben am Berliner Dom seit dem Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg. So soll künftig der Andachtsraum aussehen. / © Visualisierung: BASD Architekten

© Visualisierung: BASD Architekten
© Foto Titelbild: Klaus Dietmar Gabbert

 

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Die Hohenzollerngruft im Berliner Dom gilt als eines der größten dynastischen Gräberfelder Europas. 91 Särge, darunter viele Kindersärge, erinnern an die Geschichte des Hauses Hohenzollern. Seit Jahren ist die Gruft wegen umfangreicher Bauarbeiten für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Nun soll sie Anfang 2026 wieder geöffnet werden – rund sechs Jahre nach Beginn der Sanierung.

Die Kosten für das Projekt stiegen im Laufe der Bauzeit deutlich an. Etwa 29 Millionen Euro wird die Restaurierung am Ende verschlungen haben, wie die Domverwaltung mitteilt. Damit liegt die Summe rund zwölf Millionen Euro über den ursprünglichen Schätzungen. Dombaumeisterin Sonja Tubbesing verweist auf die schwierigen Rahmenbedingungen. Der Beginn während der Corona-Pandemie und die Folgen des Ukraine-Krieges hätten die Baupreise erheblich in die Höhe getrieben.

Nach sechs Jahren Sanierung im Berliner Dom: Särge kehren im September zurück

Die kostbaren Sarkophage der Hohenzollern mussten während der Arbeiten ausgelagert werden. Ihr aktueller Standort bleibt geheim, um sie vor Schäden oder ungewolltem Zugriff zu schützen. Mitte September sollen die Särge in einer würdevollen Prozession in den Dom zurückkehren. Unter den dort Beigesetzten sind Persönlichkeiten, die die Geschichte Preußens geprägt haben, darunter Friedrich I., der erste König in Preußen, und Königin Sophie Charlotte, nach der Charlottenburg benannt ist.

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Kuratorin Birgit Walter erklärt, dass viele der Särge Kindersärge sind. Die hohe Kindersterblichkeit vergangener Jahrhunderte hinterlässt hier sichtbare Spuren der Geschichte. Besucher sollen diese Hintergründe künftig besser nachvollziehen können. Neben einer neuen Ausstellung ist ein Informationsbereich geplant, in dem Grabbeigaben, Animationsfilme und ein interaktives Modell der Grablege Einblicke geben.

Von der Predigtkirche in die Gruft: Ein neuer Zugang für historische Atmosphäre

Ein weiterer Aspekt der Sanierung ist die Wiederherstellung des ursprünglichen Zugangs. Künftig gelangen Besucher wieder über die historische Treppe direkt von der Predigtkirche in die Gruft. Für Domprediger Michael Kösling ist dieser Weg mehr als nur funktional. Er beschreibt, dass die Besucher beim Abstieg aus der hellen Kirche in die dunkle Gruft einen Moment innehalten und zur Besinnung kommen sollen. Diese liturgische Erfahrung gehört für ihn untrennbar zum Ort.

Klima, Sicherheit und Barrierefreiheit: So wird der Berliner Dom umgestaltet

Die steigenden Besucherzahlen in den letzten Jahren hatten dem Klima in der Gruft zugesetzt. 2019 besichtigten rund 765.000 Menschen den Berliner Dom, viele davon auch die Gruft. Feuchtigkeit, Temperaturschwankungen und die Belastung durch Kohlendioxid führten zu Schäden an den Sarkophagen. Eine moderne Klimaanlage soll das künftig verhindern. Temperatur und Luftfeuchtigkeit werden nun konstant gehalten, um Schimmelbildung vorzubeugen.

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Auch die Barrierefreiheit wurde bedacht. Zwei neue Aufzüge ermöglichen es künftig allen Gästen, die Grablege zu besuchen. Zudem wird die Besucherführung umgestaltet. Anstelle des bisherigen Rundgangs führt der Weg nun direkt von der Predigtkirche in die Gruft, wo eine neue Ausstellung den historischen Kontext vermittelt.

Wiedereröffnung in Berliner Dom: Zugang für Besucher ab 2026 wieder möglich

Die Sanierung gilt als das größte Bauvorhaben am Berliner Dom seit dem Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg. Mehr als 15 Planungs- und Gutachterbüros sowie rund 300 Fachkräfte waren beteiligt. Das Bauprojekt wird zu 90 Prozent von Bund und Land Berlin finanziert. Die restlichen Mittel muss die Domgemeinde selbst aufbringen.

Mit der Wiedereröffnung erhält Berlin nicht nur ein bedeutendes Stück seiner Geschichte zurück. Die Gruft soll in neuer Form Raum für stille Momente bieten, für Wissen über die Monarchie und für einen bewussten Umgang mit Vergänglichkeit. Ab Anfang 2026 können Besucher diesen besonderen Ort dann wieder selbst erleben.

Quellen: dpa, Berliner Dom, Berliner Morgenpost, Tagesspiegel, Deutschlandfunk Kultur

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One Comment

  1. A.Tirpitz 17. Juli 2025 at 13:06 - Reply

    Damit ist der erste Teil vollendet. Fehlt nur noch die Denkmalskirche obendrauf.

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