Erstmals fördert der Bund den Schallschutz von Musikclubs und Festivals. Auch für die Berliner Clubszene, die seit Jahren mit Verdrängung und Nutzungskonflikten kämpft, ist das Programm relevant.

Innenraum eines Clubs mit gedämpftem, farbigem Licht. Im Vordergrund spielen mehrere Personen an einer Tischtennisplatte, eine Person hält einen roten Schläger in die Höhe.

An der Hochstraße in Wedding plant ein Investor einen Hotel-Neubau, direkt am S-Bahnhof Humboldthain und in unmittelbarer Nachbarschaft zum Humboldthain Club. Die Betreiber befürchten Konflikte, da ein Hotel als lärmsensible Nutzung gilt und Beschwerden von Gästen den Clubbetrieb beeinträchtigen könnten. / © Foto: Wikimedia Commons, Pinkas Lotte Fritz, CC BY-SA 4.0

© Titelbild: depositphotos.com

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In Berlin verdichtet sich ein Konflikt, der die Clubszene seit Jahren begleitet: Zwischen steigenden Mieten, Neubauprojekten und der fortschreitenden Gentrifizierung geraten viele Spielstätten zunehmend unter Druck. Immer häufiger treffen Clubs auf neue Nachbarn, die sich von der Lautstärke gestört fühlen; mit potenziell existenzbedrohenden Folgen für die Betreiber.

Vor diesem Hintergrund startet nun ein bundesweites Förderprogramm, das genau an dieser Schnittstelle ansetzt: Mit drei Millionen Euro unterstützt das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen gezielt Maßnahmen zum Schallschutz und zur Konfliktentschärfung in der Clublandschaft.

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136 Interessensbekundungen verdeutlichen Bedarf in der Branche

Die fachliche Umsetzung übernimmt die Initiative Musik gemeinsam mit der LiveMusikKommission, dem Bundesverband der Musikspielstätten. Ein mehrstufiges Verfahren entschied über die Auswahl der Projekte. Insgesamt gingen 136 Interessensbekundungen ein, was den hohen Bedarf in der Branche verdeutlicht.

Gefördert werden bauliche Maßnahmen wie Schallschutzwände und -decken sowie die technische Optimierung der Beschallung. Hinzu kommen moderierte Dialogformate zwischen Clubbetreibern und Anwohnenden. Ziel ist es, Livekultur zu sichern und Nutzungskonflikte in dicht besiedelten Quartieren zu entschärfen. Nach der Umsetzung folgt eine Evaluation, die die Wirksamkeit der Maßnahmen prüfen soll.

Berlins Clubszene: Clubs zwischen Verdrängung und Neubauprojekten

Club am Ostkreuz "About Blank" mit Schild "No Heart for a Hotel"

Der Club About Blank an der Laskerstraße in Friedrichshain wehrt sich gegen ein geplantes Hotelprojekt in direkter Nachbarschaft. Die Betreiber befürchten Nutzungskonflikte, da Lärmbeschwerden von Hotelgästen den Betrieb gefährden könnten. Das neue Bundesschallschutzprogramm soll genau solche Konflikte entschärfen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

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In Berlin trifft das Programm auf eine angespannte Lage. Steigende Mieten und Gentrifizierung verdrängen Clubs zunehmend aus der Innenstadt, wie der Umzug der Griessmühle nach Niederschöneweide zeigt. Zugleich rücken Neubauprojekte näher an bestehende Spielstätten heran und sorgen für Spannungen zwischen Betreibern, Investoren und Anwohnenden.

Beispiele dafür sind das geplante Hotel an der Laskerstraße in unmittelbarer Nähe zum Club About Blank sowie der Wohnungsbau am Mauerpark, wo der neue Knaack-Klub entstehen soll. Dort ist der Schallschutz bereits Teil der Planung: Der Eingang des rund acht Millionen Euro teuren Neubaus soll zur Parkseite zeigen, um die Nachbarschaft zu entlasten. Betreiber Udo Petter bezeichnete das geplante Haus als Diamanten, der das Viertel bereichern werde.

Anerkennung aus der Politik: Clubs gelten zunehmend als Kulturorte

Parallel zur Förderung verändert sich der rechtliche Rahmen. Mit der Reform der Baunutzungsverordnung erkennt der Bund Clubs als eigene kulturelle Orte an. Bundesministerin Verena Hubertz erklärte, Musikclubs würden künftig nicht mehr wie Spielhallen oder Wettbüros behandelt, sondern als eigener kultureller Ort anerkannt.

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Auch in der Immobilienbranche zeichnet sich ein Wandel ab. Investoren wie Trockland vermarkten die Nähe zu Clubs inzwischen als Pluspunkt für ihre Projekte, statt sie als Hindernis zu betrachten. Damit wächst die Chance, dass Schallschutz früh in Bauvorhaben einfließt und Konflikte gar nicht erst entstehen.

Kritik an der Förderung: Bedarf übersteigt die verfügbaren Mittel

Trotz des positiven Echos bleibt Kritik. Nur rund ein Drittel der Bewerber erhielt eine Förderung, der Bedarf übersteigt die Mittel damit deutlich. Christian Ordon von der LiveMusikKommission betonte, für eine dauerhafte Wirkung brauche es eine verlässliche Anschlussfinanzierung oder dringend eine Novellierung der TA Lärm.

Offen bleibt zudem, ob technischer Schallschutz die Verdrängung aufhalten kann, wenn Gewerbemieten unabhängig davon weiter steigen. Die Evaluation des Pilotprogramms soll zeigen, wie wirksam die Maßnahmen tatsächlich sind. Von ihren Ergebnissen dürfte abhängen, ob der Bund das Programm fortführt und ausweitet.

 

Quellen: Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen

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