Die Diskussion über ein mögliches Hochhaus am Berliner Stadteingang West geht weiter. Zwar stoßen die Pläne für einen Turm am Standort des „Artemis“ weiterhin auf Skepsis bei Senat und Baukollegium, doch Gespräche über eine mögliche Weiterentwicklung des Areals sollen fortgesetzt werden. Einig ist man sich vor allem in einem Punkt: Der städtebaulich schwierige Ort rund um das Autobahndreieck Funkturm gilt als dringend entwicklungsbedürftig.

Im Berliner Baukollegium herrscht Uneinigkeit über das geplante 200 Meter hohe Hochhaus auf dem Gelände des „Artemis“ nahe der Stadtautobahn A100. Die Gespräche über das Vorhaben sind jedoch noch nicht abgeschlossen. / © Visualisierung: REALACE GmbH
© Visualisierung Titelbild: REALACE GmbH
Am westlichen Stadteingang Berlins wird weiterhin über ein mögliches Hochhausprojekt diskutiert. Die Betreiber des bekannten Berliner Bordells „Artemis“ hatten vorgeschlagen, auf ihrem Grundstück an der Halenseestraße einen Turm mit bis zu 200 Metern Höhe zu errichten. Vorgesehen sind in dem Gebäude unter anderem Büros, Hotelzimmer, temporäre Wohnungen für Geschäftsreisende sowie Konferenzflächen mit Bezug zur benachbarten Messe.
Auch öffentlich zugängliche Bereiche im Sockel des Gebäudes sind Teil der Überlegungen. Denkbar wäre etwa ein sogenanntes Stadtfoyer, das neue Aufenthaltsräume schaffen soll. Daniel Bormann von der Agentur Realace, der das Projekt als Berater begleitet, erklärte im Baukollegium laut rbb24, der Turm könne als Impulsprojekt für die Entwicklung der City West dienen und einen bislang infrastrukturell dominierten Stadtraum neu ordnen.
Baukollegium Berlin lehnt „Artemis“-Hochhaus am Stadteingang West zunächst ab
Im Baukollegium des Landes Berlin stießen die Pläne jedoch auf deutliche Vorbehalte. Senatsbaudirektorin Petra Kahlfeldt erklärte, ein einzelner Hochpunkt an dieser Stelle passe nicht zu den bestehenden Planungen für den Stadteingang West. Ein solcher Solitär besitze aus ihrer Sicht keine ausreichende städtebauliche Wirkung im Gesamtkontext der Stadt.
Auch aus denkmalpflegerischer Sicht wurden Bedenken geäußert. Ein Turm mit über 200 Metern Höhe wäre aus vielen Perspektiven sichtbar und könnte wichtige Sichtachsen im Berliner Westen beeinträchtigen. Genannt wurden unter anderem Blickbeziehungen zum Schloss Charlottenburg sowie zu historischen Bauwerken im Umfeld des Funkturms und des ICC.
Masterplan „Stadteingang West“ setzt bislang bewusst nicht auf Hochhäuser
Ein zentraler Grund für die Skepsis liegt im bestehenden Masterplan für den „Stadteingang West“. Für das großflächige Entwicklungsgebiet rund um das Autobahndreieck Funkturm wurde bislang bewusst auf Hochpunkte verzichtet. Stattdessen setzt das Konzept auf eine breitere städtebauliche Struktur und eine langfristige Entwicklung bis in die 2040er-Jahre.
Aus Sicht der Projektinitiatoren könnte ein einzelner Turm jedoch deutlich schneller realisiert werden als das große Quartier des Stadteingangs West. Das Hochhaus würde damit früher sichtbar werden und möglicherweise einen ersten Entwicklungsschritt für den Standort markieren.
Gespräche über Hochhaus am „Artemis“-Standort in Charlottenburg-Wilmersdorf gehen weiter
Trotz der Kritik gilt das Projekt noch nicht als endgültig vom Tisch. Der Baustadtrat von Charlottenburg-Wilmersdorf, Christoph Brzezinski, signalisierte laut rbb24, grundsätzlich Gesprächsbereitschaft. Zwar wäre eine frühere Abstimmung mit der Stadt sinnvoll gewesen, dennoch sei es im Interesse des Bezirks, dass sich der Standort künftig anders entwickelt als bisher.
Einigkeit besteht in Politik und Verwaltung vor allem darüber, dass der Bereich rund um das Autobahndreieck Funkturm städtebaulich eine Herausforderung darstellt. Ob ein Hochhaus an dieser Stelle Teil einer zukünftigen Lösung sein kann, bleibt offen. Gespräche über mögliche Perspektiven für das Areal sollen jedoch fortgesetzt werden.
Quellen: rbb24, Ketano Gesellschaft für Öffentlichkeitsarbeit, REALACE GmbH, Berliner Baukollegium, Max Dudler, C.F. Møller Architects
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9 Kommentare
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Liebe Frau Kahlfeldt,…warum ist ein Hochpunkt an so einem Ort obsolet; wer achtet an so einem Ort auf Sichtachsen und Bebauungspläne? Wollen Sie wie Ihre Kolleginnen ohne nennenswerte Erfolge in der Stadtentwicklung enden? Warum baut unsere Stadt nicht oder auch irgendwann (garnicht)? Ist nicht ein guter Hochhausentwurf besser als eine öde Stadt?
Unsere Stadt baut ganz schön viel. Nur nach Optik aufgestellte Türme ohne sinnvolle Nutzung sind was für Atrappen-Städte wie Dubai oder Moskau. Berlin braucht Neubauten, die behutsam aus der Struktur der benachbarten Kieze entwickelt werden.
Mit Verlaub: An dieser Stelle ist nichts behutsam. Wo, wenn nicht dort passt ein 200 Meter Hochhaus? Es würde außerdem den Rest der Stadt und der vielen möchte-gern-zentren mal einen Tritt geben: Weiso verkünstelte man sich am Potsdamer Platz auf 100 Meter, am Alex auf 150 Meter. Lasst die Stadt wachsen! Lasst sie sich entwickeln. Schafft Rahmenbedingungen, aber schreibt ihr nicht vor wie hoch, breit und dick sie sein darf.
Das Baukollegium hat das relativ ausführlich begründet. Einerseits widerspricht ein solch hoher Turm diametral dem detailliert ausgearbeiteten Werkstattverfahren „Stadteingang West“, indem auch die typologische Möglichkeit von Hochhäusern durchgespielt wurde. Man hat das gemeinsam ausgeschlossen nach jahrelanger Arbeit ausgeschlossen.
Warum hat etwas mit den zweiten Punkt zu tun, warum das Baukollegium auch dieses Mal eine Abfuhr erteilt hat. Das Nutzungskonzept, wenn man es denn überhaupt als solches bezeichnen kann, war mehr als schwach. Teilweise hatte man den Eindruck, als wenn Max Dudler Architekten hier wirklich nur Renomee für einen markanten Hochpunkt einheimsen will. Der Turm wurde lose an das Messegelände gekettet, ohne eingehende Analyse und Konzeptfindung, wie ein über 200-Meter hoher Turm dort über Jahrzehnte einen Zweck erbringen könnte. Die Bedürfnisse des Denkmalschutzes wurden vom Projektteam auch nur oberflächlich tangiert, man hat sich damit quasi nicht auseinandergesetzt. Und auch die extrem schwierige und vielschichtige Verkehrssituation wurde nur sehr oberflächlich beleuchtet.
Das Fazit: wer dort die Brechstange auspacken will und einen solch riesigen Turm entwickeln will entgegen dem Werkstattverfahren, das auf kleiner dimensionierte Entwicklungsprojekte setzen will, die sich realistischer an den komplizierten Raum dort herantasten wollen, der muss ein sehr überzeugendes Nutzungs- und Entwicklungskonzept vorlegen, dass auf höchst intelligente Weise Probleme und Konflikte dort löst.
Und um den direkten Vergleich mit dem Estrel zu bemühen, den auch Max Dudler Architekten selbst gezogen hat, immerhin haben sie dieses Projekt ja auch verantwortet… der Estrel-Tower überzeugt, weil das Nutzungskonzept des neuen Turms schon auf einem höchst erfolgreichen Fundament aufgebaut wurde. Das ist der elementare Unterschied im Vergleich zum „Messeturm“, der im Nichts aus dem Nichts ein Wunder erschaffen will. Für dieses Wunder hat das Projektteam um Max Dudler Architekten dahingehend in allen Belangen deutlich zu wenig abgeliefert.
„Auch öffentlich zugängliche Bereiche im Sockel des Gebäudes sind Teil der Überlegungen. Denkbar wäre etwa ein sogenanntes Stadtfoyer, das neue Aufenthaltsräume schaffen soll.“
Was immer ein „Stadtfoyer“ ist – um schöne Begriffe waren Investoren ja nie verlegen: Welche zufällig das Autobahnkreuz überquerenden Anwohner hat denn der Investor da im Sinn? Kein Mensch möchte „öffentlich zugängliche Räume“ inmitten eines Autobahnkreuzes betreten.
Bezeichnend, dass es für dieses Bauprojekt auch überhaupt kein Nutzungsinteresse gibt.
Ob das Hochhaus dorthin passt oder nicht, ist ….sorry …. Banane. Es ist ein Ablenkungsmanöver. Denn wozu wird die Fläche in Zukunft benötigt? Vielleicht für einen Regionalbahnhof oder zur anderweitigen Ordnung der verkehrlichen Verhältnisse samt einer begrünten Deckelung der Autobahn, damit die Charlottenburger mehr Lebensqualität bekommen? Nun, wenn jemand bis dahin Bauplanungsrecht für ein Superhochhaus gewährt, wäre die nötige Rnteignung für den Verkehr viel teurer für Berlin als für die jetzige Immobilie. Und wollte jemand im Interesse einer ökonomischen Nutzung des ICC ein Hochhaus mit ähnlicher Nutzungsmöglichkeit bauen, macht es das Artemis-Hochhaus dchwieriger, hier rentabel zu werden. Auch schlecht für das Land und die Kosten mit dem ICC. Oder liege ich falsch?
Kurzum: So schön kann das Hochhaus gar nicht aussehen oder hübsch illustriert werden, als dass man dem ad hoc Hochhaus so einfach zustimmen dürfte. So dumm darf man nicht sein. Oder?
Lieber Ewald,….nichts von dem was da bis zum dritten Jahrtausend entstehen wird…“entwickelt sich behutsam aus der Struktur der benachbarten Kieze.“ Was für eine gequirlte ……
Ich weiß nicht, gibt es hier ein Hochhaus-Konzept so in der Art, wir genehmigen uns einen Gürtel dort, wo in der DDR schon Alt-Berlin komplett abgeräumt wurde und man bereits dazu überging hoch zu bauen, also vom Alex bis runter zur Warschauer?… Dann noch den Cluster in City-West am Zoo und einen noch irgendwo else, aber danach ist „Aus-Die-Maus“. Ein für allemal. Ansonsten wird nämlich überall was aus der Gießkanne niederploppen und aus der Stadt einen wilden Hochhausgarten machen. Alles, was ich bisher kenne ist die magische 150. Die scheint bis auf diesen 200er in Stein gemeißelt zu sein. Warum eigentlich?
Ach ja, der Reko-Fraktion gebe man noch ihre 3 Viertel, nach denen sie sich schon so lange sehnen und wir haben zu beiden Themen keine Grundsatzdiskussionen mehr. Kann man an einem Nachmittag erledigen und zu Papier bringen.