Der politische Streit um das geplante Hochhaus am Anhalter Bahnhof geht in die nächste Runde. In der Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg wurde die Entscheidung über den Bebauungsplan vertagt, eine Klärung soll nun Anfang Juni erfolgen.

So sollte das „WoHo“ einmal aussehen: Das Gebäude ist als rund 100 Meter hohes Holz-Hybridhochhaus mit begrünten Dachflächen, öffentlichen Nutzungen und überwiegend gefördertem Wohnraum vorgesehen. Ob das Projekt Realität wird, ist derzeit ungewiss. / © Visualisierung: UTB Projektmanagement GmbH / Mad Arkitekter
© Visualisierung / Titelbild: UTB Projektmanagement GmbH / Mad Arkitekter
Das geplante Hochhausprojekt „WoHo“ am Anhalter Bahnhof kommt in Friedrichshain-Kreuzberg vorerst nicht voran. In der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) ist die Entscheidung über die Änderung des Bebauungsplans am Mittwochabend gescheitert – allerdings nicht endgültig, sondern vertagt in eine Sondersitzung im Juni.
Im Zentrum steht ein rund 100 Meter hohes Wohnhochhaus in Holz-Hybridbauweise, das auf einem Grundstück nahe der Schöneberger Straße entstehen soll. Der politische Streit darüber, ob ein solches Projekt in den gewachsenen Strukturen Kreuzbergs städtebaulich vertretbar ist, zieht sich bereits seit längerem durch die Bezirksgremien.
„WoHo“ in der Schwebe: Gespaltene Mehrheiten und ein umstrittener Ablauf
In der Abstimmung über die Änderung des Bebauungsplans vom Gewerbe- zum Wohngebiet als Voraussetzung für das „WoHo“ setzten sich die Grünen als stärkste Fraktion im Bezirk nicht durch. Linke und SPD stimmten dagegen, die CDU enthielt sich. Nach der Ablehnung beantragten die Grünen eine Vertagung der weiteren Abstimmung mit Verweis auf die fehlenden eigenen Stimmen.
Während die BVV den Antrag zuließ, sehen andere Fraktionen darin einen fragwürdigen Eingriff in das Verfahren. Die Diskussion über die Rechtmäßigkeit dürfte die weitere Beratung des Projekts begleiten.

Das Gebäude am Anhalter Bahnhof soll als Holz-Hybridhochhaus mit Dachbegrünung und öffentlichen Freiflächen realisiert werden. / © Visualisierung: UTB Projektmanagement GmbH / Mad Arkitekter
Holz-Hybridhochhaus in Kreuzberg: Nutzungskonzept zwischen Anspruch und Kritik
Das Projekt der UTB Unternehmensgruppe sieht einen hohen Anteil geförderter Wohnungen sowie unterschiedliche Wohnformen vor, darunter auch für soziale Träger und Studierende. Ergänzt werden soll das Vorhaben durch Gewerbeflächen sowie öffentlich zugängliche Angebote im Bereich der Dachnutzung.
Gleichzeitig bleiben zentrale Kritikpunkte bestehen. SPD und Linke verweisen auf mögliche Auswirkungen auf das Stadtbild und die bauliche Dichte im Umfeld des Anhalter Bahnhof. Auch Fragen zur tatsächlichen Nutzung einzelner Bausteine des Projekts werden von Gegnern regelmäßig thematisiert.

Das Projekt „WoHo“ sieht einen vertikal begrünten Wohnturm in Holz-Hybridbauweise im Umfeld des Anhalter Bahnhofs vor. / © Visualisierung: UTB Projektmanagement GmbH / Mad Arkitekter
Weiteres Verfahren bleibt offen: Sondersitzung im Juni geplant
Wie es mit dem Vorhaben weitergeht, soll nun in einer Sondersitzung Anfang Juni geklärt werden. Dabei geht es nicht nur um inhaltliche Fragen des Projekts, sondern auch um den Umgang mit dem bisherigen Verfahren. Ein zusätzlicher Dringlichkeitsantrag der Linken und SPD zielt darauf ab, eine Entscheidung außerhalb der BVV zu verhindern.
Damit bleibt das „WoHo“ ein weiteres Beispiel für die anhaltenden Konflikte um Hochhausprojekte in Friedrichshain-Kreuzberg – und für ein Verfahren, das sich seit längerem zwischen politischen Mehrheiten, städtebaulichen Vorstellungen und formalen Fragen festgefahren hat.
Quellen: UTB Projektmanagement GmbH, Der Tagesspiegel, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, Atrium Development Group, Berliner Baukollegium, O&O Baukunst, Realace GmbH, Mad arkitekter
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3 Kommentare
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Wieder einmal so eine typische Berliner Provinzposse und wieder einmal mehr in Friedrichshain-Kreuzberg.
Ich finde Hochhäuser weder schlecht noch gut – sie sind ein Werkzeug. Natürlich helfen sie, indem sie mehr Wohnraum in dicht bebauten Gegenden schaffen. Aber die Kehrseite ist, dass deren Schattenwurf den bestehenden Wohnraum in solchen Gegenden beeinträchtigt. Das Schöne an Berlin und Deutschland insgesamt ist, dass Sonne kein Luxusgut ist. Das sollte nicht nur in der Provinz so bleiben.
Wenn Berlin eine klare Hochhausstrategie mit definierten Clustern hätte, würden solche Diskussionen gar nicht erst aufkommen. Als Hochhausfreund muss ich sagen, dass das wilde Sprießen von Pilzen nicht zugleassen werden sollte.