Für das Quartier „Fountain“ am Bahnhof Gesundbrunnen liegt nun der Siegerentwurf vor. Zwei Hochhäuser und ein neuer Brückenpark sollen das bislang ungenutzte Areal künftig prägen. Ein konkreter Zeitplan steht allerdings noch aus.
© Titelbild: Architekturbüro Max Dudler
Im ehemaligen BVV-Saal des Rathauses Wedding präsentierten am Freitagmorgen die Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, der Bezirk Mitte sowie das Unternehmen Hines Immobilien den Siegerentwurf für ein geplantes Wohn- und Gewerbequartier, das auf einem bislang ungenutzten Areal südlich des Bahnhofs Gesundbrunnen entstehen soll.
Grundlage ist das zweistufige Werkstattverfahren, in dem sich das Berliner Architekturbüro Max Dudler gegen fünf weitere teilnehmende Büros durchsetzen konnte. Florian Mänzl und Björn Werner vom siegreichen Büro präsentierten den Anwesenden den Entwurf, der die historische Swinemünder Brücke bewusst funktional und gestalterisch in das zukünftige Quartier einbindet. Sehr viel markanter allerdings sind zwei Hochpunkte, die auf dem Gelände entstehen sollen.
- Projekt: Quartiersentwicklung „Fountain“
- Architektur / Siegerentwurf: Max Dudler Architekten (Berlin)
- Vorhabenträger / Projektentwickler: HINES
- Standort: Berlin-Mitte, südlich des Bahnhofs Gesundbrunnen
- Nutzung: Wohnen für ca. 900 Menschen, Gewerbe, Einzelhandel, Hotel, soziale Infrastruktur
- Freiraumplanung: Brückenpark an der Swinemünder Brücke + begrünte Stadt- und Quartiersplätze
- Nächster Schritt: Konkretisierung des Entwurfs im anschließenden Planungsprozess
Siegerentwurf für „Fountain“ steht fest: 60-Meter-Hochhaus an der Brunnenstraße geplant
Diese zwei Hochhäuser sollen sich laut Werner an den beiden kreuzenden Achsen, der Brunnenstraße in Nord-Süd-Richtung sowie die Ringbahntrasse in Ost-West-Richtung, orientieren. Das Gebäude an der Brunnenstraße soll etwa 60 Meter hoch werden, das zweite geplante Hochhaus ist etwas kleiner geplant. Der Rest des Areals soll eine Gebäudehöhe von rund 23 Metern aufweisen.
Zur Brunnenstraße und zum S-Bahnhof hin ist ein neuer, begrünter Stadtplatz geplant. Ergänzt wird das Konzept durch einen mehrstufigen Quartiersplatz mit Einzelhandel sowie einen sogenannten Brückenpark, der direkt an der Swinemünder Brücke entstehen soll. Dieser Freiraum bildet künftig das verbindende Element zwischen neuer Bebauung und bestehender Stadtstruktur.

Die beiden Hochhäuser markieren die städtebaulichen Knotenpunkte des Quartiers, orientieren sich an Brunnenstraße und Ringbahntrasse und setzen prägnante Akzente im Entwurf von Max Dudler. / © Foto: Architekturbüro Max Dudler
Nutzungsmix und städtebauliche Struktur: Wohnraum für 900 Menschen
Das rund 2,9 Hektar große Planungsgebiet soll insgesamt eine Mischung aus Wohnen, Gewerbe, Einzelhandel, Hotelnutzungen und sozialen Einrichtungen aufnehmen. Vorgesehen ist Raum für Wohnnutzung für etwa 900 Menschen sowie rund 1.200 Arbeitsplätze im Quartier.
Die Wohnnutzung soll vor allem im hinteren Bereich des Areals entstehen, während entlang der Brunnenstraße eher gewerbliche Nutzungen wie Einzelhandel, Büros, Hotel und Serviced Apartments vorgesehen sind. Einzelne Wohnanteile bleiben jedoch auch hier möglich, wie das Büro Max Dudler im Rahmen der Präsentation betonte. Wie genau die Nutzungsstruktur festgelegt wird, soll das in den kommenden Jahren anschließende Bebauungsplanverfahren zeigen.
Das gesamte Quartier soll stark durchgrünt werden. Neben öffentlichen Freiräumen ist auch eine Kita vorgesehen, um kurze Wege innerhalb des Quartiers zu ermöglichen. Die beiden Hochhäuser sind also primär für gewerbliche Nutzungen vorgesehen, während die Wohngebäude rund um den Brückenpark deutlich niedriger ausfallen sollen.

Der Entwurf von Max Dudler folgt einem klar gegliederten städtebaulichen Modell, das zwei Hochpunkte als stadträumliche Marker setzt und die übrige Bebauung als kompaktes, maßstäblich abgestuftes Quartier um zentrale Freiräume und die Swinemünder Brücke organisiert. / © Foto: Architekturbüro Max Dudler
Gesundbrunnen: Geplanter Brückenpark ist „einzigartig in Berlin“
Florian Mänz vom Büro Vogt Landschaft Berlin (das den Wettbewerb gemeinsam mit Max Dudler gewann) betonte, dass die Ausgestaltung des Stadtplatzes zur Brunnenstraße für sein Büro besonders wichtig war, da das geplante „Dach aus Bäumen“, wie er es nannte, eine Kühlung des Bereichs und ein angenehmes Entree für das zukünftige Quartier bilden soll. Allerdings müssen in diesem Bereich auch die Zufahrtsmöglichkeiten für den Einzelhandel integriert werden, was keine einfache Aufgabe sein dürfte.
Besonders stolz ist das Büro allerdings auf den geplanten Brückenpark, den Mänz als „einzigartig in Berlin“ bezeichnete. Dabei legte Mänz wert darauf, dass der neue Park die bestehende Vegetation in den zukünftigen Park integrieren soll. Ziel sei es, vorhandene Vegetation aufzunehmen und in die neue Parkstruktur zu überführen.
Vorgesehen ist eine öffentliche Grünanlage mit einer Fläche von mehr als 5.000 Quadratmetern, in die die denkmalgeschützte Swinemünder Brücke integriert werden soll. Das historische Bauwerk könnte damit künftig zum identitätsstiftenden Mittelpunkt eines neuen Stadtquartiers werden.

In Gesundbrunnen gibt es Pläne, die historische Swinemünder Brücke in ein grünes, öffentliches Umfeld einzubetten. / © Foto: Wikimedia Commons, Marek Sliwecki, CC BY-SA 4.0
Erste Bauphase im Westen des Areals geplant, Zukunft des Kaufland-Standorts ungewiss
Im Rahmen der Fragerunde wurde auch diskutiert, ob das bestehende Gewerbe- und Einzelhandelsgebäude, das derzeit unter anderem die Supermarktkette Kaufland beherbergt, erhalten werden kann.
Derzeit ist geplant, das Gebäude abzureißen, da eine Umnutzung schwer umsetzbar scheint. Hines versicherte jedoch, dass eine Umnutzung in jedem Falle geprüft wird, da das Unternehmen seine weltweit hohen Nachhaltigkeitsansprüche auch hier einhalten möchte. Ob nach dem Abriss oder einem möglichen Umbau wieder die Marke Kaufland einziehen wird, konnte noch nicht beantwortet werden.
Der westliche Teil des Areals, der rund 18.000 Quadratmeter Geschossfläche umfassen wird, soll als erstes entwickelt werden, da hier keine aufwendige Anpassung des Bebauungsplans notwendig ist. Die Wohnnutzung, die im östlichen Teil des Geländes entstehen soll, soll nach Wünschen von Bezirksstadtrat Christopher Schriner mit dem Bauturbo umgesetzt werden. Auf einen konkreten Zeitplan wollten sich die Teilnehmer auf dem Podium am Freitagmorgen allerdings noch nicht festlegen.

Bei der heutigen Pressekonferenz im Rathaus Wedding stellten Hines, das Land Berlin, der Bezirk Mitte und Max Dudler den Siegerentwurf für „Fountain“ vor. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Quellen: Max Dudler
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