Mit dem Richtfest für das Hochhaus „The Berlinian“ erreicht eines der prominentesten Bauprojekte am Alexanderplatz einen wichtigen Meilenstein. Nach einer bewegten Projektgeschichte soll nun der Innenausbau beginnen. Die Fertigstellung ist für 2027 geplant. Bei der gut besuchten Veranstaltung wurde deutlich, welche Bedeutung dem Bau für die künftige Entwicklung des Standorts beigemessen wird.

Der Richtkranz weht über den Köpfen der Besucherinnen und Besucher: Mit dem Abschluss des Rohbaus ist das Hochhaus „The Berlinian“ endgültig im Stadtraum angekommen. Bis 2027 soll der Neubau am Alexanderplatz vollständig fertiggestellt werden. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
© Visualisierung Titelbild: CommerzReal AG, Kleihues+Kleihues
© Fotos: ENTWICKLUNGSSTADT
Es hatte sich einiges zusammengebraut über dem riesigen, zukünftigen Büroturm, der sich nun über Alexanderplatz und Karl-Liebknecht-Straße erhebt. Den gesamten Vormittag hatte es am Mittwoch geregnet, doch pünktlich um 14 Uhr, der Startzeit des Richtfestes, hörte der Regen auf, was die Organisatoren erleichtert haben dürfte. Der erste Teil der Veranstaltung war aber von vornherein ins Gebäudeinnere verlegt worden.
Mehrere hundert Gäste waren erschienen, um den Abschluss des Rohbaus des 146 Meter hohen Gebäudes am Alexanderplatz in Berlin-Mitte mit Vertretern von CommerzReal, dem Architekten Jan Kleihues und Berlins Regierendem Bürgermeister, Kai Wegner, feierlich zu begehen. Auch Ephraim Gothe, Bezirksstadtrat im Bezirk Mitte, und Petra Kahlfeldt, Berlins Senatsbaudirektorin, wollten sich die Veranstaltung nicht entgehen lassen.
Richtfest für Hochhaus „The Berlinian“ am Alexanderplatz in Berlin-Mitte
Andreas Rauch, Head of Development & Construction bei Commerz Real, beleuchtete in seiner Rede noch einmal den mühsamen Weg, den das Unternehmen gehen musste, um das Gebäude letztlich von der mittlerweile insolventen Signa-Gruppe übernehmen zu können. Über fünf Tage und Nächte zogen sich demnach die Verhandlungen hin, die selbst den beiwohnenden Notar wohl fast in die Knie gezwungen hätten.
Auch nach der Übernahme des Projekts hörten die Schwierigkeiten nicht auf, da erst der Verkäufer und schließlich der Projektentwickler zahlungsunfähig waren. Entsprechend erfreut zeigte sich später Kai Wegner in seiner Rede, der den außerordentlichen Mut der Bauherren heraushob, da am Alexanderplatz schnell eine weitere Bauruine hätte entstehen können, wenn CommerzReal das Projekt wieder abgestoßen oder auf Eis gelegt hätte.
Gegen alle Widerstände: CommerzReal wollte das Hochhausprojekt unbedingt umsetzen
Das sei laut Rauch allerdings keine Option gewesen, CommerzReal wollte und will das Projekt unbedingt fertigstellen, welches ab der kommenden Woche in die nächste, wichtige Projektphase eintreten soll, den Innenausbau. Dann werden täglich rund 500 Bauleute mehr auf der Baustelle präsent sein, eine logistische Herausforderung, die auf die Bauherren dann zukommt.
Doch an diesem dann doch nicht so verregneten Nachmittag zweifelte niemand der Anwesenden daran, dass CommerzReal auch diese Herausforderung meistern wird. Ob in das Bestandsgebäude, das heutige Galeria-Warenhaus, zukünftig die Berliner Zentral- und Landesbibliothek einziehen wird, war weder von Kai Wegner noch von CommerzReal in Erfahrung zu bringen.
Verhandlungen laufen: Kommt die ZLB ins Galaria-Warenhaus am Alexanderplatz?
Die vom Bauherren noch im August selbstbewusst formulierten Pläne scheinen mittlerweile ins Stocken geraten zu sein. Im neuen Hochhaus jedenfalls sollen Flächen für Büros, Gastronomie und (ein wenig) Kultur entstehen, Wohnungen hingegen nicht.
Wegner zeigte sich während seiner Rede als Fan und großer Befürworter neuer Hochhäuser in Berlin und wünscht sich „eine echte Skyline“ für die Hauptstadt. Der Tower „The Berlinian“, wie das 146 Meter hohe Gebäude heißt, soll nach Wegners Willen also nur der Auftakt für weitere Hochhausprojekte sein, nicht nur am Alexanderplatz, sondern in ganz Berlin.

So soll die neu gestaltete Dachterrasse auf dem heutigen Galeria-Warenhaus aussehen – ob mit oder ohne ZLB als Ankermieter, das steht bislang noch nicht fest. / © Visualisierung: CommerzReal AG, Kleihues+Kleihues
Kai Wegner: Das Hochhaus am Alexanderplatz unterstreicht Berlins außerordentlich hohe Strahlkraft
So ließ es sich der Regierende natürlich nicht nehmen, noch einmal zu betonen, dass das im Bau befindliche Hochhaus die Strahlkraft Berlins unterstreiche – und dass er sich weitere, vergleichbare Investments in Berlin wünscht.
Bevor schließlich der Richtkranz von einem Kran in schwindelerregende Höhen gezogen werden konnte, durfte auch der Architekt des Hauses, Jan Kleihues, noch einige Worte zum Projekt sagen und tat dies auf launige Art und Weise: „Ein Arzt kann seine Fehler begraben, ein Architekt kann seinem Auftraggeber nur empfehlen, Efeu zu pflanzen.“
Damit zitierte er George Sand, wies aber im gleichen Zuge darauf hin, dass dies bei der aus seiner Sicht eleganten und filigranen Fassade und dem schlichten Design des Hochhauses, das er in Anlehnung an die Fassadengestaltung des Bestandsbaus, des Galeria-Gebäudes, entworfen hat, nicht nötig sei.
Familienprojekt: Josef Paul Kleihues gestaltete das Galeria-Warenhaus, Sohn Jan Kleihues nun das Hochhaus „The Berlinian“
Das Hochhausprojekt „The Berlinian“ ist für das Büro Kleihues+Kleihues zu einem wahren Mehrgenerationenprojekt avanciert, denn schließlich hatte der Vater von Jan Kleihues, Josef Paul Kleihues, den Umbau des einstigen Centrum Warenhauses verantwortet und die neue Außenhülle entworfen, die das Gebäude noch heute schmückt.
Das nächste Kapitel in dieser Erzählung soll nun also die Fertigstellung des Gebäudes werden, welche innerhalb der kommenden 15 Monate abgeschlossen werden soll. Bis zum Mai 2027 sollen alle laufenden Arbeiten, sowohl innen als auch außen, abgeschlossen werden.
Ziel von CommerzReal: Bis Mai 2027 soll das Hochhaus am Alexanderplatz fertiggestellt werden
Dann wird das erste von (mutmaßlich) mehreren neuen Hochhäusern am Alexanderplatz fertiggestellt sein. „Schon jetzt„, so resümierte Architekt Kleihues, sei das Gebäude aufgrund seiner Höhe „aus dem Berliner Stadtbild nicht mehr wegzudenken.“
Wer an diesem trüben Januartag an der verglasten Fassade des fast 150 Meter hohen Gebäudes hinaufsah, konnte dieser Aussage nur schwerlich widersprechen. Der Alexanderplatz hat sein erstes, neues Hochhaus des 21. Jahrhunderts, und direkt nebenan baut der französische Immobilienkonzern Covivio gut sichtbar bereits am nächsten.

Großes Interesse: Architekt Jan Kleihues spricht vor den geladenen Gästen beim Richtfest für das Hochhausprojekt „The Berlinian“ am Alexanderplatz. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Auch Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) nahm gut gelaunt an der Veranstaltung teil. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

So soll das fertige Haus schließlich aussehen – die im Hintergrund zu erkennenden Hochhäuser stehen allerdings bislang noch in den Sternen. / © Visualisierung: CommerzReal AG, Kleihues+Kleihues
Quellen: Tagesspiegel, CommerzReal, Berliner Morgenpost, rbb, Tagesschau, Kleihues + Kleihues, Sauerbruch Hutton Gesellschaft von Architekten mbH, Covivio Immobilien GmbH, Züblin, BerliMedia GmbH
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5 Kommentare
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Nur schade das man der Skyline am Alex nicht etwas mehr Abwechslung zutraut. Dieses starre festhalten an der 150-Meter Obergrenze – oder unter Lüscher, noch schlimmer, 130-Meter – tut der Skyline Entwicklung nicht besonders gut. Hoffen wir auf das beste!
An dieser Stelle wohlgemerkt. Das Estrel Hochhaus ist ja 176 Meter hoch.
Diese beiden Visionen fände ich geeignet um höhere Türme zu bauen:
https://www.noefer.de/de/projekte/city-ring-berlin
https://www.entwicklungsstadt.de/langhofs-idee-fuer-den-flughafen-tempelhof-12-hochhaeuser-fuer-5-000-wohnungen/
Beide „Visionen“ finde ich nur furchtbar, den ersten Entwurf geradezu albern!
Aufgrund des Zuwanderungsdruckes in Berlin steigen die Bodenpreise ins unermessliche! Das ist der klassische Grund, in die Höhe zu bauen. Berlin wird sich den Notwendigkeiten stellen oder damit leben müssen, dass die Mieten in dieser Stadt für die Masse der Bevölkerung nicht mehr zu zahlen sein wird. Und dabei muss Berlin mit seiner verblödeten „sozialistischen“ Idee, mindestens 30 % einer Bebauung müssten sozialen Wohnungsbau abdecken, verabschieden, weil sich damit Bauprojekte im Zentrum nicht mehr rechnen. Lieber die Reichen eingepfercht im S-Bahn-Ring, damit sie anderweitig Wohnungen nicht belegen. Denn es ist immer noch preiswerter für die Bevölkerung, von den Randlagen der Stadt zur Arbeitsstätte zu fahren als aus dem brandenburgischen Umland.
Das Grundproblem ist, dass diese Stadt in Wirklichkeit überhaupt keine Stadtplanung hat, sondern von Bezirk zu Bezirk die „Fahnen der eigenen Ideologie“ hochzuhalten sucht. Die Interessen der Bürger, die man mit dieser Ideologie angeblich wahren will, interessieren in Wirklichkeit überhaupt nicht.
Berlin wird sich entscheiden müssen, ob es ein größeres Freiburg i. Br., oder eher ein London, New York usw. sein will! Ein Freiburg i. Br. mit 3,8 Mio. und gegebenenfalls künftig noch mehr Einwohnern: Das wird verdammt eng, ich glaube, das kann nur scheitern!
Zitat: „Der Tower „The Berlinian“, wie das 146 Meter hohe Gebäude heißt, soll nach Wegners Willen also nur der Auftakt für weitere Hochhausprojekte sein, nicht nur am Alexanderplatz, sondern in ganz Berlin.“
Da stimme ich mit unserem Bürgermeistern überein, allerdings muß er bei zukünftigen Projekten dafür sorgen das auch Wohnungen entstehen. Und zukünftige Bürgermeister sollten diese Vision auch nicht untergraben, damit die Stadt sich am besten als Metropole bewährt und nicht im kleinen.
Der Alexanderplatz und der Breitschaltplatz im Westen sind die Kernpunkte von Berlin wo die höchsten Hochhäuser Ihren Platz haben, wie das Herz beim Menschen. Am Alexanderplatz entsteht die Vision das der Platz im Zentrum frei bleibt und viele hohe Architektur ihn schmückt, und die diagonale bringt es mit sich hier mindestens zwei dutzend zu erbauen.
Zitat: „..die im Hintergrund zu erkennenden Hochhäuser stehen allerdings bislang noch in den Sternen.“
Da stehen dann 5, mit dem Fernsehturm 6 hohe Ansichten, von weitem mag sich damit eine kleine Skyline formieren, es bedarf aber viel mehr .. und Berlin ächzt nach mehr Wohnraum, eigentlich Win-Win.