Der neue Uni-Campus auf dem Brauhausberg stellt Potsdam vor Verkehrsfragen. Eine Seilbahn könnte zur ungewöhnlichen, aber zukunftsweisenden Antwort werden. Das schlägt jedenfalls Oliver Günther, Präsident der Universität Potsdam, vor.

Hier noch eine Vision, bald schon Realität in Potsdam? Urbane Seilbahnen können ein sinnvolles Verkehrsmittel sein, vor allem in schwer erreichbaren Lagen wie auf dem Potsdamer Brauhausberg. / © Foto: Wikimedia Commons / JoachimKohlerBremen (CC0 4.0), mit KI bearbeitet
© Titelbild: Landeshauptstadt Potsdam/Robert Schnabel
Mit dem neuen Campus der Universität Potsdam auf dem Brauhausberg entsteht einer der zentralen Wissenschaftsstandorte der Landeshauptstadt. Tausende Studierende, Lehrende und Mitarbeitende werden hier künftig täglich unterwegs sein. Die Frage, wie dieser Ort gut, barrierefrei und nachhaltig erreichbar sein kann, gewinnt damit zunehmend an Bedeutung. Eine Idee sorgt dabei für besondere Aufmerksamkeit: eine urbane Seilbahn.
Gedacht ist sie als Verbindung vom Hauptbahnhof über den Brauhausberg bis hin zum Wissenschaftspark auf dem Telegrafenberg. Gerade der steile Anstieg vom Bahnhof zum Campus gilt bislang als infrastrukturelle Schwachstelle; insbesondere für mobilitätseingeschränkte Menschen oder bei schlechtem Wetter. Geäußert hat diesen Vorschlag der Präsident der Universität, Oliver Günther, im Gespräch mit Statement Media.
Eine Seilbahn für die Universität Potsdam: Vom Bahnhof auf den Berg, ohne Umweg?
Der Brauhausberg liegt prominent, aber verkehrlich anspruchsvoll. Busverbindungen stoßen hier an Kapazitätsgrenzen, zusätzliche Straßen sind kaum realisierbar. Eine Seilbahn würde den Höhenunterschied in wenigen Minuten überwinden und dabei Flächen sparen, die im dicht bebauten Stadtgefüge Potsdams kaum verfügbar sind, so Günther.
Zugleich wäre sie nicht nur ein Transportmittel für den Campus, sondern auch ein verbindendes Element zwischen zentralen Wissenschafts- und Kulturorten. Damit rückt die Idee über eine reine Uni-Anbindung hinaus und berührt grundsätzliche Fragen moderner Stadtmobilität.
Französisches Vorbild: Paris zeigt, wie urbane Seilbahnen funktionieren können
Ein Blick nach Paris zeigt, dass solche Konzepte längst keine Vision mehr sind. In der französischen Metropolregion wurde kürzlich eine innerstädtische Seilbahn als Teil des öffentlichen Nahverkehrs realisiert. Sie verbindet mehrere Stadtteile, überquert Straßen, Bahntrassen und dichte Bebauung, und wird im Alltag genutzt.
Das Pariser Beispiel zeigt, dass Seilbahnen nicht nur touristische Attraktionen sein müssen, sondern funktionale Verkehrsmittel sein können: leise, emissionsfrei und vergleichsweise schnell umzusetzen.
Eine Seilbahn für die Hauptstadtregion? Berlin nutzt die Technik bereits
Auch in Berlin ist eine urbane Seilbahn längst Teil des Stadtbildes. In Marzahn-Hellersdorf verbindet sie den Kienbergpark mit den Gärten der Welt. Zwar ist sie bislang nicht in den regulären Nahverkehr integriert, doch sie zeigt, dass der Betrieb in dicht besiedelten Räumen technisch und organisatorisch machbar ist.
Für Potsdam könnte dies ein wichtiger Referenzpunkt sein; nicht als Blaupause, aber als Beleg dafür, dass Akzeptanz und Alltagstauglichkeit grundsätzlich erreichbar sind. Während der neue Campus auf dem Brauhausberg geplant wird, möchte Potsdams Universitätspräsident zugleich die wichtige, umliegende Infrastruktur mitdenken.
Kann eine Seilbahn für den Uni-Campus in Potsdam übliche Verkehrsmittel ersetzen?
Noch ist die Seilbahn nur eine Idee, kein beschlossener Plan. In kommenden Untersuchungen wird sie mit klassischen Lösungen wie Buslinien, möglichen Straßenbahntrassen oder neuen Mobilitätsformen verglichen werden müssen. Kosten, Genehmigungen, Eingriffe ins Stadtbild und die Einbindung in bestehende Verkehrsnetze werden zentrale Kriterien sein.
Gleichzeitig zeigt der Vorschlag, dass es in Potsdam eine Bereitschaft gibt, Mobilität neu zu denken; nicht nur funktional, sondern auch im Sinne einer nachhaltigen Stadtentwicklung. Eine Seilbahn über Potsdam wäre mehr als eine pragmatische Lösung für einen steilen Weg.
Sie könnte zum sichtbaren Symbol für einen modernen Wissenschaftsstandort werden, der Innovation nicht nur lehrt, sondern auch lebt. Ob sie kommt, ist offen. Dass sie ernsthaft diskutiert wird, sagt jedoch viel über den Wandel urbaner Mobilitätsvorstellungen aus.
Quellen: Statement Media, RBB, Landeshauptstadt Potsdam, Universität Potsdam, Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur Brandenburg
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