Angesichts wachsender Hitzebelastung entwickelt Frankfurt vielfältige Strategien, die die Stadt widerstandsfähiger machen sollen. Fünf beispielhafte Maßnahmen zeigen, wie natürliche Luftströme, Regenwassermanagement und bauliche Anpassungen zu einem besseren Stadtklima beitragen können.
Thermometer im Vordergrund zeigt 40 Grad Celsius.

Frankfurt ist eine der wärmsten Städte Deutschlands. 2019 wurde eine Rekordtemperatur von 40,2 Grad Celsius registriert, und jedes Jahr zeigen die Thermometer über lange Zeit weit über 30 Grad Celsius an. / © Foto: pixabay, sumekler

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Frankfurt am Main zählt zu den heißesten Städten Deutschlands. Insbesondere in den Sommermonaten führen anhaltend hohe Temperaturen zu einer zunehmenden Belastung für Bevölkerung, Infrastruktur und Umwelt. Um den Folgen des städtischen Hitzestresses systematisch zu begegnen, verfolgt die Stadt verschiedene Klimaanpassungsstrategien.

ENTWICKLUNGSSTADT zeigt fünf Strategien in Frankfurt, die exemplarisch verdeutlichen, wie Klimaanpassung heute geplant und umgesetzt wird.

1. Kühle Brisen aus der Wetterau: Wie Luftschneisen Frankfurt vor nächtlicher Hitze schützen

Grünflächen im Vordergrund, die Skyline Frankfurts im Hintergrund.

Auf den Grünflächen zwischen Bad Nauheim und Frankfurt entstehen die „Wetterau-Winde“. / © Foto: Wikimedia Commons, by ivod, CC BY 3.0

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Frankfurt setzt beim Schutz vor Überhitzung gezielt auf den Erhalt und die Weiterentwicklung von Frischluftschneisen. Diese großräumigen, unbebauten Korridore leiten kühle Luftmassen aus dem Umland in die dicht bebaute Innenstadt, vor allem in den Nachtstunden. So entsteht ein natürlicher Luftaustausch, der urbane Wärmeinseln reguliert und zur nächtlichen Abkühlung beiträgt.

Besonders wichtig sind die „Wetterau-Winde“, die aus nordöstlicher Richtung aus dem Raum Friedberg und Bad Nauheim in die Stadt strömen. In verdichteten Bereichen wie dem Bankenviertel lenken die hohen Gebäude diese Luftströme zusätzlich. Um diesen natürlichen Kühlmechanismus zu sichern, sorgt die Stadt dafür, dass keine Baukörper, Garagen, Hecken oder Zäune die Luftleitbahnen blockieren. Frankfurt nutzt Klimasimulationen und Bebauungspläne, um die Freihaltung dieser Schneisen zu gewährleisten und die nächtliche Durchlüftung zu erhalten.

2. Stadtboden als Schwamm: Entsiegelung und Regenwassermanagement für ein kühleres Mikroklima

Skyline Frankfurt, dunkle Regenwolken am Himmel

Ziel ist es, das Frankfurter Regenwasser lokal zu speichern, zu versickern und verdunsten zu lassen, anstatt es direkt in die Kanalisation abzuleiten. / © Foto: pixabay, klausdie

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Ein weiteres zentrales Element der Frankfurter Klimastrategie ist die Entsiegelung versiegelter Flächen in Kombination mit dem sogenannten Schwammstadtprinzip. Dieses stadtplanerische Konzept verfolgt das Ziel, Regenwasser lokal zu speichern, zu versickern und verdunsten zu lassen, anstatt es direkt in die Kanalisation abzuleiten. So entstehen Kühlungseffekte durch Verdunstung, die das Mikroklima deutlich verbessern. Zum Einsatz kommen unter anderem versickerungsfähige Bodenbeläge, Gründächer, Regenrückhaltebecken und begrünte Mulden, die Regenwasser temporär aufnehmen. Die Feuchtigkeit kühlt den unmittelbaren Straßenraum und entlastet gleichzeitig die städtische Kanalinfrastruktur bei Starkregen.

Im Neubauquartier „Hilgenfeld“ am nördlichen Stadtrand wird dieses Prinzip umfassend angewendet. Dort integrieren Planerinnen und Planer von Beginn an Maßnahmen zur Regenwasserrückhaltung und Flächenentsiegelung in die Quartiersstruktur. Frankfurt verfolgt damit konsequent eine Entwicklung hin zu einer klimaresilienten und wassersensiblen Stadt.

3. Grüne Infrastruktur für heiße Tage: Begrünung und Aufforstung in Stadt und Quartier

Blick entlang einer Straßenachse die zu den Hochhäusern von Frankfurt führt. Die linke Straßenseite ist von Bäumen gesäumt.

Seit 2015 wurden im gesamten Stadtgebiet Frankfurt über 15.000 neue Bäume gepflanzt, unter anderem entlang wichtiger Verkehrsachsen. / © Foto: pixabay, Leonhard_Niederwimmer

Vegetation ist ein elementarer Bestandteil der Frankfurter Hitzestrategie. Bäume, Sträucher und Grünflächen wirken durch Verdunstungskühlung, sorgen für Schatten und verbessern nachhaltig die Luftqualität in verdichteten Stadtbereichen. Gleichzeitig binden sie Kohlendioxid und bieten wichtige Rückzugsräume für Flora und Fauna. Seit 2015 wurden im gesamten Stadtgebiet über 15.000 neue Bäume gepflanzt, entlang von Verkehrsachsen, auf öffentlichen Plätzen und in Parks. Eine besonders wichtige Rolle spielt der Frankfurter Grüngürtel, ein ringförmiger Landschaftsraum um die Innenstadt, der Frischluft erzeugt, Biodiversität fördert und als klimatische Ausgleichsfläche dient.

Auch bei Neubauten ist Begrünung mittlerweile Standard. Diese Maßnahmen senken nachweislich die Oberflächentemperaturen der Gebäudehülle, verringern die Aufheizung der Wohnungen und verbessern den Aufenthalt im Freiraum.

4. Architektur als Klimaregler: Frankfurt setzt auf Gebäudeformen mit passiver Kühlwirkung

Die Fassade des GREENIQUE Projekts hinter einem Baugerüst, mit Bäumen und einer Straße davor

Das Projekt „GREENIQUE“ bekommt im Zuge der Umgestaltung begrünte Innenhöfe und verschattende Fassadenelemente. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Neben der Begrünung von Stadt- und Freiflächen kommt in Frankfurt zunehmend auch der Architektur selbst eine aktive Rolle beim Hitzeschutz zu. Dabei geht es nicht nur um technische Kühlmethoden, sondern um bauliche Strukturen, die auf natürliche Weise für Abkühlung sorgen. Die Klimaanpassung findet hier direkt im Gebäudeentwurf statt. Gebäudeorientierung, Durchlüftungskonzepte und verschattende Bauformen helfen dabei, Überhitzung zu vermeiden. Durchdacht gesetzte Baukörper, etwa in offenen Gruppen, ermöglichen die Zirkulation von Frischluft auf Quartiersebene. Gleichzeitig verhindern eingeschnittene Bauformen, Loggien, Dachüberstände und zurückversetzte Fensterflächen die direkte Sonnenexposition.

Ein Beispiel ist das Projekt „GREENIQUE“ an der Mainzer Landstraße. Dort wird ein Bürogebäude aus den 1970er Jahren modernisiert. Im Zuge der Umgestaltung kommen unter anderem begrünte Innenhöfe, verschattende Fassadenelemente und ein auf Luftzirkulation ausgelegtes Gebäudeensemble zum Einsatz.

5. Klimaanpassung durch Gestaltung: Die neue Freiraum- und Klima-Satzung

Der Bauplan des Hilgenfeld Quartiers von oben

Auf dieser Fläche soll bis 2027 das „Hilgenfeld Quartier“ entstehen, ein Stadtviertel, das Raum für bis zu 2.500 Bewohnerinnen und Bewohner bieten soll. / © Visualisierung: ABG Frankfurt Holding

Im Gegensatz zur baulichen Kühlwirkung einzelner Gebäude legt die seit 2023 geltende Gestaltungssatzung „Freiraum und Klima“ verbindliche Vorgaben für die klimafreundliche Gestaltung des gesamten Grundstücksumfelds fest. Sie richtet sich nicht nur an Architektinnen und Architekten, sondern auch an Bauherrinnen und Bauherren. Ziel ist es, auch außerhalb der Gebäudehülle wirksame Maßnahmen gegen Hitze städtebaulich verbindlich umzusetzen. Dazu zählen Gründächer, durchlässige Bodenbeläge, Baumstandorte, Fassadenbegrünung, Verschattungsstrukturen und die Minimierung versiegelter Flächen. Die Satzung wirkt auf stadtgestalterischer Ebene und betrifft sowohl öffentliche als auch private Freiflächen.

Ein Beispiel für die Umsetzung ist das Neubauquartier „Hilgenfeld“. Dort wurden alle relevanten Vorgaben in die Planung integriert. Breite Baumalleen, entsiegelte Wegeverbindungen, begrünte Höfe und schattige Aufenthaltszonen verbessern spürbar das Mikroklima.

Frankfurt

Quellen: Frankfurt Main Finance, Bloomberg, Stadt Frankfurt am Main, Difu

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