Berlin sucht neue Wege gegen Hitze in der Innenstadt. Mobile Brunnen, Flussbad-Ideen, Sprühnebel, Trinkwasser, Schatten und temporäre Bäder zeigen, was schon möglich ist.
© Titelbild / Visualisierung: ENTWICKLUNGSSTADT mit KI
Berlin wird im Sommer immer heißer. Gerade in der Innenstadt fehlen oft Schatten, Wasser und Orte für kurze Pausen. Andere Städte zeigen bereits, welche temporären Lösungen funktionieren: Trinkbrunnen, Sprühnebel, mobile Bäder, kühle Räume, öffentliche Duschen oder Sonnencremespender. Für Berlin gibt es erste Ansätze, aber viele Möglichkeiten bleiben offen.
Berlin hat bereits eine Grundlage. Die Berliner Wasserbetriebe betreiben 238 öffentliche Trinkbrunnen. Sie liefern kostenloses Trinkwasser, laufen in der warmen Saison und hängen direkt am Frischwassernetz. Die Stadt zeigt zudem über die „Kühle-Orte-Karte“ und die „Berliner Erfrischungskarte“ schattige Orte, Trinkbrunnen, Parks, Badestellen und kühle Aufenthaltsbereiche. Der Berliner „Hitzeaktionsplan“ bündelt seit 2025 weitere Maßnahmen, darunter „Cooling Points“ in öffentlichen Gebäuden und den Erhalt sowie Ausbau von Trinkbrunnen.

Ein öffentlicher Trinkbrunnen der Berliner Wasserbetriebe versorgt Menschen in Berlin während heißer Sommertage kostenlos mit frischem Trinkwasser. / © Foto: Berliner Wasserbetriebe
Schwimmbecken, Flussbad, Duschen: Abkühlung in Berliner Innenstadt
Aber temporär kann Berlin noch mehr tun. Das geplante „Volksbad vor der Volksbühne“ zeigt einen konkreten Ansatz: Vor der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz soll vom 7. August bis 1. Oktober 2026 ein kostenlos zugängliches Schwimmbecken stehen. Geplant sind eine 25 Meter lange Schwimmbahn, Schwimmunterricht für Kinder und spezifische Badetage.
Das Projekt „Flussbad Berlin“ bleibt die sichtbarste Vision für Abkühlung in der historischen Mitte. Der Verein will den Spreekanal als öffentlichen Stadtraum wieder nutzbar machen, auch für Schwimmer. Aktuell stellt das jedoch keine offizielle Badestelle dar. Das Badeverbot in der innerstädtischen Spree gilt weiter, das „Flussbad Berlin“ scheitert an Wasserqualität, Sicherheit und Genehmigungen.
Abkühlung gegen Hitze: Paris und Wien zeigen Lösungen für Berlin
Paris zeigt, dass Flussbaden möglich ist: Dort öffneten 2025 überwachte Badestellen in Seine und Marne unter kontrollierten sanitären Bedingungen.
Auch öffentliche Duschen könnten helfen. Berlin bietet Duschen bisher vor allem im Rahmen der Hitzehilfe für wohnungslose Menschen an. Eine breiter aufgestellte, niedrigschwellige Lösung für Plätze, Bahnhöfe oder Parks wäre eine Vision.
Gleiches gilt für Sonnencremespender. Die Niederlande haben solche Spender in Schulen, Parks, Sportanlagen und auf Festivals eingesetzt, um Sonnenschutz kostenlos verfügbar zu machen. In Deutschland gab es im vergangenen Jahr ein Pilotprojekt von Nivea Sun mit einzelnen Standorten in verschiedenen deutschen Städten.

Ein mobiler Sonnencremespender auf dem Hamburger Rathausmarkt zeigt, wie kostenloser Sonnenschutz an stark frequentierten Plätzen zur Hitzestrategie von Städten beitragen kann. / © Foto: NIVEA
Sprühnebel, Schatten und kühle Räume gegen Hitze
Paris und Wien liefern weitere konkrete Vorbilder für technische Abkühlung. Paris meldet mehr als 1.400 kühle Orte, 1.300 Wasserstellen, 175 Nebelbrunnen und zusätzliche Brumisatoren in Parks. Eau de Paris nutzt „2-in-1“-Fontänen, die Trinkwasser und Sprühnebel verbinden.
Wien setzt seit Jahren auf Sprühnebel-Anlagen im öffentlichen Raum. Dafür nutzt der Wasserversorger Hydranten, auf denen während der Sommermonate die sogenannten „Sommerspritzer“ montiert werden. Die schlanken Edelstahlsäulen verteilen feinen Wassernebel und schaffen so an stark frequentierten Orten kurzfristig Abkühlung. Solche Elemente könnten auch Menschen an Berliner Plätze wie den Alexanderplatz, den Potsdamer Platz oder den Bereich um die Museumsinsel temporär entlasten.

Temporäre Sonnensegel überspannen eine Berliner Straße und schaffen mehr Schatten sowie Abkühlung für Fußgänger und den Straßenraum. / © Visualisierung: ENTWICKLUNGSSTADT mit KI
Mehr Schatten in Berlin: Sonnensegel und kühle Orte für die Innenstadt
Weitere Möglichkeiten setzen dort an, wo sich die Hitze besonders staut. Mobile Sonnensegel könnten enge Straßen, Plätze oder Schulhöfe zeitweise beschatten. In Städten wie Sevilla oder Lissabon gehören textile Verschattungen in den Sommermonaten längst zum Stadtbild. Sie lassen sich saisonal auf- und abbauen und senken die direkte Sonneneinstrahlung deutlich.
Ergänzend könnten Wassersprüh-Ventilatoren auf öffentlichen Plätzen, Wasserwände, kühle Wartezonen an Haltestellen sowie zusätzliche „Cooling Points“ in Bibliotheken, Rathäusern oder Museen das bestehende Angebot erweitern. Für Berlin sind viele dieser Ansätze bislang Visionen. Sie würden an den bestehenden Hitzeaktionsplan anknüpfen, müssten aber jeweils Fragen der Wartung, Hygiene, Barrierefreiheit und des Betriebs klären.
Quellen: Berliner Wasserbetriebe, Berlin.de, „Kühle-Orte-Karte“ Berlin, „Berliner Erfrischungskarte“, visitBerlin, rbb24, Tagesspiegel, Ville de Paris, Vienna Heat Action Plan, Präfektur Île-de-France, The Guardian, WirtschaftsWoche
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6 Kommentare
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Gute Vorschläge, nur wer setzt sie um?
Das SEZ sollte den Immobilienspekulanten aus den Händen gerissen werden und der
Bade- und Sportbetrieb innerhalb der Berliner Bäder-Betriebe (BBB) wieder aufgenommen werden.
Ihr Beitrag zeigt die reichliche Ignoranz bei den Vertretern, die den Erhalt des SEZ betreiben: Welche Immobilienspekulanten. Dort soll die WBM Wohnhäuser errichten! Die WBM ist eine landeseigene Wohnungsbaugesellschaft, gehört also allen Berlinern! Und was soll die Wiedereröffnung des SEZ an den klimatischen Verhältnissen in Berlin ändern?
Bushaltestellen und Tramhaltestellen in Berlin bestehen rundum aus Glasscheiben. Warum ist nicht wenigstens das Dach aus einem vor Sonnenstrahlen und Hitze schützendem Material??? Es gibt dort oft auch nur 3 Sitzplätze aus Metall … Warum werden vorallem öffentliche Gebäude immer noch mit riesigen Glasfronten gebaut??? Architektur vor Gesundheit?
Lieber Bernd lieber Bauen die unnütze Gebäude reisen immer mehr Natur Bäume usw. Weg dafür. Lieber alles aus Beton die Plätze. Dann sagen die es muss etwas gemacht werden. Die Denken nur an sich. Das SEZ war super. Schade das es verschwindet.
Wer soll das bezahlen, wer hat so viel Geld …???