Der Ernst-Reuter-Platz zählt zu den großen Verkehrsknotenpunkten der Berliner City West und zugleich zu den Hitze-Hotspots der Stadt. Nun will der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf die zentrale Grünfläche klimaresilient umgestalten. Mit neuen Pflanzen, verbessertem Boden und angepasster Pflege soll der Platz künftig besser auf zunehmende Hitzeperioden reagieren.

© Titelbild: BACW/ von Kentzinsky

Auf der zentralen Grünfläche des Ernst-Reuter-Platzes in Charlottenburg setzt der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf neue Maßnahmen zur Klimaanpassung um. Die rund 7.000 Quadratmeter große Wiesenfläche auf der Mittelinsel soll künftig besser mit Hitzeperioden und anderen Klimaextremen umgehen können. Dafür wird die Vegetation angepasst und der Boden gezielt verbessert, um Wasser länger zu speichern und die Fläche widerstandsfähiger zu machen.

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Bereits im Herbst 2025 begann der Bezirk mit ersten Maßnahmen. Dabei wurden rund 60 Tonnen Gütekompost in den Boden eingearbeitet, um die Wasserspeicherfähigkeit zu erhöhen und den Pflanzen bessere Wachstumsbedingungen zu bieten. Ergänzend wurde regionales Saatgut ausgebracht, das besser an die lokalen Bedingungen angepasst sein soll. Auf diese Weise soll eine robustere Wiesenfläche entstehen, die auch bei längeren Trockenperioden stabil bleibt.

70.000 Blumenzwiebeln am Ernst-Reuter-Platz: Mehr Biodiversität und natürliche Kühlung

Ein weiterer Bestandteil der Umgestaltung ist die Pflanzung zahlreicher Blumenzwiebeln heimischer Arten. Insgesamt wurden rund 70.000 Zwiebeln gesetzt, darunter etwa 25.000 Wildtulpen und 45.000 Traubenhyazinthen. Sie sollen im Frühjahr blühen und den denkmalgeschützten Platz prägen. Gleichzeitig schafft die vielfältigere Vegetation neue Lebensräume für Insekten und stärkt die Biodiversität.

Mit den neuen Pflanzen reagiert der Bezirk auch auf die starke Aufheizung des Platzes. Messungen zeigen, dass sich die Oberflächen dort im Sommer teilweise auf über 60 Grad Celsius erwärmen können. Eine robustere Vegetation und verbesserte Böden sollen künftig für stärkere Verdunstung sorgen und so zur natürlichen Kühlung beitragen.

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Ernst-Reuter-Platz als Pilotprojekt: Neue Pflegekonzepte für klimaresiliente Grünflächen

Neben der Neubepflanzung spielt auch die Pflege der Grünfläche eine wichtige Rolle. Das Bezirksamt setzt dabei auf ein angepasstes Management der Wiesenflächen. Jochen Flenker, zuständiger Leiter des Grünflächenbereichs erklärte gegenüber der Berliner Morgenpost, dass langfristig eine selbsttragende Vegetation entstehen solle, die weniger intensive Bewässerung benötige und besser mit Hitzeperioden umgehen könne.

Zugleich begleitet die Technische Universität Berlin Teile des Projekts wissenschaftlich. Messungen sollen zeigen, wie sich Boden, Pflanzen und Mikroklima entwickeln. Die Erkenntnisse sollen helfen, die Pflege weiter anzupassen und ähnliche Maßnahmen auch an anderen Hitze-Hotspots der Stadt umzusetzen.

Der Umbau des Ernst-Reuter-Platzes steht beispielhaft für einen breiteren Ansatz des Bezirks. Statt ausschließlich auf große Einzelprojekte zu setzen, sollen auch kleinere Eingriffe im öffentlichen Raum zur Klimaanpassung beitragen. Langfristig geht es darum, Straßen, Plätze und Grünanlagen schrittweise klimaresilienter zu gestalten. Der Ernst-Reuter-Platz zeigt, wie solche Maßnahmen auch an stark versiegelten und stark genutzten Stadträumen umgesetzt werden können.

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Quellen: Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf, Berliner Morgenpost

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8 Kommentare

  1. Franz 13. März 2026 at 21:40 - Reply

    Wie wäre es einfach mit mehr Bäumen?

  2. Jochen Flenker 13. März 2026 at 22:43 - Reply

    Geht leider nicht aufgrund der unter dem Platz verlaufenden U Bahn und obendrein besteht Denkmalschutz auf dem Gelände. Das LDA ist bislang zu keinem Umdenken bereit.

  3. Böhme 14. März 2026 at 05:29 - Reply

    Wie wäre es mit einer automatischen Bewässerungsanlage? Mehr Bäume würden die Idee des Platzes zerstören!

  4. Franz 14. März 2026 at 12:00 - Reply

    Wenn es die Idee des Platzes ist, im Sommer ein menschenunfreundliches Hitzezentrum zu sein … die 1960er/ 1970er als Symbol der Energieverschleuderung ohne Rücksicht aif ökologische Folgen … klar muss das vom Denkmalschutz geschützt werden … versteh ich sofort * Sarkasmus aus

  5. Franz 14. März 2026 at 12:02 - Reply

    Und wenn man will, kann man auch unter Berücksichtigung der U-Trasse mehr Bäume auf dem Etnst-Reuter-Platz pflanzen. Man muss nur wollen. Und dann entsteht eben ein neuer, interessanter Platz daraus.

  6. Böhme 15. März 2026 at 09:32 - Reply

    Der Klimabeitrag eines „bewaldeten“ Ernst-Reuter-Platzes ist gleich „Null“.

    Der heutige Ernst-Reuter-Platz hat ja mit dem mal entworfenen so gut wie nichts mehr gemein, weil er einfach über Jahrzehnte nicht gepflegt wurde. Die Flächen sind „biodynamisch“ verunkrautet und verwildert, die geplanten Blumenflächen nicht mehr bepflanzt, der Rasen wie eine Wildwiese schlampig gemäht. Hinter dem Platz stand mal eine stadtplanerische Idee. Die mag man heute für unsinnig halten, aber sie ist gleichwohl erhaltenswert, wenn sie denn wiederhergestellt und vor allem dieser hässliche und völlig nutzlose Bauhaus-Pavillon (Reuse) entfernt wird. Denn sie steht für eine bestimmte Epoche – mit einem „naturverbundnen“ Verhältnis zum Auto, einer Zeit, in der Berlin nach Planung mit Autobahnen und mehrspurigen Straßen durchzogen werden sollte.

    Der Platz korrespondiert mit den Magistralen „Straße des 17. Juni“ und der „Bismarckstraße“, darüber hinaus mit den architektonisch sehr gelungenen Häusern (Telefunkenhaus und den Gebäuden zwischen Marchstraße und Otto-Suhr-Alle mit dem vor den Gebäuden befindlichen Pavillon) sowie den jenseits des Kreisverkehrs gestalteten Gehflächen (wer auch immer in der piefigen Provinz-Bezirksverwaltung es zugelassen hat, dass auf der Fläche vor den Gebäuden zwischen Marchstraße und Otto-Suhr-Allee Parkplätze eingerichtet wurde, er wäre „standrechtlich“ zu erschießen, weil damit das Gesamtensemble massiv gestört wird.). Die Idee ist heute schon deswegen überholt, weil die ganzen Sitzgelegenheiten mit Rücksicht auf den den Platz umgebenden Straßenverkehr nicht wirklich zu nutzen ist (außer nachts oder an schönen Sonntagmorgen mit einem wunderschönen Sonnenaufgang!). Nur genau deswegen ist der Platz eben in seiner jetzigen Form erhaltenswert, weil er für die inzwischen überholte Autobegeisterung der späten 50er-Jahre steht. Allein dieses kulturelle Autoverständnis ist denkmalschutzwert!

    • Anwohnerin Leipziger 17. März 2026 at 06:47 - Reply

      „Autoverständnis ist schützenswert“ ist absolut unverständlich.

      Der Verkehrsraum ist ein Nutzgegenstand. Der Zweck erschließt sich durch die Nutzung. Ändert sich das Nutzenverhalten, ändert sich damit auch auch die notwendige Ausgestaltung. Logischerweise wird durch den Anstieg an anderen Verkehrsträgern der Raum für Autos umgewidmet.

      Autoverständnis ist NICHT schützenswert, sondern unterliegt aufgrund seiner Natur als EINS VON VIELEN Verkehrsmitteln dem ständigen Wandel.

  7. Martina 17. März 2026 at 06:40 - Reply

    Der ein oder andere Baum wird noch möglich sein und muss gepflanzt werden um eine klimaresiliente Ausgestaltung zu erreichen.

    Das Verständnis für und das Wissen um Städte, Verkehr und Grünflächen hat sich weiterentwickelt. Anstatt rein zum protzen haben heute alle (!) ebenerdige Flächen sehr viel mehr Aufgaben. Auch eine Art der Aufgabenverdichtung :-). Insgesamt steht das ganze nicht mehr unter dem Motto: „Seht her, wie toll ich bin“ sondern unter:“Für die Menschen.“

    Natürlich muss sich die Ausgestaltung daran anpassen. Natürlich unter Berücksichtigung der Historie als auch der baulichen Begebenheiten.

    Folglich ist ein klimaresilienter Umbau erst mal eine super Idee. Für die Stadt, für Besucher und vor allem für die Anwohnern und Anlieger.

    Hoffentlich wird sie auch entsprechend umgesetzt.

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