Nach jahrelangen Vorbereitungen ist die Entscheidung gefallen: Die Waldsiedlung Zehlendorf wurde offiziell in das UNESCO-Welterbe aufgenommen. Die zwischen 1926 und 1932 entstandene Wohnsiedlung gilt als herausragendes Beispiel des Neuen Bauens und erweitert die Berliner Welterbestätte um ein siebtes Quartier.

Berlin verfügt über eine weitere UNESCO-Welterbe-Siedlung: Die Waldsiedlung Zehlendorf ist offiziell in die Welterbeliste aufgenommen worden. Die Auszeichnung würdigt die außergewöhnliche Verbindung von Architektur, Städtebau und Landschaft sowie die internationale Bedeutung des Neuen Bauens. / © Foto: Wikimedia Commons, Bodo Kubrak, CC BY-SA 4.0
© Foto Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT
Die Zehlendorfer Waldsiedlung gehört jetzt offiziell zum UNESCO-Welterbe. Das Welterbekomitee entschied auf seiner Sitzung im südkoreanischen Busan, das Quartier in die Welterbestätte „Siedlungen der Berliner Moderne“ aufzunehmen. Damit wird die vor knapp 100 Jahren entstandene Siedlung im Berliner Südwesten nach jahrelangen Sanierungen und einem erneuten Nominierungsverfahren als Teil des Erbes der Menschheit anerkannt.
Die Deutsche UNESCO-Kommission veröffentlichte am Sonntagmorgen ein entsprechendes Statement: „Die Waldsiedlung Zehlendorf wurde soeben als Teil der Siedlungen der Berliner Moderne in die Liste des Kultur- und Naturerbes der Welt aufgenommen. Das beschloss das UNESCO-Welterbekomitee auf seiner aktuellen Sitzung in Busan, Südkorea. Damit umfasst die Welterbestätte künftig sieben Siedlungen in Berlin. Die Erweiterung würdigt die Waldsiedlung als herausragendes Beispiel des Neuen Bauens. Die Siedlungen der Berliner Moderne zählen seit 2008 zum UNESCO-Welterbe und stehen beispielhaft für einen Wandel im Wohnungsbau des frühen 20. Jahrhunderts, der unter dem Leitmotiv „Licht, Luft und Sonne“ Gesundheit und Wohlbefinden der Menschen in den Mittelpunkt stellte.“
Zehlendorfer Waldsiedlung entstand zwischen 1926 und 1932 in mehreren Bauabschnitten
Die Waldsiedlung, die zwischen 1926 und 1932 in mehreren Bauabschnitten entstand, gilt als ein herausragendes Beispiel des sozialen Wohnungsbaus der 1920er-Jahre. Sie wurde von namhaften Architekten wie Bruno Taut, Hugo Häring und Otto Rudolf Salvisberg geplant und zeichnet sich durch ihre Farbigkeit, die durchdachte Siedlungsstruktur und die natürliche Einbettung in das Waldgebiet aus.
Die Auszeichnung als Welterbe wird nicht nur den architektonischen Wert der Waldsiedlung unterstreichen, sondern auch den bestehenden Denkmalschutz ergänzen. Die rechtlichen Vorgaben werden sich nicht grundlegend ändern, da das Gebiet bereits unter Denkmalschutz steht. Die Verpflichtung zur Pflege und Erhaltung der historischen Bausubstanz wird jedoch noch einmal bekräftigt.

Das ehemalige Ladengebäude „Frisierkunst“ bildete den Auftakt der Feierlichkeiten zur Aufnahme der Zehlendorfer Waldsiedlung in das UNESCO-Welterbe. Hier kamen Politiker, Anwohnende und zahlreiche Medienvertreter zum offiziellen Empfang zusammen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Zukunft der Waldsiedlung: Verknüpfung von Denkmalschutz und Nachhaltigkeit
Mit dem Welterbestatus wird auch die Diskussion um den Erhalt und die Weiterentwicklung der Waldsiedlung an Bedeutung gewinnen. Bereits 2023 wurde ein aktualisierter Denkmalpflegeplan erstellt, der künftig denkmalgerechte bauliche Standards festlegen soll.
Zudem liegt seit Februar 2023 ein energetisches Quartierskonzept vor, das Klimaschutzmaßnahmen für die Waldsiedlung und angrenzende Gebiete umfasst. Die Verknüpfung von Denkmalschutz und Nachhaltigkeit spielt dabei eine zentrale Rolle.
„Die Siedlungen der Berliner Moderne sind weit mehr als herausragende Architektur. Sie zeigen bis heute, worauf es bei gutem, bezahlbarem und gesundem Wohnen ankommt. Die Erweiterung um die Waldsiedlung Zehlendorf macht deutlich, wie visionär diese Wohnkonzepte vor hundert Jahren waren – und wie aktuell sie noch immer sind.“
ANZEIGEMaria Böhmer, Präsidentin der Deutschen UNESCO-Kommission
Auch die deutsche UNESCO-Botschafterin Kerstin Pürschel begrüßt die Aufnahme: „Mit ihrer einzigartigen Verbindung von Architektur, Waldlandschaft und urbaner Infrastruktur erweitert die Waldsiedlung Zehlendorf das bestehende Welterbe um eine ganz eigene Facette. Diese Anerkennung durch das Welterbekomitee in Busan unterstreicht die internationale Bedeutung der Berliner Moderne und würdigt ausdrücklich den Beitrag der Waldsiedlung Zehlendorf.“
„Siedlungen der Berliner Moderne“ umfasst nun sieben Berliner Wohnquartiere
Mit der Aufnahme der Waldsiedlung Zehlendorf umfasst das UNESCO-Welterbe „Siedlungen der Berliner Moderne“ nun sieben Berliner Wohnquartiere: die Gartenstadt Falkenberg, die Siedlung Schillerpark, die Hufeisensiedlung, die Wohnstadt Carl Legien, die Weiße Stadt, die Großsiedlung Siemensstadt sowie die Waldsiedlung Zehlendorf. Letztere ist zugleich die größte der sieben Welterbe-Siedlungen.
„Berlin hat eine neue Welterbestätte, wir freuen uns sehr! Die Waldsiedlung Zehlendorf des Architekten Bruno Taut steht für einen städtebaulichen Neuanfang. Ihre Einzigartigkeit ist ein Symbol der Modernität, das schon seit rund 100 Jahren zeigt, wie bezahlbares Wohnen mit hoher Lebensqualität gelingen kann. Mit der Entscheidung der Erweiterung der Siedlungen der Moderne würdigt das UNESCO-Welterbekomitee nicht nur die Qualität der Waldsiedlung Zehlendorf, sondern trägt eine historische Idee in die Gegenwart.“
Christian Gaebler, Berliner Stadtentwicklungssenator
Die zwischen 1913 und 1934 entstandenen Quartiere gelten als wegweisende Beispiele des sozialen Wohnungsbaus. Sie entstanden als Antwort auf die Wohnungsnot und die oft schlechten hygienischen Verhältnisse im schnell wachsenden Berlin und verbanden moderne Architektur mit durchdachtem Städtebau sowie großzügigen Grün- und Freiräumen. Damit prägten sie die Entwicklung des Wohnungsbaus weit über Deutschland hinaus.
Über die Aufnahme neuer Welterbestätten entscheidet das UNESCO-Welterbekomitee, das in diesem Jahr vom 19. bis 29. Juli im südkoreanischen Busan tagte. Weltweit umfasst die UNESCO-Welterbeliste inzwischen mehr als 1.250 Kultur- und Naturstätten, darunter nun 55 Stätten in Deutschland.
Quellen: Deutsche UNESCO-Kommission, Berliner Morgenpost, Landesdenkmalamt Berlin, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Visit Berlin
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3 Kommentare
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Sozialer Wohnungsbau war früher wichtig!!!!!!!
Schöner Artikel. Das Titelbild zeigt die Waldsiedlung Krumme Lanke – erbaut in den 30ern unter NS-Herrschaft. Ist sie auch Teil des Welterbes geworden?
Ich weiß jetzt nicht, ob zwischenzeitlich das Titelbild ausgetauscht wurde, aber das aktuelle Titelbild wurde mit Sicherheit nicht in den 30ern des letzten Jahrhunderts unter den Nazis gebaut. Die haben diese Architektur bedingungslos abgelehnt!