Zum Welttoilettentag lenkt die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt in Berlin die Aufmerksamkeit sowohl auf das historische Café Achteck als auch auf aktuelle Entscheidungen der Stadt. Während die traditionsreichen Pissoirs weiterhin als Kulturzeugnis bestehen, stehen die zuletzt erprobten Öko-Toiletten vor dem Aus.
Technische Zeichnung Café Achteck Pissoirs

Die technische Zeichnung des Café Achteck veranschaulicht die historische Konstruktion der achteckigen Pissoirs, die seit dem späten 19. Jahrhundert das Berliner Stadtbild prägten. Einige dieser Anlagen wurden inzwischen umgebaut, sodass sie heute von allen Geschlechtern genutzt werden können, während wieder andere umgenutzt wurden. / © Foto: Wikimedia Commons, Public domain

© Titelbild: Dagmar Schwelle / SenMVKU

 

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Wer zum ersten Mal vom „Café Achteck“ hört, erwartet vielleicht einen gemütlichen Kaffeetempel im historischen Berlin. Tatsächlich jedoch verbirgt sich hinter dem charmanten Namen eines der ungewöhnlichsten Kapitel der Berliner Stadthygiene. Die achteckigen, gusseisernen Pavillons waren nie Orte für Cappuccino und Kuchen – auch wenn einige ihrer verwandten Bauwerke heute tatsächlich als Imbiss oder kleines Restaurant weiterleben.

Was einst als pragmatische Antwort auf Berlins massive hygienische Probleme des 19. Jahrhunderts entstand, ist heute ein seltenes Zeugnis urbaner Ingenieurskunst, das zwischen Denkmal, Toilette und Treffpunkt eine einzigartige Rolle im Stadtbild einnimmt.

Wandel eines städtischen Bauwerks: Vom öffentlichen Pissoir zum Imbiss

Als 1879 die ersten achteckigen Anlagen aufgestellt wurden, griff die Gestaltung Elemente vom Maler und Architekten Karl Friedrich Schinkel auf und verband funktionale Anforderungen mit kunstvollen gusseisernen Strukturen. Die Bevölkerung gab den Toiletten, aufgrund der grünen Farbe eigentlich bekannt als „Waidmannslust“, schnell den Namen „Café Achteck“. Bis 1920 wurden über 140 dieser Pissoirs errichtet.

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Durch Stadtumbau, neue Gewohnheiten und Kriegszeiten schrumpfte ihr Bestand jedoch stark, sodass heute nur noch wenige Exemplare übrig sind. Einige stehen unter Denkmalschutz und werden weiterhin regulär genutzt. Außerdem wurden einige Anlagen umgenutzt, etwa als Museumspavillon oder sogar als Imbiss. Dadurch bleibt das „Café Achteck“ nicht nur ein Relikt der Geschichte, sondern ein lebendiger Bestandteil des Stadtgefüges.

Aufbruch in der Berliner Toilettenpolitik: Modernisierung der öffentlichen Toiletten in der Hauptstadt

Mit dem Toilettenvertrag von 1993 begann Berlin eine Phase moderner, automatisierter Toiletten, die über Werberechte finanziert wurden. Nach dem Auslaufen dieses Vertrages im Jahr 2018 nutzte die Stadt die Chance, Bedarf und Ausstattung neu zu definieren, sodass das Toilettenkonzept von 2017 den weiteren Weg bestimmte.

Durch eine europaweite Ausschreibung erhielt die Wall GmbH den Auftrag für Errichtung und Betrieb der neuen „Berliner Toiletten“. Seit 2019 werden die früheren „City Toiletten“ ersetzt und durch Anlagen ergänzt, die digitale Navigation und bargeldlose Zahlung ermöglichen.

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Entscheidungen zur Zukunft der Toilettenversorgung in Berlin: Viele kostenfreie Toiletten und Öko-Toiletten

Mit derzeit 278 neuen „Berliner Toiletten“ sowie weiteren Anlagen aus Bezirken und privaten Einrichtungen erreicht Berlin insgesamt 485 öffentlich nutzbare Standorte. Gleichzeitig wurde nach Einbruchsserien ein neues Entgeltmodell eingeführt, das an vielen Orten kostenfreie Nutzung ermöglicht.

Im Gegensatz zu dieser Modernisierung endet das Pilotprojekt der klimafreundlichen Parktoiletten wieder. Obwohl die 24 Trockentoiletten laut Senat gute Ergebnisse erzielten und häufig genutzt wurden, stehen sie mangels finanzieller Mittel vor dem Abbau im Frühjahr 2026. Damit treffen historische Tradition und aktuelle Einsparzwänge aufeinander und prägen die Diskussion.

Die moderne Berliner Toilette zeigt die aktuelle Infrastruktur, die seit 2025 insgesamt 278 Anlagen umfasst und von der Wall GmbH betrieben wird. Zusammen mit WC Centern, Café Achtecks und weiteren Bestandsanlagen ergibt sich ein Netz von 321 öffentlichen Toiletten und Pissoirs in der Stadt. / © Foto: Dagmar Schwelle / SenMVKU

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Quellen: Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, Wikipedia, Freilich Magazin

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One Comment

  1. T. D 18. November 2025 at 16:00 - Reply

    Herrlicher Beitrag…
    Nur die Werbung stört enorm…

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