Berliner Senat und Bundesstiftung Bauakademie haben sich auf eine verbindliche Leitlinie für den Wiederaufbau der Schinkelschen Bauakademie verständigt. So soll sich der Neubau eng am historischen Original orientieren, ohne eine vollständige Eins-zu-eins-Rekonstruktion anzustreben. Die Ziegelfassade wird dabei zum zentralen gestalterischen Maßstab. Noch aber fehlt ein Termin für den Architekturwettbewerb.

Mit der Festlegung auf eine historisch orientierte Fassade beginnt für die Bauakademie eine neue Planungsphase. Der Neubau soll sich harmonisch in das Ensemble am Schinkelplatz einfügen und zugleich modernen Anforderungen gerecht werden. / © Foto: IMAGO / imagebroker
© Titelbild: Errichtungsstiftung Bauakademie
Die Debatte um den Wiederaufbau der Schinkelschen Bauakademie hat am gestrigen Dienstagabend ganz offensichtlich einen entscheidenden Konsens gefunden. Mit einem aktuellen Beschluss hat der Berliner Senat die Grundlage dafür geschaffen, dass sich der geplante Neubau künftig deutlich enger am historischen Original orientieren soll.
Stadtentwicklungssenator Christian Gaebler betonte, dass die Bauakademie in ihrer äußeren Erscheinung wieder als das architektonische Schlüsselwerk erkennbar werden müsse, das sie einst war. Die historische Ziegelfassade soll damit verbindlicher Bestandteil des kommenden Realisierungswettbewerbs werden.
Berliner Bauakademie: „Historische Fassadenrekonstruktion als maßgebliches Leitbild verankert“
In einer offiziellen Mitteilung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen heißt es wörtlich: „In Verhandlungen zwischen dem Land Berlin, der Bundesstiftung Bauakademie und Vertretern des Bundes wurde eine gemeinsame Zielformulierung für den Auslobungstext des Realisierungswettbewerbs erarbeitet. Die historische Fassadenrekonstruktion wird darin als maßgebliches Leitbild verankert.“
Ziel sei es, die Bauakademie als identitätsstiftenden Ort im historischen Zentrum Berlins zurückzugewinnen. Die äußere Gestalt solle sich in Proportion, Materialität und architektonischem Ausdruck am ursprünglichen Bau orientieren. Gleichzeitig machte Gaebler deutlich, dass es nicht um eine museale Rekonstruktion gehe, sondern um ein zeitgemäß nutzbares Gebäude, das heutigen funktionalen und rechtlichen Anforderungen gerecht wird.
Schinkels Bauakademie: Historische Ziegelfassade als gestalterischer Maßstab für den Neubau
Konkret sieht die nun beschlossene Linie vor, dass die charakteristische Backsteinfassade der Bauakademie – eines ihrer prägendsten Merkmale – in Anlehnung an das historische Vorbild umgesetzt werden soll. Damit wird die Fassade zum zentralen gestalterischen Leitmotiv des Neubaus. Die äußere Erscheinung soll sich am historischen Bau orientieren, ohne zwingend jedes Detail originalgetreu zu kopieren, wie es heißt.
Diese Entscheidung ist wohl auch eine Reaktion auf die teils kontrovers geführte Debatte der vergangenen Jahre. Während frühere Planungen größere gestalterische Freiheiten vorsahen, setzt der Senat nun bewusst auf eine stärkere historische Anbindung, nach eigener Aussage in Abstimmung mit der Bundesstiftung Bauakademie. Der Neubau soll sich damit klar in das Ensemble rund um den Schinkelplatz einfügen und zugleich die architekturgeschichtliche Bedeutung des Ortes sichtbar machen.
Schinkelplatz in Berlin-Mitte: Zeitgemäße Nutzung hinter historischer Hülle ausdrücklich vorgesehen
Trotz der klaren Vorgaben für die äußere Gestaltung bleibt der Innenraum bewusst offen für zeitgemäße Lösungen. Der Neubau der Bauakademie soll moderne Anforderungen erfüllen, darunter Barrierefreiheit, flexible Raumstrukturen und zeitgemäße technische Standards. Die historische Fassade soll also nach Vorstellung des Berliner Senats den Rahmen für ein Gebäude bilden, das im Inneren funktional, wandelbar und zukunftsfähig konzipiert werden soll.
Die Bauakademie ist dabei als Ort des Diskurses gedacht: Themen wie Architektur, Stadtentwicklung, Baukultur und nachhaltiges Bauen sollen hier künftig gebündelt werden. Die Kombination aus historischer Hülle und moderner Nutzung wird von politischer Seite als bewusster Spagat verstanden, zwischen Erinnerung an das architektonische Erbe und den Anforderungen einer wachsenden Metropole.
Die Bauakademie als Schlüsselwerk der Berliner Architekturgeschichte
Die ursprüngliche Bauakademie wurde zwischen 1832 und 1836 nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel errichtet und gilt als Meilenstein der Architekturgeschichte. Mit ihrer klar gegliederten Ziegelfassade und der funktionalen Grundrissorganisation nahm sie gestalterische Prinzipien vorweg, die später für die Moderne prägend werden sollten. Der Bau war nicht nur Ausbildungsstätte, sondern auch Ausdruck eines neuen Verständnisses von Architektur und Städtebau.
Im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt, wurde das Gebäude in den Nachkriegsjahren zunächst teilweise instand gesetzt, Anfang der 1960er-Jahre jedoch vollständig abgerissen. An seiner Stelle entstand später das DDR-Außenministerium, das wiederum nach der Wiedervereinigung zurückgebaut wurde. Seitdem ist der Standort Gegenstand intensiver stadtentwicklungspolitischer Diskussionen.
Chronologie des Wiederaufbaus: Vom Bundestagsbeschluss zur neuen Planungsphase
Ein entscheidender Schritt erfolgte 2016 mit dem Beschluss des Deutschen Bundestages, die Bauakademie neu zu errichten. In der Folge wurde die Bundesstiftung Bauakademie gegründet, die das Projekt inhaltlich und organisatorisch begleiten soll. Seitdem wechselten die planerischen Leitlinien aber mehrfach, zwischen moderner Interpretation und historischer Rekonstruktion.
Mit der aktuellen Festlegung auf eine historisch orientierte Fassade ist nun mutmaßlich eine neue Phase erreicht, Gaebler betonte aber gleichzeitig, dass der Berliner Senat keine „Eins-zu-Eins-Rekonstruktion“ favorisiere.
Bauakademie: Noch immer fehlt ein konkreter Termin für den Architekturwettbewerb
An der gemeinsamen Formulierung der Wettbewerbsziele waren Vertreterinnen und Vertreter der Senatskanzlei, der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauen, des Bundesamts für Bauwesen und Raumordnung sowie der Bundesstiftung Bauakademie beteiligt.
Einen konkreten Termin für die Auslobung des Architektenwettbewerbs nannte der Bausenator jedoch nicht. Auf Bundesebene sei zunächst die Finanzierung zu klären, da die bislang veranschlagten 62 Millionen Euro voraussichtlich nicht ausreichen werden. Ein verbindlicher Zeitplan liegt derzeit also noch nicht vor. Es geht in kleinen Schritten voran.

Ein Bild der historischen Bauakademie, aufgenommen um die Jahrhundertwende. / © Foto: Wikimedia Commons, Königlich Preußische Messbildanstalt / Quelle: Richard Schneider (Hsg): „Berlin um 1900“, Nicolaische Verlagsbuchhandlung, Berlin 2004, S. 111. ISBN: 3-89479-164-0.
Quellen: Errichtungsstiftung Bauakademie, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Berliner Morgenpost, Der Tagesspiegel, Bundesstiftung Bauakademie
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10 Kommentare
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Wieso braucht man zum offensichtlichen Jahre Diskussion?
Jahrelanges Gelaber kostet viele Millionen:
Die Baukosten für die originalgetreue Wiederherstellung der Bauakademie Berlin sind hoch und Gegenstand politischer Diskussionen, wobei frühere Schätzungen von rund 20 bis über 45 Millionen Euro sprachen, während der Bund 2016 62 Millionen Euro zusagte, um die Rekonstruktion von Karl Friedrich Schinkels Bau umzusetzen. Aktuell (Stand 2024/2025) wird die Finanzierung durch eine Errichtungsstiftung, Spenden und öffentliche Mittel gesichert, wobei der Fokus auf einer originalgetreuen Rekonstruktion liegt, auch wenn es Bestrebungen für eine zeitgenössische Interpretation gab.
Kosten-Entwicklung & Finanzierung:
Frühe Schätzungen: Um 2008 gab es Überlegungen, die Baukosten durch eine Stiftung (ca. 45 Mio. € Gründungskapital) zu decken, ergänzt durch private Spenden.
Bundesmittel: 2016 sicherte der Bund 62 Millionen Euro für den Wiederaufbau zu.
Aktuelle Finanzierung: Der Wiederaufbau wird durch die Bundesstiftung Bauakademie, Stiftungen und eine Mischung aus öffentlichen Geldern finanziert, mit dem Ziel, die historischen Werte zu wahren.
Die Baukosten steigen generell, aber die politischen Baukosten umso mehr.
Die Baupreise in Deutschland sind seit 2008 erheblich gestiegen, wobei sich die Kosten für Wohngebäude von 2010 bis 2022 laut Statistischem Bundesamt um 64 % erhöhten, während die Inflation nur 25 % betrug. Getrieben wurde dieser Anstieg durch Faktoren wie Bevölkerungswachstum, gestiegene Nachfrage, Inflation, Material- und Energiekosten sowie Fachkräftemangel, was die Baukosten auf ein Niveau hob, das seit 2008 nicht mehr erreicht wurde
Ki hat geholfen.
Immerhin! Man freut sich ja schon über kleinste Erfolge in dieser schon wieder verkorksten Geschichte. Warum steht man sich in Deutschland nur immer wieder selbst so sehr im Weg? Vor 10 Jahren gab es einen eindeutigen Beschluss! Was ist passiert in der Zeit? Alles ein Gezerre und Geschleppe. Die maßgeblichen Verwaltungs-Juristen verzögern jedes noch so fortune Projekt und verdienen genau damit ihr Brot. Es ist zwar gut, dass nun wieder die Klinkerfassade festgelegt wurde (hatten wir alles schon) aber es leuchtet überhaupt nicht ein, warum von dem Beschluss der originalen Rekonstruktion abgewichen wird. Ebensowenig, dass es weiterhin keinen zackigen Zeitplan gibt! Wer kann die dauernden bürokratischen Bremser ausbremsen..(!?)
Meine Güte wie langsam. Das ist keine Werbung für alle, die in der Baubranche tätig sind und gleich gar nicht für Architekt-innen. Dagegen war der Flughafen ja eine dynamische, auf Finalisierung gerichtete und im Zeitplan befindliche Veranstaltung. Ja, der viel gescholtene BER wird da zum Positivbeispiel! Hätte wahrscheinlich kaum einer mal gedacht. Vielleicht gibt das ja mal zu denken.
Das Gebäude wird an dieser Stelle gar nicht mehr benötigt, dort ist eine der wenigen Grünanlagen in Berlin Mitte das ist schon Erhaltenswert . Die wiederaufgebaute Ecke bleibt als Denkmal stehen und der Grundriss der früheren Bauakademie wird mit Goldulmen und Säuleneichen Sichtbar gemacht. Zudem entsteht dort ein kleines Dokumentationszentrum Friedrichstadt das an die Geschichte des Stadtteils und den Wiederaufbau erinnert.
Das hört sich nachvollziehbar an, und ich finde das dieses Gebäude auch an einem anderen Ort entstehen kann, es muß nicht dort wiederaufgebaut werden.
Naja, es wird rund um das Humboldtforum mehr Grün geben, gern auch, wenn am Ende der Breite Str wieder ein Springbrunnen steht, vielleicht ja sogar der Neptunbrunnen, weil ein zeitgenössisch gestalteter Brunnen am Fernsehturm besser passen könnte. Und auch vor dem und rund um das ehemalige Staatsratsgebäude geht mehr Grün. Die Bauakademie kann also gebaut werden, wenn die rot-rot-grüne Versiegelungen reduziert werden.
OK I’m American and as such I really have no say i n what goes on in Berlin; however, Schinkel was an important architect to your country and in my opinion the outside of the building should be just exactly as he designed it. Let the modernists have the inside. To modify the outside now diminshes the art Schinkel created. The building is mostly brick. It’s not like rebuilding the Duomo in Florence.
TipBerlin hat ein ein Spezial zu Schinkel u.a. mit diesem Bauwerk, und dieser Info: „Im 19. Jahrhundert war die Bauakademie eine wichtige Institution, um Architekten auszubilden.“
Ich bin kein Fan von Ziegeln aber hier scheint es echt gut zu passen. Ich finde aber das dieses Gebäude ruhig die doppelte höhe haben kann, im Sinne der Moderne, und für Mietwohnungen entwickelt wird, zumindest Mischnutzung.
Tip-Berlin.de https://www.tip-berlin.de/stadtleben/architektur/karl-friedrich-schinkel-berlin-gebaeude/