Die Berliner Altstadt hat viele ihrer historischen Gebäude verloren. Die Allianz baukulturell engagierter Berliner Bürgervereine will alte Strukturen und urbane Vielfalt zurückbringen. Ein Masterplan soll die Grundlage für die Wiederbelebung der Altstadt schaffen.
© Visualisierung Titelbild: Stiftung Mitte Berlin
In Berlins Mitte erinnert heute nur noch wenig an die historische Altstadt, die sich dort einst befand. Weite Teile wurden im 20. Jahrhundert zerstört und daraufhin stark verändert. Besonders rund um die Spreeinsel, zwischen Molkenmarkt und Spittelmarkt, sind städtebauliche Kontinuität und urbane Aufenthaltsqualität dabei weitgehend verloren gegangen.
Die Allianz baukulturell engagierter Berliner Bürgervereine will das ändern. Im Rahmen der Konzeptkonferenz „Neustart Berlin“, die Ideen für zukunftsweisende Stadtentwicklung gebündelt hat, hat der Verein sein Projekt „Neues Leben in der historischen Innenstadt“ eingereicht. Das Konzept war eine von 70 Ideen für die Hauptstadt, die eingereicht worden sind.
Wiederbelebung der historischen Mitte nach Vorbild der Berliner Altstadt
Laut der Allianz baukulturell engagierter Berliner Bürgervereine würden heute breite Verkehrsachsen wie Gertraudenstraße und Mühlendamm den Stadtraum in Mitte zerschneiden. Historische Platzanlagen und Ensembles, darunter der Neue Markt, das Jüdenhof-Ensemble oder die Bauakademie, wurden zerstört und nicht wiederaufgebaut. Viele Bereiche wirken laut dem Verein isoliert, die Fischerinsel sei nach wie vor ein abgetrennter Wohnstandort ohne urbane Vielfalt.
Seit 2021 arbeiten Laien und Fachleute des Vereins gemeinsam an der städtebaulichen Wiederbelebung der historischen Mitte. Ihr Ziel ist ein lebendiges, gemischtes Quartier nach dem Vorbild der früheren Berliner Altstadt, das Wohnen, Handel, Kultur und Handwerk verbindet.
Leitfassaden, kleinteilige Parzellen und schmalere Straßen sollen Altstadt-Charakter wiederbringen
Kern des Konzepts ist ein dreistufiger Entwicklungsprozess: Zunächst soll ein städtebaulicher Masterplan erstellt werden, der historische Straßenführungen wieder aufnimmt, Bestandsbauten integriert und die Grundlage für eine gemischte Nutzung schafft. Parallel sollen überdimensionierte Verkehrsflächen zurückgebaut werden: Straßen und Brücken sollen verschmälert werden, Fuß- und Radverkehr priorisiert, der Durchgangsverkehr reduziert.
Im dritten Schritt sieht der Verein die Neubebauung vor: Blockrandstrukturen mit vier bis sechs Geschossen in Berliner Bautradition. Es soll kleinteilige Parzellen mit einer Mischung aus privaten, genossenschaftlichen und städtischen Bauträgern geben. Leitfassaden, rekonstruktive Elemente und Architekturwettbewerbe mit Bürgerbeteiligung sollen die Qualität und regionale Identität des Quartiers sichern.
Der Verein möchte außerdem öffentliche Plätze, Grünflächen und Brunnenanlagen neu gestalten, um Aufenthaltsqualität und ökologische Funktionen zu verbessern. Dauerhaft mietpreisgedämpfte Wohnungen, gemischte Nutzungen und soziale Durchmischung sollen die Innenstadt laut dem Konzept langfristig attraktiv und lebendig machen.
Berlin-Mitte: Verein will historische Gestaltung und moderne Anforderungen zusammenbringen
Das Projekt ist auf einen Zeitraum von rund 25 Jahren angelegt. Es soll zeigen, dass historische Stadträume nicht nur rekonstruiert, sondern gleichzeitig sozial, ökologisch und wirtschaftlich nachhaltig gestaltet werden können. Das Konzept der Allianz baukulturell engagierter Berliner Bürgervereine sieht außerdem einen moderierenden Beirat aus Politik, Bauträgern, Anwohnerinnen und Anwohnern sowie Bürgervereinen vor, die den Prozess begleiten.
Mit seinem Ansatz möchte der Verein die historische Mitte Berlins zurückbringen und die Innenstadt beleben. Für den Molkenmarkt, für den es bereits erste Architekturwettbewerbe gegeben hat, ist das Vorhaben nicht mehr realistisch. Ob das Konzept möglicherweise für eine Reaktivierung der Fischerinsel infrage kommen könnte, wird sich zeigen müssen.
Quellen: Allianz baukulturell engagierter Bürgervereine, Neustart Berlin
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Ich vermisse von der Gesellschaft Historisches Berlin ein klares Statement zur Planung der Verkehrssenatorin, die Mühlendammbrücke erneut auf fast 40 Meter (deutlich breiter als eine Standard-Autobahn!) zu verbreitern.
Das Vorhaben führt dazu, dass bis zum Januar die Weichen in Richtung eines weiterhin nur für Autofahrer attraktiven Molkenmarktes gestellt werden. Damit kann man die Pläne um eine „wiedergewonnene Altstadt“ von vornherein vergessen, fürchte ich.
(Quelle: https://www.entwicklungsstadt.de/einsturzgefahr-der-muehlendammbruecke-berlin-treibt-neubau-ab-2026-voran/, insbsondere: „Die Vorgängerregierung reduzierte die Breite zwischenzeitlich, doch die CDU erhöhte sie wieder auf 38,3 Meter. Für eine Straßenbahn wird die Brücke nicht vorbereitet“)
Der Verkehrssenat zeichnet sich im Moment meiner Meinung nach mit besonders absurden Vorschlägen aus…
Es fehlt ja auch ein Verkehrskonzept. Eine Straßeneisenbahn , ein Relikt aus alten Zeiten parallel zu einer U-Bahnstrecke zu verlegen ist ja auch mega absurd. Für Radfahrer ist die Innenstadt weiterhin extrem unattraktiv . CDU-sprich mir nach : Wir wollen nicht!“
Mir gefällt, das Berlin ein „eigenes Gesicht“ wieder erhalten soll. Viele Großstädte sehen gleich aus – nur vom Anblick weiß man nicht wo man ist.
Auch ist der Grundgedanke der Mischung von Baukörper als auch Projektträgern wohl durchdacht um Vielfältigkeit wieder herzustellen.
Eine Umverteilung des Straßenraums hin zu Fußgängern und Grünflächen ist für jede Stadt angebracht.
Wichtig wäre hierbei allerdings klar in den Vordergrund zu stellen, dass die „Stadt für die Menschen“ gemacht ist, insbesondere für die dort wohnenden (24h): Denkmalschutz darf nicht über die Gesundheit der Menschen gesetzt werden, Durchfahrten müssen unterbunden werden (es gibt die Autobahnringe), ÖPNV muss gut angebunden sein,…