Der Senat hat ein neues Regelwerk zur Gestaltung des Straßenraums der Berliner Mitte entwickelt. Es setzt auf eine nachhaltige Stadtgestaltung mit Klimaanpassungen und neuen Vorgaben zur Mobilitätswende. Gleichzeitig soll die historische Struktur der Innenstadt erhalten bleiben.

Karte mit Markierung des neuen Bereichs der Straßenraumgestaltungs-Vorgaben

Die historischen Stadtteile Friedrichstadt, Dorotheenstadt und Friedrichswerder haben neue Gestaltungsvorgaben für den Straßenraum bekommen. / © Karte: GeoBasis-DE / LGB, dl-de / by-2-0

© Visualisierung Titelbild: GRUPPE PLANWERK, GP Planwerk GmbH, Berlin

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Kaum ein anderer Stadtteil Berlins ist so stark von seiner Historie geprägt wie die Innenstadt. Mittlerweile stehen allerdings auch die großen Stadterweiterungen des 17. und 18. Jahrhunderts Friedrichswerder, Dorotheenstadt und Friedrichstadt zunehmend unter dem Druck moderner Anforderungen. Klimawandel, Mobilitätswende und steigende Ansprüche an Aufenthaltsqualität und Nutzungsvielfalt wirken sich auf die repräsentativen Stadträume aus.

Nun veröffentlichte die Senatsverwaltung für Stadt­ent­wicklung, Bauen und Wohnen ein neues Regelwerk zur Straßenraumgestaltung, um die Stadtmitte einheitlich und unter Einbezug ihrer historischen Merkmale fit für die Zukunft zu machen.

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Historische Stadtmitte: Gestaltungsregeln seit den 1990er Jahren

Bereits Mitte der 1990er Jahre gab es das erste Regelwerk zur Gestaltung des Straßenraums in Berlins Stadtmitte. Eine Phase, in der der Nachwendeboom massive Investitionen und Bauprojekte in der Innenstadt auslöste. Die Sorge vor einem gestalterischen Durcheinander im öffentlichen Raum war groß. Die damals formulierten Regeln zur einheitlichen Straßenraumgestaltung schufen einen verlässlichen Rahmen und prägen bis heute den Charakter vieler Straßen in der Berliner Mitte. 2016 wurde das Regelwerk erstmals angepasst, nun folgt eine grundlegende Fortschreibung.

„Die Berliner Mitte zeichnet sich durch ihre einzigartige Mischung aus historischen Bauwerken, vielfältigen Freiräumen, bedeutenden Institutionen und lebendigen Stadtquartieren aus. Mit der Fortschreibung des Regel­werks formulieren wir eine zukunftsorientierte Antwort auf die sich verändernden Nutzungsansprüche in den Bereichen Mobilität, Klimaschutz, Klimaanpassung und Stadtgrün“, sagt Christian Gaebler, Senator für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen.

Berlin-Mitte: Gestaltungsvorgaben beziehen Klimaanpassung und nachhaltige Mobilität ein

Neu ist nicht nur der inhaltliche Fokus, sondern auch eine räumliche Ausdehnung. Der Bereich der Gestaltungsvorgaben wurde deutlich erweitert und umfasst nun die gesamte Friedrichstadt und die nördliche angrenzende Dorotheenstadt. Begrenzt wird das Gebiet von der Spree, dem Halleschen Ufer, der Ebert- und Stresemannstraße und dem Spreekanal. Der Boulevard Unter den Linden, die östliche Leipziger Straße, die Lindenstraße und die Wilhelmstraße werden als Sonderstraßen ausgewiesen und sind nicht Gegenstand des Regelwerks. Für sie sollen allerdings auch die Grundsätze der Gestaltung gelten.

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Inhaltlich rücken zukunftsgerichtete Faktoren in den Mittelpunkt, darunter Klimaanpassung und nachhaltige Mobilität. Angesichts zunehmender Hitzeperioden und Starkregenereignisse versteht das Regelwerk den Straßenraum nicht länger als reine Verkehrsfläche, sondern als klimawirksamen Stadtraum. Mehr Stadtbäume, größere Baumscheiben, versickerungsfähige Beläge, Mulden und Retentionsflächen sollen zur Abkühlung beitragen und Regenwasser vor Ort halten. Regenwasser wird nicht mehr primär abgeleitet, sondern als Ressource begriffen, die Begrünung und Mikroklima stärkt.

Neuer Multifunktionsstreifen in Friedrichsstadt, Dorotheenstadt und Friedrichswerder

Ein weiteres Zeichen der neuen, zukunftsgerichteten Denkweise ist der erstmals eingeführte Multifunktionsstreifen. Dort, wo früher vor allem parkende Autos den Straßenraum dominierten, sollen in den kommenden Jahren flexible Zonen entstehen: für Fahrradstellplätze, Aufenthaltsbereiche, Begrünung oder Versickerung.

Mit den Multifunktionsstreifen soll der Straßenraum wandelbarer werden und auf veränderte Mobilitätsbedürfnisse reagieren können. Die Mobilitätswende wird so nicht nur verkehrlich, sondern auch gestalterisch verankert.

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Straßenraumgestaltung: Historische Merkmale werden weiterhin berücksichtigt

Gleichzeitig bilden Linearität, Symmetrie, Nutzungsoffenheit sowie historische und ortstypische Materialien weiterhin die gestalterische Grundlage. Ziel ist es, in einem konsistenten, zurückhaltenden Rahmen zu bleiben, der zum einen die Historie der Stadträume mitdenkt und zum anderen vielfältige, innenstadttypische Nutzungen ermöglicht.

Als Teil des Masterplans Berliner Mitte wurde das Regelwerk 2025 in einem breit abgestimmten Prozess überarbeitet. Es formuliert Grundsätze, die als Leitlinien für Planung, Umsetzung und Abstimmung dienen sollen und schafft damit die Voraussetzung, dass die Berliner Mitte auch künftig zwischen Geschichte und Zukunft bestehen kann.

Quellen: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen

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7 Kommentare

  1. Ewald Karl 16. Dezember 2025 at 15:28 - Reply

    Richtig cooler Vorschlag aus den Hause Kahlfeldt! Er sorgt für anspechende Straßengestaltung und für mehr Grün in den Straßen, und wenn die üblichen Verdächtigen aus Springerpresse und CDU nicht aufpassen, verschwinden dafür auch Parkplätze. Wäe toll, wenn daraus was wird.

  2. Löwe 17. Dezember 2025 at 01:25 - Reply

    Das Model im Titelbild gefällt mir gut mit den Grass Inseln anstelle von 100% Parkplatz Nutzung. Nur wenn ich mir die meisten Grünflächen im Straßenbild so ansehe gibt es da noch einiges an Optimierungsbedarf.

  3. Anwohnerin Leipziger 17. Dezember 2025 at 12:30 - Reply

    Super Ansatz!
    Mal richtig in die Zukunft und auch alle Intressengruppen umgreifend gedacht.
    Berlin auf dem Weg zu einer echten modernen Metropole – werden hätte es gedacht.

  4. Chris Da 17. Dezember 2025 at 12:36 - Reply

    Ich fände den Leipziger Park im Sinne der Multifunktionsflächen sinnvoll – mehr grün, Versickerungsfläche, Aufenthaltsbereich und vieles mehr.
    Auch die Tram über die Leipziger bis zur Nationalgalerie wäre toll. Eine notwendige Ergänzung zu den vorhandenen überfüllten U-Bahnen und insbesondere für Touristen attraktiv. Die Tramspur könnte befahrbar ausgestaltetet sein und als „ÖPNV-Spur – Einsatzfahrzeuge frei“ auch von Bussen und Einsatzkräften genutzt werden. So ist auch der Ersatzverkehr und die schnelle Erreichbarkeit für Einsatzfahrzeuge gesichert.

    • Anwohnerin Leipziger 23. Dezember 2025 at 09:38 - Reply

      Die Idee der ÖPNV Spur, dieauch nutzbar für Einsatzfahrzeuge ist, finde ich super! Wohne an der Leipziger und sehe wieviel Einsatzfahrzeuge hier lang fahren.

    • Martina 23. Dezember 2025 at 09:42 - Reply

      Ein Leipziger Straße Park wäre eine sinnvolle Nutzung der Fläche. Für Straße macht die Breite keinen Sinn, da sowohl davor als auch danach sich die Straße wieder verengt.
      Da machen Bäume und Spielplätzen deutlich mehr Sinn. Insbesondere wenn man die vielen in den Hochhäusern direkt an der Leipziger Straße lebenden Menschen (auch viele Familien mit Kindern, die Mieten dort sind nicht so hoch wegen Altmieten) denkt.

  5. Robur 17. Dezember 2025 at 13:31 - Reply

    Mal ein schöner Ansatz. Es scheint so als sein die CDU nah ein paar Jahren an der Regierung auch mal drauf gekommen, dass das Auto nicht die Zukunft sondern die Vergangenheit ist. Es wäre aber dennoch zu wünschen, dass die Historie mehr nah vorne gestellt wird. Warum auch immer wird das hier als Widerspruch dargestellt, obwohl historische Stadträume viel Klimafreundlicher waren (siehe Gendarmenmarkt). Wenn auch mal die elenden 90er Jahre Straßenlaternen durch historische Gestaltungen ausgetauscht werden, könnte sich ein schönes Bild ergeben.

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