Die Golgathakirche in Berlin-Mitte wird denkmalgerecht umgebaut. Auch an der Tieckstraße verändert ein großer Neubau das historische Umfeld.

Die Golgathakirche prägt mit ihrem hohen Backsteinturm die Borsigstraße. Im Inneren läuft derzeit der denkmalgerechte Umbau. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT
Die Golgathakirche in Berlin-Mitte steht derzeit hinter Bauzäunen. Das Gotteshaus ist wegen der Arbeiten geschlossen. Die Evangelische Kirchengemeinde am Weinberg will das Gebäude jedoch nicht nur instand setzen. Ziel ist ein Kirchenraum, der sich künftig leichter für verschiedene Formate nutzen lässt. Dazu gehören neben Gottesdiensten auch Bildungsangebote, Konzerte und Veranstaltungen für Jugendliche, junge Erwachsene und Familien.
- Bezirk: Berlin-Mitte
- Adresse: Golgathakirche, Borsigstraße 6, 10115 Berlin
- Projektstatus: Umbau läuft
- Baubeginn: 2025
- Fertigstellung: Ostern 2027
Das Konzept greift dabei gezielt in die Ausstattung ein. Mobile Bänke und Bühnen sollen feste Strukturen teilweise ersetzen und unterschiedliche Raumaufteilungen ermöglichen. Gleichzeitig bleiben prägende historische Elemente erhalten. Das zentrale Oberlicht und einzelne Kirchenfenster werden instandgesetzt. Außerdem sollen historische Leuchter aus der Bauzeit um 1900 restauriert und wieder eingesetzt werden. Hinzu kommt ein neues Lichtkonzept.

Die denkmalgeschützte Golgathakirche in Berlin-Mitte wird umfassend modernisiert und für eine flexiblere Nutzung umgebaut. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Golgathakirche in Mitte: Umbau eines Baudenkmals von 1900
Die heutige Golgathakirche entstand zwischen 1898 und 1900 nach Plänen von Max Spitta. Sie ersetzte eine kleinere Kapelle, die der stark gewachsenen Gemeinde nicht mehr genügend Platz bot. Am 29. August 1900 wurde der Neubau eingeweiht. Spitta orientierte sich bei der Gestaltung an der norddeutschen Backsteingotik. Besonders prägend ist der seitlich angeordnete, 61 Meter hohe Turm. Die Kirche steht heute unter Denkmalschutz.
Auch der Innenraum besitzt besondere bauliche Merkmale. Über der Vierung liegt ein rundes Oberlicht mit einem Durchmesser von fünf Metern. Es bringt zusätzliches Tageslicht in den Kirchenraum, weil die nördliche Längswand unmittelbar an das Nachbargrundstück grenzt und dort keine Fenster angeordnet werden konnten. Der heutige Veranstaltungsbereich umfasst rund 450 Quadratmeter und bietet Platz für 350 Personen sowie weitere 50 Personen auf den Emporen.
Kriegsschäden und Umbauten prägen die Golgathakirche bis heute
Das heutige Erscheinungsbild ist allerdings nicht vollständig jenes von 1900. Bei einem Bombenangriff im November 1943 erlitt die Kirche schwere Schäden. Unter anderem wurden der straßenseitige Giebel und Teile des Gewölbes zerstört. Die Fenster gingen verloren. Orgel, Taufstein, Kanzel, Altar und große Teile des Gestühls blieben dagegen erhalten. Bereits 1949 konnte die Gemeinde die Kirche wieder nutzen, eine vollständige Rekonstruktion erfolgte jedoch nicht.
In den Jahren 1965 und 1966 wurde der Innenraum erneut grundlegend verändert. Später folgten Arbeiten an den Dächern und am Turm. Der aktuelle Umbau setzt diese lange Baugeschichte fort, verfolgt jedoch ein anderes Ziel: Das Baudenkmal soll technisch und funktional an heutige Anforderungen angepasst werden. Maßnahmen zur Barrierefreiheit befinden sich nach Angaben des Kultur Büros Elisabeth ebenfalls in der Planung. Die Bauarbeiten sollen nach aktuellem Stand bis Ostern 2027 dauern.

Der Neubau an der Tieckstraße 18 schließt eine bislang offene Stelle im dicht bebauten Quartier nahe der Golgathakirche. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Tieckstraße 18: Nahe dem historischen Ensemble entsteht ein Neubau
Nur wenige Schritte entfernt, direkt neben dem historischen Pfarr- und Gemeindehaus der Golgatha-Gemeinde, läuft ein zweites großes Bauvorhaben. An der Tieckstraße 18 entsteht ein Neubau mit Wohn- und Gewerbeflächen. Projektentwickler MREI gibt eine Gesamtfläche von rund 10.000 Quadratmetern und einen Projektzeitraum von 2021 bis 2026 an.
Technisch ist das Projekt ungewöhnlich, denn Teile der Bebauung liegen unmittelbar über dem Nord-Süd-Tunnel der Berliner S-Bahn. Nach Angaben des beteiligten Ingenieurbüros verbundhochdrei betrifft dies sowohl das Vorderhaus als auch ein Hofgebäude. Die Gebäude müssen den Tunnel freitragend überbrücken. Dafür kommen unter anderem mehrgeschossige A-Rahmen und Fachwerkträger zum Einsatz. Der Neubau schließt damit nicht nur eine lange offene Stelle im Straßenraum, sondern entsteht zugleich unter schwierigen statischen Bedingungen.

An der Tieckstraße 18 in Berlin-Mitte entsteht ein Neubau mit rund 10.000 Quadratmetern Wohn- und Gewerbefläche. Der Baukörper ist inzwischen weitgehend geschlossen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Damit treffen rund um die Golgathakirche derzeit zwei Formen der Stadtentwicklung direkt aufeinander: In der Borsigstraße wird ein mehr als 120 Jahre altes Baudenkmal für neue Nutzungen vorbereitet, während an der Tieckstraße neuer Wohn- und Gewerberaum entsteht.
Golgathakirche: Denkmalgerechter Umbau
Tieckstraße 18: Neubau für Wohnen und Gewerbe
Quellen: Evangelische Kirchengemeinde am Weinberg, Kultur Büro Elisabeth, Bezirksamt Mitte von Berlin, MREI – Maruhn Real Estate Investment, verbundhochdrei GmbH
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