Im Frankfurter Neubauquartier „Hilgenfeld“ droht ein gemeinschaftliches Wohnprojekt an den hohen Mietpreisen zu scheitern. Die Umsetzung solidarischer Wohnformen und kultureller Angebote hängt entscheidend davon ab, wie sich die Mietpreise letztlich entwickeln.

Ein Lageplan des aktuell entstehenden Hilgenfeld Quartiers. (Quelle: ABG Holding Frankfurt)

Das „Hilgenfeld Quartier“ soll bis 2027 im Norden Frankfurts entstehen, ein Stadtviertel, das Raum für bis zu 2.500 Bewohnerinnen und Bewohner bieten soll. / © Visualisierung: ABG Frankfurt Holding

© Visualisierungen: ABG Frankfurt Holding

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Im Frankfurter Neubauquartier „Hilgenfeld“ am nördlichen Stadtrand droht ein gemeinschaftliches Wohnprojekt des Vereins GoN Artgenossen an der Höhe der angekündigten Mieten zu scheitern.

Der Verein plant in einem der neuen Häuser des „Hilgenfeld Quartiers“ rund 100 Menschen ein solidarisch genutztes Zuhause zu bieten und hat im Rahmen eines erfolgreichen Konzeptverfahrens das Recht erhalten, das Haus auf dem Baufeld B5 nicht nur gemeinsam zu bewohnen und zu verwalten, sondern auch durch kulturelle und soziale Angebote aktiv in das Quartier hineinzuwirken, sodass das Projekt über die reine Wohnfunktion hinaus das Leben im neuen Viertel bereichern könnte.

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Die städtische Wohnungsbaugesellschaft ABG Frankfurt Holding übernimmt die Bauherrschaft des Hauses mit rund 55 Wohnungen und soll es anschließend an den Verein vermieten, doch nach Angaben von GoN Artgenossen liegen die aktuellen Mietprognosen für die frei finanzierten Wohnungen „nennenswert über 20 Euro pro Quadratmeter“, wodurch die geplante gemeinschaftliche Nutzung und die Umsetzung der sozialen und kulturellen Angebote des Projekts stark gefährdet werden.

„Hilgenfeld“ als eigenständiges Quartier das Wohnraum, Infrastruktur und gemeinschaftliche Projekte verbindet

Das geplante „Hilgenfeld Quartier“ erstreckt sich über eine Fläche von 17,7 Hektar und umfasst insgesamt 54 Mehrfamilienhäuser mit rund 860 Wohnungen. Das neue Viertel ist als eigenständiges Stadtquartier konzipiert, das nicht nur Wohnraum bieten, sondern ein lebendiges Umfeld für seine künftigen Bewohnerinnen und Bewohner schaffen soll.

Dazu gehören zwei Kindertagesstätten, Spielplätze und großzügig angelegte, begrünte Aufenthaltsflächen, die Orte für Begegnungen und Freizeitaktivitäten bieten. Ergänzt wird die Infrastruktur durch Flächen für Gastronomie, kleine Geschäfte und Dienstleistungen und eben auch durch Mietgemeinschaften, die auf zwei Baufeldern entstehen.

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Für diese gemeinschaftlichen Wohnprojekte kooperieren die jeweiligen Gruppen eng mit der ABG Frankfurt Holding, wobei in Vereinbarungen festgelegt wird, wie sich die Mitgliederinnen und Mitglieder bereits während der Planungsphase und später im Wohnalltag aktiv einbringen und die Gestaltung ihrer Häuser mitbestimmen können.

Gefährdete Mietgemeinschaften: Angekündigte Mietpreise setzen Projekt unter Druck

Die Mitglieder von GoN Artgenossen betonen jetzt, dass das angekündigte Mietniveau die Realisierung ihrer sozialen und kulturellen Ziele erheblich erschwert, da es kaum möglich sei, ausreichend Mitbewohnerinnen und Mitbewohner zu gewinnen, die ihre Zeit in gemeinschaftliche Beziehungen investieren, wenn sie gleichzeitig gezwungen sind, hohe Mieten zu erwirtschaften.

Ein Wohnprojekt dieser Art könne nur dann erfolgreich sein könne, wenn die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ein Umfeld schaffen, in dem Engagement und solidarisches Miteinander nicht durch finanzielle Zwänge behindert werden.

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Missverständnis um Zielmiete: Doch wie hoch die Mieten letztlich ausfallen, bleibt offen

ABG-Geschäftsführer Frank Junker sieht die Situation anders und bezeichnet die Einschätzung des Vereins als Missverständnis. Er verweist darauf, dass lediglich auf das Marktniveau für Neubauwohnungen hingewiesen worden sei, und betont, dass eine Zielmiete von 18 Euro pro Quadratmeter angestrebt werde.

Wie hoch die Mietpreise am Ende liegen werden, ist noch unklar. Aus diesem Grund bleibt abzuwarten, in welchem Umfang das gemeinschaftliche Wohnen umgesetzt werden kann und ob das Haus den geplanten Mehrwert für alle künftigen Bewohnerinnen und Bewohner im „Hilgenfeld Quartier“ entfalten wird.

Quellen: Frankfurter Rundschau, ABG, Stadt Frankfurt am Main

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