In Berlin müssen für Neubau, Schulen, Straßen und Brücken zahlreiche Bäume weichen. Die ENTWICKLUNGSSTADT-Übersicht zeigt Projekte, Zahlen und geplanten Ersatz.

Ollenhauerstraße: Straßenneubau
Für den geplanten Straßenneubau in Reinickendorf stehen 116 Straßenbäume zur Fällung. Der Baumbestand ist ein zentraler Streitpunkt des Projekts.
Torstraße: Straßenumbau
Beim geplanten Umbau der Torstraße sollen 32 Straßenbäume gefällt werden. 32 Neupflanzungen sind vorgesehen.
Besucherzentrum Schloss Charlottenburg
Für das geplante Besucherzentrum am Schloss Charlottenburg sollen nach aktuellem Planungsstand 34 Bäume gefällt werden.
Heizkraftwerk Charlottenburg
Für die Modernisierung des Heizkraftwerks Charlottenburg dürfen zehn Rosskastanien für eine Baustelleneinrichtungsfläche gefällt werden. 19 Ersatzbäume sind vorgesehen.
Tempelhofer Damm: Grundsanierung
Für die geplante Verkehrsführung während der Grundsanierung des Tempelhofer Damms müssten nach den Plänen des Senats rund 60 Bäume auf dem Mittelstreifen gefällt werden. Der Bezirk lehnt dies bislang ab.
Schulneubau am Auerbacher Ring
Am Auerbacher Ring entsteht ein neuer Schulcampus. Die Baumaßnahmen greifen in den vorhandenen Baumbestand auf dem Gelände ein.
Besselpark: Baumfällungen
Im Besselpark mussten Bäume nach Untersuchungen des Bestands gefällt werden. Der Fall gehört zu den größeren aktuellen Eingriffen in den Berliner Baumbestand.
Amtswäldchen Köpenick
Am Amtswäldchen in der Altstadt Köpenick betrifft die Planung rund 4.000 Quadratmeter bewaldete Fläche. Vorgesehen sind ein Verbrauchermarkt mit Wohnungen und eine Stellplatzanlage.
Emmauswald Neukölln
Auf Teilen des rund vier Hektar großen Emmauswalds ist Wohnungsbau vorgesehen. Das Bebauungsplanverfahren ist noch nicht abgeschlossen.
Hellersdorfer Brücken
Für den Ersatzneubau der Hellersdorfer Brücken wurden vorbereitende Baumfällungen und Rückschnitte im Bereich der Eisenacher Straße durchgeführt.
Karl-Marx-Allee: Neue Pavillons
Für sechs geplante Pavillons an der Karl-Marx-Allee könnten nach dem bisherigen Planungsstand rund 100 ausgewachsene Bäume weichen.
Rosa-Luxemburg-Gymnasium
Für den Erweiterungsbau des Rosa-Luxemburg-Gymnasiums wurden 23 Bäume zur Fällung vorgesehen. Als Ausgleich sind 38 Neupflanzungen geplant.
Techowbrücke: Ersatzneubau
Für den Ersatzneubau der Techowbrücke in Mariendorf wurden bereits 18 Bäume zur Freimachung des Baufelds gefällt.
Neubau Schwarzwurzelstraße
Neben dem Ärztehaus in der Schwarzwurzelstraße ist ein Neubau mit 28 Wohnungen geplant. Für das Vorhaben ist die Fällung von sechs Pappeln genehmigt.
Kavalierstraße: Neubauten der GESOBAU
Zwischen Kavalierstraße und Ossietzkystraße plant die GESOBAU zwei Neubauten mit 99 Wohnungen für geflüchtete Menschen. Für das Projekt sind mehr als 60 Bäume betroffen.
An der Wuhlheide 82–84
An der Wuhlheide 82–84 entstehen zwei Wohnhäuser mit insgesamt 92 Wohnungen. Vor Beginn der Bauarbeiten wurde die frühere Grünfläche gerodet.

© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT

 

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Berlin braucht Wohnungen, Schulen, neue Brücken und sanierte Straßen. Gleichzeitig werden Bäume für das Stadtklima immer wichtiger. Genau an dieser Stelle treffen derzeit bei zahlreichen Bauprojekten zwei Interessen aufeinander. Eine Übersicht zeigt: Das Thema reicht inzwischen quer durch die Stadt.

  • Projektstatus: laufende, geplante und teilweise noch offene Bauvorhaben
  • Betroffen: Straßenbäume, Parkbäume und bewaldete Flächen
  • Straßenbaumbestand Ende 2025: 439.348 Bäume
  • Pflanzungen 2025: 2.736 Straßenbäume
  • Fällungen 2025: 5.643 Straßenbäume

Die jüngste amtliche Statistik macht den Hintergrund deutlich. Berlin startete 2025 mit 438.729 erfassten Straßenbäumen. Im Laufe des Jahres wurden 2.736 Bäume gepflanzt, gleichzeitig aber 5.643 gefällt. Bestandskorrekturen sorgten dennoch dafür, dass zum Jahresende 439.348 Straßenbäume registriert waren. Realistisch wurden aber 2.907 Bäumen mehr gefällt, als neu gepflanzt worden sind.

Das steht in einem auffälligen Verhältnis zu den neuen gesetzlichen Zielen. Das im November 2025 in Kraft getretene Berliner Klimaanpassungsgesetz sieht bis Ende 2027 einen Bestand von mindestens 440.000 Straßenbäumen vor.

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Außerdem soll langfristig auf jeder Straßenseite und auf ausreichend breiten Mittelstreifen durchschnittlich alle 15 Meter ein Baum stehen. Und trotzdem werden derzeit mehr Bäume gefällt als neu hinzukommen.

Reinickendorf und Mitte: Besonders viele Bäume entlang großer Straßen betroffen

Zu den größten derzeit bekannten Eingriffen gehört die Ollenhauerstraße in Reinickendorf. Dort sollen für den grundlegenden Straßenumbau 116 Bäume gefällt werden. Der Konflikt läuft seit Monaten. Der Bezirk hält bislang am Projekt fest.

Die Ollenhauerstraße in Berlin-Reinickendorf mit einer Baumreihe entlang des Gehwegs. Die Bäume stehen im Mittelpunkt des Protests gegen die geplante Radweg-Neuplanung und die vorgesehenen Baumfällungen.

Die Ollenhauerstraße in Reinickendorf wird seit Monaten zum Symbol des Streits um den Erhalt von 116 Straßenbäumen und die geplante Neuordnung des Radwegs. / © Foto: NFR

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Ähnlich sichtbar ist der Konflikt in Berlin-Mitte. Für den Umbau der Torstraße sollen 32 Bäume verschwinden. Geplant sind ebenso viele Neupflanzungen, davon 26 direkt an der Torstraße. Immerhin: Mehr als 70 Prozent des heutigen Bestands sollen erhalten bleiben.

Noch größer fällt der mögliche Eingriff an der Karl-Marx-Allee aus: Für sechs geplante Pavillons stehen nach aktuellem Planungsstand rund 100 ausgewachsene Bäume zur Debatte.

Große, schattenspendende Laubbäume entlang der Karl-Marx-Allee mit mehrspuriger Straße, vorbeifahrenden Autos und angrenzenden Gebäuden im Berliner Stadtzentrum.

Die Baumreihen entlang der Karl-Marx-Allee prägen seit Jahrzehnten das Erscheinungsbild des denkmalgeschützten Boulevards. Im Zuge der geplanten Pavillonbauten könnten rund 100 dieser ausgewachsenen Bäume gefällt werden. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

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Charlottenburg: Besucherzentrum und Kraftwerk bringen weitere Baumfällungen

Gleich zwei aktuelle Fälle gibt es in Charlottenburg-Wilmersdorf. Für das neue Besucherzentrum am Schloss Charlottenburg sollen nach aktuellem Stand 34 Bäume gefällt werden. Gleichzeitig stockt der Zeitplan des Neubaus, sodass Änderungen weiterhin möglich sind.

Am Heizkraftwerk Charlottenburg geht es dagegen um zehn Rosskastanien, die vor allem für die Baustelleneinrichtung benötigt werden. Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg erklärte die Fällungen im August 2026 für zulässig. Nach Abschluss der Arbeiten sind 19 neue Bäume als Ersatz vorgesehen.

Bäume im Umfeld des Schloss Charlottenburg.

Die geplanten Baumfällungen am Schloss Charlottenburg sorgen für Kritik. Insgesamt sollen 34 Bäume für den Neubau des Besucherzentrums weichen. / © Foto: depositphotos.com

Hellersdorf, Pankow und Mariendorf: Bäume fallen für Schulen und Brücken

Auch der Schulbau greift in vorhandene Grünbestände ein. Am Auerbacher Ring in Hellersdorf waren rund 60 Bäume von den Planungen für eine neue Integrierte Sekundarschule betroffen. Beim Rosa-Luxemburg-Gymnasium in Pankow mussten für den Erweiterungsbau 23 Bäume weichen; vorgesehen sind dort 38 Neupflanzungen.

Weitere Fälle finden sich im Verkehrsbereich. Für den Ersatzneubau der Techowbrücke in Mariendorf wurden bereits 18 Bäume gefällt. Auch die Hellersdorfer Brücken erforderten vorbereitende Fällungen und Rückschnitte.

Das Bild zeigt das eingezäunte Baufeld am Auerbacher Ring in Berlin-Hellersdorf. Hier entsteht eine neue Integrierte Sekundarschule. Für das Bauprojekt wurden Bäume gefällt, während weitere Grünflächen und verbliebene Bäume Teil der laufenden Diskussion um Bauprojekte, Klima und Stadtgrün sind.

Der Bauzaun am Auerbacher Ring markiert das Baufeld für die neue Integrierte Sekundarschule. Im Vorfeld der Bauarbeiten wurden auf dem Gelände Bäume gefällt, was eine anhaltende Debatte über Klima, Schulbau und den Erhalt von Stadtgrün ausgelöst hat. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Köpenick und Neukölln: Wenn aus einzelnen Bäumen ganze Grünflächen werden

Eine andere Größenordnung erreicht der Streit dort, wo nicht einzelne Straßenbäume, sondern zusammenhängende Grünflächen betroffen sind. Beim Amtswäldchen in der Altstadt Köpenick geht es um rund 4.000 Quadratmeter bewaldete Fläche. Vorgesehen sind ein Verbrauchermarkt mit Wohnungen sowie Stellplätze. Das Verfahren ist jedoch noch nicht abgeschlossen.

Das Amtswäldchen in der Altstadt Köpenick zeigt einen geschwungenen Fußweg entlang eines dichten Waldstücks. Das Areal gehört zu der Fläche, auf der unter anderem ein Parkplatz geplant ist.

Ein Fußweg führt am Amtswäldchen in der Altstadt Köpenick entlang. Für das Waldstück gibt es Pläne für einen Parkplatz sowie weitere Bebauung. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Noch größer ist der Emmauswald in Neukölln. Auf Teilen des rund vier Hektar großen Areals sind etwa 600 Wohnungen vorgesehen. Einen festen Termin für Rodungen gibt es nicht. Nach Angaben des Senats können diese erst erfolgen, wenn das Bebauungsplanverfahren abgeschlossen ist.

Daneben finden sich zahlreiche kleinere Fälle: sechs Pappeln müssen für einen Neubau mit 28 Wohnungen in der Schwarzwurzelstraße weichen, es gibt Baumfällungen für die Geflüchtetenunterkunft an der Kavalierstraße in Pankow sowie Rodungen auf dem Grundstück An der Wuhlheide 82–84 für 92 Wohnungen.

Bauzäune und vorbereitete Fläche für den Neubau von 92 Wohnungen An der Wuhlheide 82 in Treptow-Köpenick.

Bauzäune strukturieren das Gelände An der Wuhlheide 82, auf dem künftig neue Wohnungen entstehen sollen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Die Fälle zeigen vor allem eines: Baumfällungen entstehen in Berlin längst nicht nur durch große Wohnungsprojekte. Straßenbau, Schulen, Brücken, Gewerbeprojekte und selbst temporäre Baustellenflächen können Bäume kosten. Zugleich gelten für Bauarbeiten klare Schutzregeln. Müssen geschützte Bäume für eine Baustelleneinrichtung gefällt werden, braucht es grundsätzlich eine Ausnahmegenehmigung nach der Berliner Baumschutzverordnung. Gerade deshalb dürfte die Frage, welche Fällungen tatsächlich unvermeidbar sind, Berlin bei vielen Bauprojekten weiter begleiten.

Quellen: Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, Abgeordnetenhaus von Berlin, Drucksache 19/18665, rbb24

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3 Kommentare

  1. Xy 1. September 2026 at 06:01 - Reply

    Das ist gegenüber den Menschen, die dort wie hier leben müssen äußerst menschenverachtend und mMn. kriminell.
    Es gibt keine Rückzugsorte, Grünflächen zur Erholung mehr. Die menschenverachtenden Entscheider dieser fürchterlichen Entscheidungen wohnen sicherlich ganz friedlich und entspannt in tollen friedlichen Wohnvierteln mit viel Grün und Ruhe. So wie die Grünen (Heuchelei).
    Ich wohne selbst in so einem Nachverfichtungsbetonklotzkiez und es ist nur noch HÖLLE. Schlimmer geht nicht.
    Ich hoffe, alles hat Konsequenzen.
    Verachtung der Menschenwürde.
    Leben kann man hier nicht mehr…

  2. Mitte-Mitte-Anwohnerin 1. September 2026 at 08:21 - Reply

    Dem aktuellen Senat sind Autos anscheinend wichtiger als Menschen.

  3. DIETER 2. September 2026 at 08:01 - Reply

    Tempelhofer Feld bepflanzen und bebauten.

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