In Berlin müssen für Neubau, Schulen, Straßen und Brücken zahlreiche Bäume weichen. Die ENTWICKLUNGSSTADT-Übersicht zeigt Projekte, Zahlen und geplanten Ersatz.
Ollenhauerstraße: Straßenneubau
Torstraße: Straßenumbau
Besucherzentrum Schloss Charlottenburg
Heizkraftwerk Charlottenburg
Tempelhofer Damm: Grundsanierung
Schulneubau am Auerbacher Ring
Besselpark: Baumfällungen
Amtswäldchen Köpenick
Emmauswald Neukölln
Hellersdorfer Brücken
Karl-Marx-Allee: Neue Pavillons
Rosa-Luxemburg-Gymnasium
Techowbrücke: Ersatzneubau
Neubau Schwarzwurzelstraße
Kavalierstraße: Neubauten der GESOBAU
An der Wuhlheide 82–84
© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT
Berlin braucht Wohnungen, Schulen, neue Brücken und sanierte Straßen. Gleichzeitig werden Bäume für das Stadtklima immer wichtiger. Genau an dieser Stelle treffen derzeit bei zahlreichen Bauprojekten zwei Interessen aufeinander. Eine Übersicht zeigt: Das Thema reicht inzwischen quer durch die Stadt.
- Projektstatus: laufende, geplante und teilweise noch offene Bauvorhaben
- Betroffen: Straßenbäume, Parkbäume und bewaldete Flächen
- Straßenbaumbestand Ende 2025: 439.348 Bäume
- Pflanzungen 2025: 2.736 Straßenbäume
- Fällungen 2025: 5.643 Straßenbäume
Die jüngste amtliche Statistik macht den Hintergrund deutlich. Berlin startete 2025 mit 438.729 erfassten Straßenbäumen. Im Laufe des Jahres wurden 2.736 Bäume gepflanzt, gleichzeitig aber 5.643 gefällt. Bestandskorrekturen sorgten dennoch dafür, dass zum Jahresende 439.348 Straßenbäume registriert waren. Realistisch wurden aber 2.907 Bäumen mehr gefällt, als neu gepflanzt worden sind.
Das steht in einem auffälligen Verhältnis zu den neuen gesetzlichen Zielen. Das im November 2025 in Kraft getretene Berliner Klimaanpassungsgesetz sieht bis Ende 2027 einen Bestand von mindestens 440.000 Straßenbäumen vor.
Außerdem soll langfristig auf jeder Straßenseite und auf ausreichend breiten Mittelstreifen durchschnittlich alle 15 Meter ein Baum stehen. Und trotzdem werden derzeit mehr Bäume gefällt als neu hinzukommen.
Reinickendorf und Mitte: Besonders viele Bäume entlang großer Straßen betroffen
Zu den größten derzeit bekannten Eingriffen gehört die Ollenhauerstraße in Reinickendorf. Dort sollen für den grundlegenden Straßenumbau 116 Bäume gefällt werden. Der Konflikt läuft seit Monaten. Der Bezirk hält bislang am Projekt fest.

Die Ollenhauerstraße in Reinickendorf wird seit Monaten zum Symbol des Streits um den Erhalt von 116 Straßenbäumen und die geplante Neuordnung des Radwegs. / © Foto: NFR
Ähnlich sichtbar ist der Konflikt in Berlin-Mitte. Für den Umbau der Torstraße sollen 32 Bäume verschwinden. Geplant sind ebenso viele Neupflanzungen, davon 26 direkt an der Torstraße. Immerhin: Mehr als 70 Prozent des heutigen Bestands sollen erhalten bleiben.
Noch größer fällt der mögliche Eingriff an der Karl-Marx-Allee aus: Für sechs geplante Pavillons stehen nach aktuellem Planungsstand rund 100 ausgewachsene Bäume zur Debatte.

Die Baumreihen entlang der Karl-Marx-Allee prägen seit Jahrzehnten das Erscheinungsbild des denkmalgeschützten Boulevards. Im Zuge der geplanten Pavillonbauten könnten rund 100 dieser ausgewachsenen Bäume gefällt werden. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Charlottenburg: Besucherzentrum und Kraftwerk bringen weitere Baumfällungen
Gleich zwei aktuelle Fälle gibt es in Charlottenburg-Wilmersdorf. Für das neue Besucherzentrum am Schloss Charlottenburg sollen nach aktuellem Stand 34 Bäume gefällt werden. Gleichzeitig stockt der Zeitplan des Neubaus, sodass Änderungen weiterhin möglich sind.
Am Heizkraftwerk Charlottenburg geht es dagegen um zehn Rosskastanien, die vor allem für die Baustelleneinrichtung benötigt werden. Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg erklärte die Fällungen im August 2026 für zulässig. Nach Abschluss der Arbeiten sind 19 neue Bäume als Ersatz vorgesehen.

Die geplanten Baumfällungen am Schloss Charlottenburg sorgen für Kritik. Insgesamt sollen 34 Bäume für den Neubau des Besucherzentrums weichen. / © Foto: depositphotos.com
Hellersdorf, Pankow und Mariendorf: Bäume fallen für Schulen und Brücken
Auch der Schulbau greift in vorhandene Grünbestände ein. Am Auerbacher Ring in Hellersdorf waren rund 60 Bäume von den Planungen für eine neue Integrierte Sekundarschule betroffen. Beim Rosa-Luxemburg-Gymnasium in Pankow mussten für den Erweiterungsbau 23 Bäume weichen; vorgesehen sind dort 38 Neupflanzungen.
Weitere Fälle finden sich im Verkehrsbereich. Für den Ersatzneubau der Techowbrücke in Mariendorf wurden bereits 18 Bäume gefällt. Auch die Hellersdorfer Brücken erforderten vorbereitende Fällungen und Rückschnitte.

Der Bauzaun am Auerbacher Ring markiert das Baufeld für die neue Integrierte Sekundarschule. Im Vorfeld der Bauarbeiten wurden auf dem Gelände Bäume gefällt, was eine anhaltende Debatte über Klima, Schulbau und den Erhalt von Stadtgrün ausgelöst hat. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Köpenick und Neukölln: Wenn aus einzelnen Bäumen ganze Grünflächen werden
Eine andere Größenordnung erreicht der Streit dort, wo nicht einzelne Straßenbäume, sondern zusammenhängende Grünflächen betroffen sind. Beim Amtswäldchen in der Altstadt Köpenick geht es um rund 4.000 Quadratmeter bewaldete Fläche. Vorgesehen sind ein Verbrauchermarkt mit Wohnungen sowie Stellplätze. Das Verfahren ist jedoch noch nicht abgeschlossen.

Ein Fußweg führt am Amtswäldchen in der Altstadt Köpenick entlang. Für das Waldstück gibt es Pläne für einen Parkplatz sowie weitere Bebauung. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Noch größer ist der Emmauswald in Neukölln. Auf Teilen des rund vier Hektar großen Areals sind etwa 600 Wohnungen vorgesehen. Einen festen Termin für Rodungen gibt es nicht. Nach Angaben des Senats können diese erst erfolgen, wenn das Bebauungsplanverfahren abgeschlossen ist.
Daneben finden sich zahlreiche kleinere Fälle: sechs Pappeln müssen für einen Neubau mit 28 Wohnungen in der Schwarzwurzelstraße weichen, es gibt Baumfällungen für die Geflüchtetenunterkunft an der Kavalierstraße in Pankow sowie Rodungen auf dem Grundstück An der Wuhlheide 82–84 für 92 Wohnungen.

Bauzäune strukturieren das Gelände An der Wuhlheide 82, auf dem künftig neue Wohnungen entstehen sollen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Die Fälle zeigen vor allem eines: Baumfällungen entstehen in Berlin längst nicht nur durch große Wohnungsprojekte. Straßenbau, Schulen, Brücken, Gewerbeprojekte und selbst temporäre Baustellenflächen können Bäume kosten. Zugleich gelten für Bauarbeiten klare Schutzregeln. Müssen geschützte Bäume für eine Baustelleneinrichtung gefällt werden, braucht es grundsätzlich eine Ausnahmegenehmigung nach der Berliner Baumschutzverordnung. Gerade deshalb dürfte die Frage, welche Fällungen tatsächlich unvermeidbar sind, Berlin bei vielen Bauprojekten weiter begleiten.
Quellen: Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, Abgeordnetenhaus von Berlin, Drucksache 19/18665, rbb24
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3 Kommentare
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Das ist gegenüber den Menschen, die dort wie hier leben müssen äußerst menschenverachtend und mMn. kriminell.
Es gibt keine Rückzugsorte, Grünflächen zur Erholung mehr. Die menschenverachtenden Entscheider dieser fürchterlichen Entscheidungen wohnen sicherlich ganz friedlich und entspannt in tollen friedlichen Wohnvierteln mit viel Grün und Ruhe. So wie die Grünen (Heuchelei).
Ich wohne selbst in so einem Nachverfichtungsbetonklotzkiez und es ist nur noch HÖLLE. Schlimmer geht nicht.
Ich hoffe, alles hat Konsequenzen.
Verachtung der Menschenwürde.
Leben kann man hier nicht mehr…
Dem aktuellen Senat sind Autos anscheinend wichtiger als Menschen.
Tempelhofer Feld bepflanzen und bebauten.