In der Heynstraße in Pankow geraten Busse, Lastwagen und Fußgänger fast täglich aneinander. Eine Baustelle verengt die Straße zusätzlich. Doch ein großer Teil des Verkehrs hat hier eigentlich gar nichts zu suchen.

Schmale Straße mit beidseitig parkenden Autos, gesäumt von mehrstöckigen Altbauten.

Heynstraße in Berlin Pankow: Parkende Autos säumen beide Straßenseiten und lassen nur einen schmalen Durchgang frei. Wegen der Bauarbeiten am Hinterhof von Hausnummer 29 kommt es hier immer wieder zu Verkehrsbehinderungen, da die Baustelle den ohnehin engen Straßenraum zusätzlich einschränkt. / © Foto: Wikimedia Commons, Alter Fritz, CC BY-SA 4.0

© Titelbild: Wikimedia Commons, Alter Fritz, CC BY-SA 4.0 

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In der Heynstraße in Pankow geraten Busse, Lastwagen und Fußgänger fast täglich aneinander. Container blockieren den Gehweg, und an der engsten Stelle bleiben kaum fünf Meter für alle Verkehrsteilnehmer übrig. Das Bezirksamt hat laut Tagesspiegel inzwischen festgestellt, dass die zugehörige Baustelle deutlich über das genehmigte Maß hinausgeht und mehrere Zufahrten blockiert.

Auf den ersten Blick wirkt das wie ein klassischer Streit um eine zu große Baustelle in einer zu schmalen Straße. Schaut man jedoch genauer hin, zeigt sich, dass die Enge allein das Problem nicht erklärt. Ein erheblicher Teil des Verkehrs gehört eigentlich gar nicht in diese Wohnstraße, sondern nutzt sie lediglich als Durchfahrt.

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Umleitung durch die Mühlenstraße: Warum Hauptverkehr in den Kiez drängt

Der Hauptgrund für den zusätzlichen Durchgangsverkehr liegt in der direkten Nachbarschaft. Die stark befahrene Mühlenstraße ist wegen Bauarbeiten an der dortigen S-Bahn-Brücke vollständig gesperrt. Wer diese Strecke normalerweise nutzt, weicht nun auf die umliegenden Wohnstraßen aus, darunter auch auf die Heynstraße.

Für eine schmale Wohnstraße bedeutet dies eine spürbare Zusatzbelastung. Verkehr, der normalerweise über Hauptverkehrsstraßen abgewickelt wird, verlagert sich in enge Straßenräume, die dafür nicht ausgelegt sind. Dadurch verschärft die Sperrung der Mühlenstraße eine ohnehin bereits durch die Baustelle in der Heynstraße angespannte Verkehrssituation.

Nachverdichtung im Florakiez: Wo viele Baustellen im Kiez aufeinandertreffen

Auf der Baustelle zeigen ein hoher Baukran und gelagerte Treppenelemente den sichtbaren Fortschritt der Arbeiten in der Florastraße 79 in Pankow.

Durch gelagerte Baumaterialien und Baulogistik im Rahmen von Nachverdichtungsprojekten kommt es in der Gegend immer wieder zu Einschränkungen für Fuß- und Fahrzeugverkehr. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

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Die Heynstraße steht zudem nicht für sich allein. Im gesamten Florakiez laufen oder entstehen derzeit mehrere Wohnprojekte. Hinzu kommen mehrere Dachgeschossausbauten, durch die zusätzliche Wohnungen entstehen sollen.

Dadurch verteilt sich der Druck auf mehrere Straßen im selben Viertel gleichzeitig. Wo ohnehin schon Umleitungsverkehr unterwegs ist, sorgt jede weitere Baustelle für noch weniger Platz. Die Situation in der Heynstraße lässt sich daher eher als Beispiel für ein größeres Muster verstehen als als Einzelfall.

Kiezblocks als Lösungsansatz? Konzept unter Druck

Kreuzung mit rot weißen Pollern und rot markierter Fahrradspur vor einem gelben Eckhaus mit Graffiti.

Seitenstraße in Neukölln: Durch verkehrsberuhigende Elemente wie Poller bleibt der Durchgangsverkehr außerhalb des Wohngebiets, während Radfahrende und Anwohnerinnen und Anwohner den Bereich weiterhin nutzen können. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

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Für solche Situationen setzt das Konzept der Kiezblocks an: Durchfahrtssperren, Einbahnstraßen oder Tempolimits sollen verhindern, dass Durchgangsverkehr überhaupt erst in Wohngebiete gelangt. Anwohnerinnen und Anwohner könnten weiterhin mit dem Auto in ihren Kiez fahren, auch Rettungsdienste und Lieferverkehr blieben erreichbar.

Allerdings hat die Senatsverkehrsverwaltung die Förderung entsprechender Projekte in Berlin Mitte kürzlich größtenteils gestoppt und dies als grundsätzliche Linie für die ganze Stadt bezeichnet. Damit bleibt vorerst offen, ob Konzepte wie Kiezblocks künftig dazu beitragen können, Straßen wie die Heynstraße zu entlasten.

Quellen: Der Tagesspiegel, Bezirksamt Mitte, Umweltbundesamt

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3 Kommentare

  1. Manuel 9. Juni 2026 at 13:04 - Reply

    Die Ursache liegt an der Genehmigung zur Sperrung von gleich zwei Hauptstraßen: Wollankstraße und Mühlenstraße. Es gibt kaum ausweichstrecken und der Verkehr staut sich überall

    • Alex 11. Juni 2026 at 17:41 - Reply

      Gute Beobachtung. Deshalb ist es umso bemerkenswerter, dass der Artikel Kiezblocks als mögliche Lösung erwähnt. Wir haben ein Problem mit dem Verkehr — also lösen wir es, indem wir den Verkehr noch komplizierter machen. Genial.
      Dabei könnte man vielleicht auch einen Blick auf das Tempo — oder genauer: auf die Kontrolle und Koordination — der bestehenden Baustellen werfen. Eine zentrale Verkehrsader für mehrere Jahre blockieren? Offenbar kein Problem.

  2. Ewald Karl 9. Juni 2026 at 18:57 - Reply

    Wieder einmal zeigt sich, dass es offenbar ein Kernanliegen der CDU–Verkehrssenatorin ist, die Interessen von vielen Anwohnern denen von wenigen Autofahrern unterzuordnen.
    Unglaublich traurig, wie viele sinnvolle Vorhaben mit dem Ziel einer für Menschen angenehmen Stadt diese Partei in nur drei Jahren zerstört hat. Wir sollten sie davor schützen, in naher Zukunft wieder Regierungsverantwortung übernehmen zu müssen.

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