Auf acht Hektar Fläche wird in Heusenstamm am ehemaligen Fernmeldezeugamt ein modernes Quartier entwickelt. Das Gelände, auf dem sich aktuell die Depothalle des Museums für Kommunikation befindet, soll auch ein Teil des neuen Wohngebiets werden. Im Rahmen eines Architekturwettbewerbs konnten nun erste Gestaltungsansätze gefunden werden.

Das Schiedsgericht sah sich die 23 eingereichten Entwürfe an und prämierte im Nachhinein den ersten bis dritten Platz. Der Siegerentwurf konnte durch eine klare Gliederung von Quartiersplätzen, Wohn- und Gewerbebereichen, differenzierte Bauhöhen und gut platzierte Grünflächen überzeugen./ © Foto: Stadt Heusenstamm, Regine Dinkelborg
© Titelbild: Wikimedia Commons, Klaus Nahr from Germany, CC BY-SA 2.0
Altes Areal, neues Leben: In Heusenstamm, unweit von Offenbach, soll das Gelände des ehemaligen Fernmeldezeugamts zu einem neuen Quartier entwickelt werden. Auf rund acht Hektar Fläche soll hier in den kommenden Jahren ein modernes, vielfältiges Stadtviertel entstehen. Um dafür konkrete Ideen zu sammeln, schrieb die Stadt im vergangenen Jahr einen Wettbewerb aus. Insgesamt 23 Entwürfe wurden eingereicht und anschließend der Öffentlichkeit präsentiert. Nun stehen die Gewinner fest und der nächste Schritt in Richtung Realisierung kann beginnen.
Das bestehende Gebäude an der Philipp-Reis-Straße soll im Rahmen der Planungen erhalten bleiben. Dazu gehört auch die dort untergebrachte Kindertagesstätte. Hinter dem Bestandsbau sollen moderne Wohngebäude entstehen, die von großzügigen Grünflächen ergänzt werden. Auch die Depothalle des Museums für Kommunikation darf aufgrund eines endenden Mietvertrags mit einbezogen werden und eröffnet dadurch zusätzliche Spielräume für die künftige Gestaltung.
Architekturwettbewerb Heusenstamm: Diese Anforderungen sollten die Einreichungen erfüllen
Die Anforderungen an den Wettbewerb waren hoch: Gesucht wurde ein Quartiersentwurf, der zukunftsfähiges Wohnen ermöglicht und außerdem unterschiedliche Bevölkerungsgruppen anspricht. Dazu zählen bezahlbarer Wohnraum, Wohnungen für Familien und Singles sowie Angebote für generationenübergreifendes Zusammenleben. Ergänzend wünschten sich die Bürgerinnen und Bürger zusätzlich Räume für Spiel, Sport, Begegnung und Erholung.
Ebenso wichtig war die Einbettung in das Ortsbild. Gebäudehöhen, Übergänge und architektonische Qualität sollten zu einem attraktiven Umfeld beitragen. Massige Baukörper oder unübersichtliche Ecken waren unerwünscht, während eine klare Gliederung von Wohnen und Gewerbe begrüßt wurde. Ein nahezu autofreies Quartier mit guten Alternativen zum Pkw galt als zentrales Ziel.
Gestaltung des ehemaligen Fernmeldezeugamt: 23 vielfältige Entwürfe waren im Rennen
Insgesamt 23 Teams reichten ihre Ideen ein und präsentierten sehr unterschiedliche Konzepte. Besonders im Fokus stand die große Halle des ehemaligen Postmuseums. Manche Modelle sahen ihren Abriss zugunsten von Grünflächen, Wohnhäusern oder Gemeinschaftsflächen vor, andere schlugen eine teilweise Erhaltung oder sogar die Umnutzung als Boulderhalle vor.
Neben dem Wohnen sollte das Areal auch durch Gewerbe und Gastronomie belebt werden. Vorgesehen waren Nutzungen im Erdgeschoss oder auf zentralen Plätzen. Die Entwürfe unterschieden sich zudem in der Anzahl der Wohneinheiten, die zwischen 403 und 804 lagen, meist verteilt auf drei bis fünf Geschosse.
Siegerentwurf neues Stadtquartier in Heusenstamm: So könnte das Areal künftig aussehen
Den ersten Platz sicherten sich Thomas Schüler Architekten aus Düsseldorf gemeinsam mit GTL Landschaftsarchitektur aus Kassel. Das Preisgeld beträgt 32.000 Euro. Die Zweit- und Drittplatzierten erhielten 20.000 beziehungsweise 12.000 Euro, dazu kamen vier Anerkennungen mit jeweils 4.000 Euro.
Der Entwurf überzeugte das Preisgericht durch eine klare Gliederung von Quartiersplätzen, Wohn- und Gewerbebereichen, differenzierte Bauhöhen, gut platzierte Grünflächen und Wege sowie die Integration von Kita, Mobilitätshubs und Regenwassermanagement. Gleichzeitig ermögliche er Flexibilität für die weitere Entwicklung.
Die nächsten Schritte: Bau des neue Quartiers in Heusenstamm könnte 2028 beginnen
Der Siegerentwurf wurde bereits am 10. September im Bau-, Umwelt- und Verkehrsausschuss vorgestellt. Ein städtebauliche Rahmenplan soll voraussichtlich 2026/2027 erstellt werden, danach folgt die Festlegung im Bebauungsplan. Bis zum Satzungsbeschluss werden ein bis zwei Jahre veranschlagt, erste Hochbaumaßnahmen könnten also möglicherweise im Jahr 2028 beginnen.
Die Wiederbelebung der brachliegenden Fläche am ehemaligen Fernmeldezeugamt bringt neues Leben in das Areal. Positiv hervorgehoben wird die partizipative Planung: Bürger konnten früh ihre Meinungen zu den Entwürfen einbringen, die dann neutral in die Entscheidung des Schiedsgremiums einflossen. Wann die konkreten Veränderungen sichtbar werden und das Quartier vollständig fertiggestellt ist, bleibt derzeit noch offen.

Die Büros „Thomas Schüler Architekten“ und „GTL Landschaftsarchitektur“ gewannen beim Wettbewerb um die Gestaltung des Areals den ersten Preis. Das Preisgeld betrugt 32.000 Euro. / © Lageplan: Thomas Schüler Architekten Stadtplaner & GTL Landschaftsarchitektur
Quellen: Heusenstamm, op-online, Immobilien Zeitung
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