Der Umbau des Heizkraftwerks Charlottenburg hat eine zentrale Hürde genommen. Das Genehmigungsverfahren für drei neue Gasturbinen ist einen entscheidenden Schritt weiter, Einwendungen gab es vorerst keine. Damit rückt ein zentrales Infrastrukturprojekt für die Berliner Fernwärmeversorgung ab 2028 in greifbare Nähe.

Das Kraftwerk Charlottenburg ist ein Stück Berliner Stadtgeschichte. Seit seiner Inbetriebnahme im Jahr 1900 war es maßgeblich an der Elektrifizierung der damals eigenständigen Stadt Charlottenburg beteiligt. / © Foto: Wikimedia Commons, I, ThoKay, CC BY-SA 3.0
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Der Umbau des Heizkraftwerks Charlottenburg ist einen wichtigen Schritt vorangekommen. Für den geplanten Einbau von drei neuen Gasturbinen gingen keine Einwendungen ein, weshalb ein ursprünglich angesetzter Erörterungstermin entfallen konnte. Die Pläne lagen zuvor öffentlich aus, nun fehlt lediglich die formale Endgenehmigung durch das zuständige Landesamt
Dass ein Projekt dieser Größenordnung ohne öffentliche Einwände bleibt, gilt als ungewöhnlich, wie rbb24 mitteilt. Umso deutlicher zeigt sich, wie weit die Planungen bereits gediehen sind. Betreiberin ist die landeseigene Berliner Energie und Wärme (BEW), die das Kraftwerk seit der Übernahme von Vattenfall verantwortet.
750 Millionen Euro Investitionsvolumen: Drei neue Gastrubinen sollen bis Oktober 2028 installiert werden
Konkret sollen zwei bestehende Gasturbinen ersetzt werden. Diese leisten bislang jeweils 283 Megawatt. Künftig sollen drei neue Anlagen mit zusammen 627 Megawatt installiert werden, ein Leistungsplus von rund elf Prozent. Ergänzt wird die Technik durch vier elektrische Heißwassererzeuger mit insgesamt 200 Megawatt.
Die Inbetriebnahme ist für Oktober 2028 vorgesehen. Die Investitionskosten liegen bei rund 750 Millionen Euro. Damit handelt es sich um die größte Einzelinvestition in die Berliner Fernwärme seit den 1980er-Jahren.
Erdgas statt Kohle: Wasserstoff-Option senkt Emissionen, lässt aber offene Fragen
Die neuen Gasturbinen sollen zunächst mit Erdgas betrieben werden. Perspektivisch ist auch der Einsatz von Wasserstoff vorgesehen. Nach Angaben der BEW könne so der CO₂-Ausstoß des Standorts um bis zu 50 Prozent reduziert werden, wie rbb24 berichtet. Erdgas verursacht deutlich weniger Emissionen als Kohle, bleibt jedoch ein fossiler Energieträger.
Wann und in welchen Mengen grüner Wasserstoff tatsächlich verfügbar sein wird, ist offen. Die BEW räumt selbst ein, dass die langfristige Versorgung derzeit noch unklar sei. Damit bleibt Berlin trotz Umbau mittelfristig auf fossile Energie angewiesen.
Kraftwerk Charlottenburg als zentraler Standort der Energieversorgung in Berlin
Rund 700.000 Wohnungen sind in Berlin an die Fernwärme angeschlossen, das entspricht etwa 32 Prozent aller Haushalte. Besonders in dicht bebauten Quartieren wie Charlottenburg, Kreuzberg oder Prenzlauer Berg ist sie ein zentraler Bestandteil der Wärmeversorgung. Das Kraftwerk Charlottenburg zählt dabei zu den wichtigsten Standorten.
Seit Mai 2024 gehört die BEW vollständig dem Land Berlin. Mit Strom, Wasser und Wärme kontrolliert das Land nun seine drei zentralen Versorgungsnetze selbst. Der Umbau in Charlottenburg ist damit auch energiepolitisch von hoher Bedeutung.
Kosten der Wärmewende: Fernwärme in Berlin bleibt teuer für Verbraucherinnen und Verbraucher
Die Transformation der Fernwärme ist teuer. Laut Heizspiegel zahlen Fernwärmekundinnen und -kunden bereits heute mehr als Haushalte mit Gasheizung oder Wärmepumpe. Die Kosten für Netzausbau und Kraftwerksumbau werden über die Preise refinanziert.
Zwar stellt der Bund Fördermittel für den Wärmenetzausbau bereit, doch reichen diese für Berlin nicht aus. Die entstehende Finanzierungslücke dürfte langfristig ebenfalls bei den Verbrauchern ankommen. Der Umbau des Kraftwerks Charlottenburg steht damit exemplarisch für die Chancen, aber auch die Zielkonflikte der Berliner Wärmewende.
Quellen: Berliner Energie und Wärme (BEW), rbb24, Berliner Morgenpost
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„Erdgas verursacht deutlich weniger Emissionen als Kohle..“
Dies ist so nicht korrekt, laut einer Studie der Cornell Universität aus dem Jahre 2024 https://news.cornell.edu/stories/2024/10/liquefied-natural-gas-carbon-footprint-worse-coal ist der Carbon footprint von LNG schlechter als der von Kohle, wohl meist wegen dem Transport, siehe auch Antrieb von Booten und Auswirkungen auf die Atmosphäre.
Aktuell sind bis zu 10% der deutschen Gasimporte LNG, Tendenz steigend https://www.ndr.de/nachrichten/info/LNG-Wie-viel-Fluessigerdgas-kommt-derzeit-in-Deutschland-an,lng632.html
Siehe auch die neuen Pläne für mehr LNG Importe.
Zusätzlich sind Vorfälle die Umweltschäden verursachen wie beim Verlust einer herkömmlichen Erdgas Pipeline im Meer und auch woanders schwer zu beziffern. Und zusätzlich gibt es ein immer noch schlecht erfaßtes Problem mit Gaslecks an Bohrorten, wo noch Jahre nach der Bohrung Gas austritt. Erdbeben wie oft in den USA zu beobachten und die mit Gasbohrungen in Verbindung gebracht werden – durch das fracking zur Gasgewinnung, gilt als sehr schlecht für Böden.
Anstatt weiter auf Abhängigkeiten zu setzen die zum Schaden aller führen könnte man mehr in Solar & Wind investieren. Der aktuelle Stromausfall läßt sich nur durch dezentrale Energiegewinnung mitSmart-grids und Batterien meistern. Und ja das ist auch mit Kosten verbunden allerdings absehbar wesentlich günstiger.