Die HOWOGE hat das neue Heinrich-Hertz-Gymnasium am Ostbahnhof übergeben. Der Schulneubau bietet 784 Plätze, doch offene Fragen bleiben.

Am 4. September 2026 übergab die HOWOGE das fertiggestellte Heinrich-Hertz-Gymnasium an den Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg. An der Übergabe nahmen Vertreter aus Schule, Bezirk, Senat, HOWOGE und Projektteam teil. / © Foto: HOWOGE / Markus Bachmann
© Titelbild: HOWOGE / Markus Bachmann
Am Ostbahnhof ist einer der ungewöhnlichsten Schulneubauten Berlins fertig. Auf einem kleinen Grundstück hat die HOWOGE ein fünfgeschossiges Gymnasium für 784 Schülerinnen und Schüler errichtet. Am 4. September wurde das Gebäude offiziell an den Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg übergeben. Damit endet die Bauphase – nicht aber die Diskussion um den neuen Standort.
- Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
- Adresse: Müncheberger Straße 8 / Lange Straße, 10243 Berlin
- Schulplätze: 784
- Gebäude: fünf Geschosse
- Bauzeit: 26 Monate
- Geplanter Schulbetrieb am neuen Standort: ab Februar 2027
Das Heinrich-Hertz-Gymnasium befindet sich bislang in der Rigaer Straße 81–82. Der Neubau nahe dem Ostbahnhof schafft deutlich mehr Kapazität: Statt 618 stehen künftig 784 Schulplätze zur Verfügung. Das Gymnasium wächst damit von drei auf vier Züge.
Das Grundstück stellte die Planer von Beginn an vor ein Problem. Auf nur rund 6.700 Quadratmetern mussten ein vierzügiges Gymnasium sowie Pausen- und Erholungsflächen Platz finden. Deshalb verlagerten die Planer einen Teil des Schulhofs auf das Dach. Rund 1.500 Quadratmeter Dachfläche dienen künftig als Pausenbereiche und grüne Klassenzimmer.

Die Unterrichtsräume des neuen Heinrich-Hertz-Gymnasiums verbinden moderne technische Ausstattung mit Sichtbeton und Holzelementen. Insgesamt gliedert sich die Schule in acht Compartments. / © Foto: HOWOGE / Markus Bachmann
Heinrich-Hertz-Gymnasium: Acht Lernbereiche für das naturwissenschaftliche Profil
Auch im Inneren unterscheidet sich das Heinrich-Hertz-Gymnasium von vielen standardisierten Schulneubauten. Gemeinsam mit Schule, Bezirk und Bildungsverwaltung entstand ein eigenes Raumprogramm. Vorgesehen sind acht Compartments. Eines davon dient den fünften und sechsten Klassen, sieben weitere bilden Fachraum-Compartments. Dazu gehören ein eigener Physikbereich sowie ein gemeinsamer Bereich für Chemie und Biologie.
Die Schulgemeinschaft war bereits an der Bedarfsplanung und am Architekturverfahren beteiligt. Schülerinnen und Schüler wirkten als Sachverständige mit, die Schulleiterin hatte im Auswahlgremium Stimmrecht.

Das naturwissenschaftliche Profil des Heinrich-Hertz-Gymnasiums spielte bei der Planung eine zentrale Rolle. Der Neubau verfügt unter anderem über eigene Fachbereiche für Physik sowie Chemie und Biologie. / © Foto: HOWOGE / Markus Bachmann
Trotz Fertigstellung: Der Streit um zu kleinen Schulhof bleibt
Die Übergabe ändert allerdings nichts an einem Problem: Dem Heinrich-Hertz-Gymnasium fehlen nach bisherigen Berechnungen mehr als 1.080 Quadratmeter erforderliche Schulhoffläche. Der Bezirk bestätigt, dass das Grundstück die Vorgaben des Berliner Musterfreiflächenprogramms für das vierzügige Gymnasium nicht erfüllt. Bereits während der Planung hatte es Diskussionen darüber gegeben, wie die Schülerinnen und Schüler der fünften und sechsten Klassen bei der Berechnung berücksichtigt wurden.
Die Schulgemeinschaft möchte deshalb einen Teil einer angrenzenden Sackgasse in das Schulgelände einbeziehen. Der Bezirk lehnt eine Änderung der laufenden Planung bislang ab. Auch die Sporthalle musste wegen des Platzmangels ausgelagert werden. Sie entsteht an der Fredersdorfer Straße und soll sechs Hallenteile erhalten. Nach Angaben der HOWOGE soll sie neben dem Heinrich-Hertz-Gymnasium auch weiteren Schulen im Umfeld dienen. Ihre Fertigstellung ist derzeit für Ende 2026 vorgesehen.

Grüne Einbauten, offene Bereiche und Sichtbeton bestimmen einen Teil der Innenräume des neuen Heinrich-Hertz-Gymnasiums. Das Raumprogramm wurde speziell auf die Anforderungen der Schule zugeschnitten. / © Foto: HOWOGE / Markus Bachmann
Alter Standort in der Rigaer Straße bekommt eine neue Aufgabe
Der Umzug des Heinrich-Hertz-Gymnasium nach den Winterferien 2026/2027 hat zugleich Folgen für die Schulplanung im Bezirk. Für das denkmalgeschützte bisherige Gebäude des Heinrich-Hertz-Gymnasiums in der Rigaer Straße gibt es bereits eine Nachnutzung. Der Bezirk hatte 2023 beschlossen, dort die Temple-Grandin-Schule unterzubringen und sie zu einer inklusiven Gemeinschaftsschule weiterzuentwickeln. Dadurch sollen zusätzliche Plätze für Grundschulkinder und für die Sekundarstufe I entstehen.
Am Ostbahnhof beginnt dagegen nach der baulichen Fertigstellung nun die nächste Phase. Die Schule muss eingerichtet werden, während Arbeiten im Umfeld und an der neuen Sporthalle weiterlaufen. Das Gebäude selbst ist fertig. Die Fragen zur knappen Freifläche und zur endgültigen Gestaltung des Umfelds sind damit jedoch noch nicht abgeschlossen.

Eine breite Schultreppe prägt das offene Foyer des Heinrich-Hertz-Gymnasiums. Sie verbindet die darüberliegenden Lernbereiche und dient zugleich als Treffpunkt für die Schulgemeinschaft. / © Foto: HOWOGE / Markus Bachmann
Heinrich-Hertz-Gymnasium am Ostbahnhof
Quellen: HOWOGE, Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie
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