Mehrere Hedera-Projekte in Berlin und Ostdeutschland stehen seit Jahren still. Neue Investoren wollen nun Nahversorgungszentren sanieren und Wohnbauprojekte fertigstellen.
Nahversorgung: Glarner Straße 53
Sickingenstraße 41,
Havelberger Straße 10–11/Stendaler Straße 10 (Moabit)
Schillerpromenade 6/Herrfurthplatz 4 (Neukölln)
© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT
Bei mehreren Projekten von Hedera Bauwert kommt nach langem Stillstand nun offenbar Bewegung in die verschiedenen Vorhaben. Nach Informationen der Immobilien Zeitung haben Actrax und Attegia zentrale Rollen bei Nahversorgungszentren und Berliner Wohnbauprojekten übernommen. Betroffen sind unter anderem Vorhaben in Moabit und Neukölln.
- Bezirke: Neukölln, Berlin-Mitte, Steglitz-Zehlendorf
- Bauträger: Hedera Bauwert GmbH
- Betroffene Berliner Wohnprojekte: Havelberger Straße 10–11/Stendaler Straße 10 (Moabit), Schillerpromenade 6/Herrfurthplatz 4 (Neukölln), Sickingenstraße 41 (Moabit)
- Betroffene Berliner Nahversorgung: Glarner Straße 53 (Lichterfelde)
- Status: Projekte verzögert, teils seit Jahren nicht fertiggestellt
Bei Hedera Bauwert verdichten sich die Hinweise auf einen Neustart einzelner festgefahrener Projekte. Die Immobilien Zeitung berichtet, dass neun Nahversorgungszentren und mehrere Wohnungsbauprojekte in Berlin und Ostdeutschland neue Geldgeber gefunden haben.
Das Nahversorgungsportfolio mit rund 100.000 Quadratmetern soll mehrheitlich an die Actrax Group gegangen sein. Dazu zählen Standorte in Rostock, Bernau, Dresden, Radebeul, Halle an der Saale und Berlin. In der Hauptstadt gehört unter anderem die Glarner Straße 53 zu dem Paket.
Nach Stillstand: Nahversorger im Hedera-Portfolio sollen saniert werden
Die Einnahmen aus den laufenden Vermietungen sollen dort künftig wieder direkt in die Standorte fließen. Nach Einschätzung des neuen Eigentümers erfüllen die Einkaufszentren weiterhin eine wichtige Funktion für die Versorgung in ihren Stadtteilen.
Trotz des hohen Sanierungsbedarfs bleibe die Nachfrage nach Ladenflächen stabil. Viele Händler hätten ihre Standorte über Jahre hinweg gehalten, obwohl sich die baulichen und technischen Probleme zunehmend verschärft hätten.
Der neue Eigentümer will laut IZ zunächst Mängel bei Sicherheit und Brandschutz beheben und anschließend Lösungen mit Energieversorgern suchen. Das ist relevant, weil mehrere Center seit Jahren durch Sanierungsstau auffielen. In Halle wurde das Südstadt-Center nach lokalen Berichten wegen Brandschutzmängeln geschlossen; Kaufland zog sich dort als Ankermieter zurück.

Manteuffelstraße in Tempelhof: Das leerstehende Gebäude auf dem Hedera-Grundstück wird seit längerem nicht genutzt und zeigt deutliche Spuren des Verfalls. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Hedera-Wohnungen: Bewegung nach jahrelangem Baustopp
Auch bei mehreren festgefahrenen Wohnbauprojekten hat sich die Eigentümerstruktur inzwischen verändert. So ist Attegia bei den Projekten an der Schillerpromenade 6/Herrfurthplatz 4 sowie in der Sickingenstraße 41 eingestiegen und hält dort inzwischen maßgebliche Beteiligungen. Berichten zufolge kaufte das Unternehmen die Forderungen der bisherigen Hauptkreditgeber und sicherte sich damit Einfluss auf die weiteren Entwicklungen der Baustellen.
Eine andere Konstruktion gilt dagegen für das Projekt Havelberger Straße 10–11/Stendaler Straße 10 in Moabit. Dort übernahm Attegia keine Gesellschaftsanteile, sondern blieb in der Rolle des Finanzierers. Das Unternehmen verfügt über entsprechende Sicherheiten für die vergebenen Darlehen.
Unternehmen Attegia will bis zu 20 Mio. Euro in die Revitalisierung der Hedera-Projekte investieren
Das Objekt unterscheidet sich zudem strukturell von den übrigen Hedera-Projekten: Während viele Neubauten und Sanierungen über eigene Projektgesellschaften organisiert wurden, gehört das Mehrfamilienhaus in der Havelberger Straße direkt der Hedera Bauwert GmbH.
Die drei Projekte sollen zusammen fast 100 Wohneinheiten umfassen. Attegia kündigte laut IZ Investitionen zwischen 10 und 20 Millionen Euro an. Zuerst sollen nach Angaben des Investors die Sickingenstraße und die Havelberger Straße fertiggestellt werden.
Für die Schillerpromenade nennt Attegia noch keinen Termin. Käufer warten nach Darstellung der IZ teils seit Jahren auf die Übergabe ihrer Eigentumswohnungen. Zuletzt waren auch immer wieder Anzeigen zur Zwangsversteigerung bei betroffenen Wohnungen aufgetaucht.
Berliner Projekte von Hedera bleiben rechtlich komplex
Neben den Berliner Wohnprojekten, bei denen es nun offenbar weitergeht, gibt es weitere stillstehende Bauvorhaben der Hedera Bauwert GmbH. Ein Beispiel ist das Projekt „Das Tempel-Hof“ in der Manteuffelstraße 8 in Berlin-Tempelhof. Dort waren 30 Eigentumswohnungen geplant. Auf dem Grundstück sind seit langem keine Baufortschritte erkennbar, eine klare Zeitschiene für Baubeginn oder Fertigstellung gibt es nicht.
Nach Berichten des Immobilienblogs Gunske Immo laufen gegen Unternehmen aus dem Hedera-Umfeld mehrere Vollstreckungs- und Gerichtsverfahren. Genannt werden unter anderem offene Forderungen, Baustopps sowie Zwangsversteigerungen einzelner Projektflächen.
Besonders im Fokus stand dabei ein Quartiersprojekt in Potsdam-Babelsberg, dessen Grundstück Anfang 2026 versteigert wurde. Der Bericht verweist zudem auf Probleme bei laufenden Bauvorhaben, ausbleibende Zahlungen und zunehmende Unsicherheit bei Mietern, Käufern und Projektpartnern.
Viele Hedera-Projekte warten auf eine Weiterführung der Bautätigkeiten
Parallel soll laut IZ ein vorläufiges Insolvenzverfahren gegen die Hedera Bauwert GmbH auf Antrag der Creo Vorratsgesellschaft 20 GmbH laufen. Die Kanzlei Nesselhauf weist den Antrag im Auftrag von Hedera jedoch zurück und hält die Forderung für nicht berechtigt. Damit bleibt offen, wie sich das Verfahren auf einzelne Projekte auswirkt.
Fest steht: Bei mehreren Hedera-Projekten ersetzt Bewegung noch keine Fertigstellung. Neue Eigentümer- und Finanzierungsstrukturen schaffen aber erstmals konkrete Ansatzpunkte für Sanierung und Weiterbau. Entscheidend wird nun, ob die angekündigten Investitionen tatsächlich auf den Baustellen ankommen.
Quellen: Immobilien Zeitung, Tagesspiegel, Gunske Immo, Creo Vorratsgesellschaft 20 GmbH
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