Eine riesige Industriehalle im Norden Spandaus hat eine völlig neue Nutzung erhalten. Bollinger + Fehlig ließen wesentliche Teile des historischen Bestands stehen und bauten innerhalb der alten Strukturen ein dichtes Wohnquartier. Dabei blieb mehr von der früheren Fabrik sichtbar, als es von außen zunächst scheint.

Wohngasse mit Holzfassaden, begrünten Aufenthaltsflächen und erhaltenem Stahltragwerk in der umgebauten Siemens-Industriehalle im Havelufer Quartier.

Wo einst industriell produziert wurde, führt heute eine Wohngasse durch das Havelufer Quartier. Das erhaltene Stahltragwerk der ehemaligen Siemens-Werkhalle bleibt über den neuen Wohnungen sichtbar. / © Foto: Marcus Ebener

© Titelbild: Marcus Ebener

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In Spandau zeigt ein ungewöhnliches Umbauprojekt, wie aus einer früheren Fabrik Wohnraum werden kann. Bollinger + Fehlig Architekten haben eine denkmalgeschützte Werkhalle auf dem ehemaligen Gelände der Siemens-Luftfahrtgerätewerke in eine kleinteilige Wohnsiedlung verwandelt. Statt die große Halle komplett abzureißen, nutzten die Planer ihre vorhandene Struktur als Rahmen für ein neues Quartier.

  • Bezirk: Spandau
  • Adresse: Meta-London-Straße, 13587 Berlin
  • Projektstatus: Fertiggestellt
  • Wohnungen: 142 Mietwohnungen
  • Wohnungsgrößen: Ein bis fünf Zimmer

Die Dimension des Bestands ist beträchtlich. Die frühere Werkhalle misst rund 137 Meter in der Länge. Bollinger + Fehlig integrierten darin 142 Mietwohnungen mit einem bis fünf Zimmern.

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Havelufer Quartier: 142 Wohnungen innerhalb einer alten Siemens-Werkhalle

Die Wohnungen liegen nicht hinter langen, geschlossenen Hausfluren. Stattdessen führen zwei Gassen durch die frühere Halle. Von dort erreichen die Bewohnerinnen und Bewohner ihre Wohnungen jeweils über eigene Haustüren. Zwei größere Gemeinschaftsflächen ergänzen diese innere Struktur.

Seit 2020 arbeiteten die Architekten an der Umwandlung der Industriehalle im Havelufer Quartier. Dabei verschwand die Industriehalle nicht vollständig hinter dem Neubau. Die Planer entfernten zwar die alte Dachhaut, erhielten jedoch wesentliche Außenwände sowie die Stahlkonstruktion. Im östlichen Bereich mussten sechs Achsen des Bestands weichen, um Abstand zu den benachbarten Wohnhäusern zu schaffen. Dort entstand eine neue Fassade; dahinter liegen auch Gewerbeflächen, zum Teil mit zweigeschossigen Räumen.

Blick von oben auf das erhaltene Sheddach der ehemaligen Siemens-Industriehalle und die neuen Wohnungen im Havelufer Quartier in Berlin-Spandau.

Aus der erhöhten Perspektive wird die besondere Struktur der ehemaligen Siemens-Werkhalle sichtbar. Das historische Tragwerk des Sheddachs überspannt die neue Wohnsiedlung im Havelufer Quartier. / © Foto: Marcus Ebener

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Alte Industriearchitektur bleibt im neuen Wohnquartier sichtbar

Vor allem an der Westseite lässt sich die frühere Nutzung aber weiterhin erkennen. Historische Tore, alte Putzflächen und teilweise blinde Drahtglasfenster blieben erhalten. Auch das charakteristische Scheddach prägt die Wahrnehmung des Gebäudes weiterhin. Im Inneren setzen Bollinger + Fehlig dagegen stark auf Holz und unterschiedliche Wohnungstypen. So entstand innerhalb der großen Industrieform eine deutlich kleinere räumliche Struktur.

Die Halle gehört zur denkmalgeschützten Gesamtanlage des früheren Siemens-Luftfahrtgerätewerks in Hakenfelde. Nach Angaben der Berliner Denkmaldatenbank stammt der Entwurf der Anlage von Hans Hertlein aus den Jahren 1936 und 1937. Der Bau begann 1939 und war 1941 abgeschlossen. Zum geschützten Ensemble zählen unter anderem Werk- und Lagerhallen, Kasino, Kesselhaus, Hafenanlagen, Pförtnerhaus und Schornstein.

Neue Wohnhäuser mit Holzfassaden innerhalb der ehemaligen Siemens-Werkhalle im Havelufer Quartier in Berlin-Spandau.

Innerhalb der früheren Industriehalle entstanden kleinteilige Wohnhäuser mit Holzfassaden. Teile der alten Stahlkonstruktion blieben sichtbar und verbinden den Neubau mit dem industriellen Bestand. / © Foto: Marcus Ebener

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Siemens-Luftfahrtgerätewerk: Auch die NS-Geschichte bleibt Teil des Ortes

Mit dem Umbau bleibt deshalb nicht nur Industriearchitektur erhalten. Das Gelände trägt auch eine belastete Geschichte aus der Zeit des Nationalsozialismus. Während des Zweiten Weltkriegs kamen dort Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter zum Einsatz.

Die 142 Wohnungen von Bollinger + Fehlig bilden nur einen Teil des wesentlich größeren Havelufer Quartiers. Aktuelle Projektangaben von Drees & Sommer nennen rund 1.700 Wohnungen, 16 Neubauten und drei Bestandsgebäude auf einer Gesamtfläche von etwa 130.000 Quadratmetern.

Das Quartier gehört zur großräumigen Entwicklung der Wasserstadt Oberhavel. In Hakenfelde entstehen seit Jahren neue Wohnungen, soziale Angebote und öffentliche Einrichtungen. Auch an anderen Stellen in Spandau entstehen derzeit größere Wohnungsbauprojekte.

Havelufer Quartier: Ehemalige Siemens-Werkhalle
Bollinger + Fehlig haben die ehemalige Carossa-Werkhalle im Havelufer Quartier in eine Wohnsiedlung mit 142 Mietwohnungen umgebaut.

 

Quellen: Bollinger + Fehlig Architekten, Landesdenkmalamt Berlin, BauNetz, PATRIZIA, C.F. Møller Architects, Havelufer Quartier

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