Berlin soll ein neues kulturelles Leuchtturmprojekt erhalten: das Haus der Urbanen Künste, auch Urban Dome Berlin genannt. Das Zentrum will urbane Kultur erstmals institutionell verankern und zugleich wirtschaftlich tragfähig machen. Über fünf Jahre hinweg soll ein Raum entstehen, der Kunst, Ausbildung und Community-Arbeit miteinander verbindet.

Hip Hop Ball Urban Artistic

Die Trägerin Urban Artistic, die unter anderem den international beachteten HipHop Ball ausrichtet, verfügt bereits über eine starke Reichweite und ein etabliertes Standing in der urbanen Kulturszene. Mit dieser Erfahrung und ihren laufenden Projekten verfügt sie über Strukturen, die dem Haus der Urbanen Künste eine überregionale Sichtbarkeit ermöglichen. / © Foto: HipHop Ball | Olaf Blecker

© Visualisierung Titelbild: Urban Artistic GmbH

ANZEIGE

 

Berlin gilt seit Jahrzehnten als Magnet für Kreative aus der ganzen Welt. Die Stadt zieht Künstlerinnen und Künstler aus Musik, Tanz und Streetart ebenso an wie internationale Communities. Besonders die Hip-Hop-Kultur prägt das städtische Leben, da sie fünf Elemente – Rap, DJing, Breakdance, Graffiti und Knowledge – vereint und als generationenübergreifende Ausdrucksform wirkt. Ihre Präsenz zeigt sich im Alltag, in Clubs und im Stadtbild.

Gleichzeitig bildet die urbane Kultur einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor. Verschiedene Branchen, von Streetwear bis Sneaker, erzielen Milliardenumsätze. In Deutschland erwirtschaftet die Kultur- und Kreativwirtschaft rund 106 Milliarden Euro pro Jahr und schafft mehr Arbeitsplätze als die Automobilindustrie. Berlin profitiert zusätzlich vom Musik- und Kulturtourismus, der jährlich über eine Milliarde Euro einbringt.

ANZEIGE

Bühnen, Workshops, Community: Was der Urban Dome in Berlin vereinen soll

Vor diesem Hintergrund entsteht die Idee für den Urban Dome Berlin. Das Projekt soll von 2025 bis 2030 eine Institution aufbauen, die Bühnenprogramm, Workshops, Ausbildung, Studioarbeit und Community-Angebote bündelt. Ziel ist eine breite Teilhabe: Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Seniorinnen ebenso wie Menschen mit vielfältigen kulturellen Hintergründen sollen aktiv eingebunden werden.

Hip-Hop dient dabei als verbindendes Element. Unter dem Prinzip „Each One Teach One“ sollen Austausch, Empowerment und gemeinsames Lernen gestärkt werden. Die Trägerorganisationen haben internationale Vorbilder analysiert und eine Struktur entwickelt, die kulturelle und wirtschaftliche Stabilität ermöglichen soll.

Kulturangebot mit Lücke: Fehlende Institution für urbane Kunst in Berlin

Berlin besitzt ein dichtes Netz an Museen, Theatern und Opernhäusern. Ein Zentrum für urbane Künste fehlt jedoch vollständig. Gerade in Bezirken wie Kreuzberg, Mitte oder Moabit leben viele junge Menschen mit Migrationsgeschichte, die sich stärker mit urbaner Kultur als mit klassischer Hochkultur identifizieren. Ein institutioneller Ort könnte diese Lücke schließen und aktuellen gesellschaftlichen Realitäten besser entsprechen, so die Idee der Entwicklerinnen und Entwickler.

ANZEIGE

Auch die soziodemografischen Daten zeigen Urban Artistic GmbH Potenzial. In den anvisierten Bezirken sind bis zu 54 Prozent der Bewohnenden Menschen mit Migrationsbiografie. Gleichzeitig zählt Berlin zu den jüngsten Metropolen Europas, was dem Projekt zusätzlichen Rückhalt gibt.

Einblicke ins Konzept: Studios, Saal und Community-Bereiche auf bis zu 2.500 m² im Urban Dome

Der Urban Dome soll eine Fläche von rund 1.500 bis 2.500 Quadratmetern nutzen. Vorgesehen sind ein Veranstaltungssaal, mehrere Tanz- und Probestudios, ein Musik- und Tonstudio, ein Multimedia-Lab sowie Community-Räume und ein Café. Ein Team aus 15 bis 20 Angestellten soll durch externe Trainerinnen und Trainer, Honorarkräfte und Gastkünstlerinnen und Gastkünstler ergänzt werden.

Finanziert wird das Projekt über eine Dualstruktur. Eine gemeinnützige gGmbH verantwortet Kultur- und Bildungsarbeit, während eine kommerzielle GmbH Einnahmen aus Ticketing, Gastronomie, Sponsoring und Vermietung generiert. Ein Gesamtbudget von rund 20 Millionen Euro ist über fünf Jahre vorgesehen.

ANZEIGE

Standortsuche in Berlin: Warum Mitte und Kreuzberg für den Urban Dome ideal sind

Als Standorte kommen vor allem Mitte oder Kreuzberg infrage. Beide Bezirke sind leicht erreichbar, touristisch gut frequentiert und kulturell geprägt. Zugleich bietet der aktuelle Leerstand im Büro- und Einzelhandelsbereich die Chance, hochwertige Flächen langfristig zu sichern.

Langfristig, so betonen die Projektverantwortlichen, soll sich Berlin mit dem Urban Dome im globalen Wettbewerb behaupten, neben Städten wie Paris, London oder New York. Zugleich soll das Zentrum eine eigene urbane Handschrift entwickeln. Es vereint kulturelle Teilhabe, Ausbildung, wirtschaftliche Impulse und internationale Sichtbarkeit unter einem Dach.

 

Quellen: Urban Artistic GmbH,  EUREF Campus

Jetzt PLUS-Kunde werden

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein PLUS-Abonnement.

Tags (Schlagwörter) zu diesem Beitrag

6 Kommentare

  1. Löwe 29. November 2025 at 06:14 - Reply

    „Mit ca. 4.800 Unternehmen der Modewirtschaft und etwa 25.500 Beschäftigten ist Berlin die deutsche Modehauptstadt mit der höchsten Dichte an Modeunternehmen in Deutschland. Sie erzielten einen Umsatz von ca. fünf Milliarden Euro. “ https://www.businesslocationcenter.de/mode

    „Die Umsätze mit den Alltagsschuhen im sportlichen Design werden demnach voraussichtlich bei 2,8 Milliarden Euro liegen und im kommenden Jahr dann die 3-Milliarden-Marke knacken. “ (Deutschland 2022) https://de.statista.com/infografik/21910/umsatz-mit-sneakern

    • Franz 29. November 2025 at 12:24 - Reply

      Das heißt, dimie dies tragenden Unternehmen würden einen Teil der Finanzierung dieses Hauses städtischer Kultur übernehmen, um Subventionen des Landes Berlin zu vermeiden? Immerhin würden diese Unternehmen ja auch nicht die Ausbildung dieser Künstler-innen tragen müssen, die dann in oder für ihre Unternehmen arbeiten würden . . Oder?

  2. Philipp 29. November 2025 at 23:51 - Reply

    Wenn doch die Architektur nur dem KI generierten Titebild folgen würde…

    • a.t. 1. Dezember 2025 at 11:28 - Reply

      So etwas ähnliches hatte ich zunächst auch gedacht, als ich anfangs ganz ungläubig auf das Bild schaute… Aber ich kam dann schnell wieder zu mir, als der Pawlowsche Alltagsmodus einsetzte… der da automatisch weiß, dass es meistens nicht um Architektur in dieser Stadt geht.

  3. a.t. 1. Dezember 2025 at 11:55 - Reply

    Hat mich vom Kosteneffekt her irgendwie an die Kammern in Deutschland erinnert. Also Strukturen, die sich auch was vom Kuchen abschneiden, aber die keiner braucht…Wenn die freie Wirtschaft der Meinung ist, sich ein solches Optimierungswerkzeug leisten zu wollen oder unbedingt zu brauchen… Gerne doch, aber bitte nicht wieder Steuermittel oder Mittel aus dem Länderfinanzausgleich einfordern und alles wie ein Blasebalg aufblähen! Als jedoch das Wort „gemeinnützig“ auftauchte, schwante es einem sofort, wo der Dauermagnet automatisch hingehalten wird… Das hört irgendwie nicht auf in diesem Land.

  4. M.Hillen 2. Dezember 2025 at 23:51 - Reply

    Wenn ich an Paris, London oder New York denke, dann habe ich nicht nur… aber auch..Bilder immensen Wohlstandes und immensen Reichtums vor Augen. Dementsprechend auch Konsum- und Dienstleistungs- und Unterhaltungsangebote von allerhöchster Qualität. Bei Berlin habe ich keine dementsprechenden Bilder vor Augen. Da fällt mir hauptsächlich nur Schmuddel und Schnotter und Schnorren ein… Bilder einer weitgehend dysfunktionalen, verwahrlosten und heruntergekommenen Stadt. Eine Stadt ohne jeden Charme. Ohne Schönheit. Ohne Eleganz. Dazu ein relativ reizloses Stadtbild, welches von Identität und Historie nahezu nichts überzeugend und begeisternd mitzuteilen vermag.
    Deshalb bin ich etwas irritiert, wenn Berlin in einem Atemzug mit den drei genannten Weltmetropolen genannt wird… als ob es in derselben Liga spielen würde. Das ist aber – leider- nicht der Fall. So viel Ehrlichkeit muss sein!

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.