Am Haus der Statistik entsteht ein neues Quartier mit Wohnungen, Rathaus und Kultur. ENTWICKLUNGSSTADT beantwortet die wichtigsten Fragen zu Planung, Baustart und Fertigstellung.

Zwischen dem Haus der Statistik und den umliegenden Hochhäusern liegen noch freie Flächen und Baustellenbereiche. Hier soll das Quartier in mehreren Etappen weitergebaut werden, wobei sich die Gesamtentwicklung bis in die 2030er Jahre ziehen wird. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT
Am Haus der Statistik nimmt eines der ungewöhnlichsten Stadtentwicklungsprojekte in Berlin konkrete Formen an. Der denkmalprägende DDR-Bestand bleibt erhalten, während ringsum Wohnungen, ein neues Rathaus, Experimentierhäuser und öffentlich zugängliche Freiräume entstehen sollen.
Der inzwischen veröffentlichte Bebauungsplan zeigt genauer als bisher, wie dicht und vielfältig das Quartier werden soll.
- Bezirk: Berlin-Mitte
- Lage: zwischen Mollstraße, Berolinastraße, Karl-Marx-Allee und Otto-Braun-Straße
- Projektstatus: Bebauungsplanentwurf in der öffentlichen Beteiligung
- Wohnungsbau: 278 Wohnungen bis Dezember 2029
- Rathaus Mitte: Baumaßnahmen ab 2029 vorgesehen, Fertigstellung bis 2034
Was entsteht im neuen Quartier am Haus der Statistik?
Das Haus der Statistik wird nicht durch ein geschlossenes Neubauviertel ersetzt. Vielmehr kombiniert die Planung die sanierten DDR-Bauten mit mehreren neuen Gebäuden. Auf dem Areal sollen Wohnen, Verwaltung, Kultur, Bildung, soziale Angebote und Gewerbe zusammenkommen. Hinzu kommen öffentlich zugängliche Freiräume.
Grundlage bildet ein städtebaulicher Entwurf von Teleinternetcafé und Treibhaus Landschaftsarchitektur, der aus einem kooperativen Werkstattverfahren hervorging. Die bestehenden Häuser A bis D bleiben Teil des Quartiers. Die früheren Häuser E, F und G wurden dagegen zurückgebaut, um Platz für die Neubauten zu schaffen.

Entlang des Haus der Statistik wurden die Außenbereiche neu gestaltet und zahlreiche Fahrradstellplätze geschaffen. Der sanierte Bestand bildet künftig einen Teil des deutlich größeren Quartiers am Alexanderplatz. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Wie viele Wohnungen entstehen am Haus der Statistik?
Für den Wohnungsbau ist die landeseigene WBM zuständig. Ihr aktueller Projektsteckbrief nennt 278 Wohnungen, davon 174 geförderte Wohnungen. Außerdem sind 16 Gewerbeeinheiten mit zusammen rund 2.500 Quadratmetern vorgesehen.
Die Wohngebäude entstehen vor allem entlang der Berolinastraße. Die Planung konzentriert damit die Wohnungen auf die vom starken Verkehr der Otto-Braun-Straße abgewandte Seite des Quartiers. In den Erdgeschossen sollen dagegen vor allem gewerbliche, gemeinschaftliche oder öffentlich zugängliche Angebote unterkommen. Wohnungen sind dort grundsätzlich nicht vorgesehen.

Die Sanierung des Haus der Statistik ist an der Fassade und im neu gestalteten Erdgeschoss deutlich sichtbar. Hinter dem Bestandsgebäude soll sich das Quartier künftig bis zur Berolinastraße erstrecken. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Wann beginnt der Wohnungsbau am Haus der Statistik?
Die WBM nennt inzwischen einen konkreten Zeitplan. Demnach soll der Bau der Wohngebäude im Mai 2027 beginnen. Als Bauende gibt die Gesellschaft Dezember 2029 an.
Damit wird sich das Areal am Haus der Statistik über mehrere Jahre gleichzeitig in unterschiedlichen Entwicklungsphasen befinden. Teile der Bestandsgebäude sind bereits saniert und werden genutzt oder ausgebaut, während Wohnungsbau, Experimentierhäuser und Rathaus zeitlich versetzt folgen.
Wie hoch werden die Neubauten im Quartier?
Entlang der Berolinastraße sieht der Bebauungsplan drei größere Baufelder vor. Ein großer Teil der Gebäude orientiert sich mit sieben bis acht Geschossen an der Berliner Blockrandbebauung. Im mittleren Bereich ermöglicht der Plan zusätzlich ein Hochhaus mit 15 Geschossen. Die Neubauten bilden dabei keine durchgehende geschlossene Straßenfront.
Zwischen den Gebäuden bleiben größere Öffnungen, die in den Planungsunterlagen als „Kieznischen“ bezeichnet werden. Sie sollen das Quartier mit der Berolinastraße und der benachbarten Wohnbebauung verbinden. Weitere Durchgänge führen durch beziehungsweise an den Bestandsgebäuden vorbei in Richtung Otto-Braun-Straße. Dadurch soll das Areal trotz seiner dichten Bebauung öffentlich durchquerbar bleiben.

Das Modell veranschaulicht die städtebauliche Einbindung des neuen Rathaus Mitte auf dem Areal des Hauses der Statistik. / © Visualisierung: Atelier Schmelzer Weber Architekten
Was sind die Experimentierhäuser am Haus der Statistik?
Drei zusätzliche Neubauten tragen die Bezeichnungen X1, X2 und X3. Diese sogenannten Experimentierhäuser sollen Nutzungen aufnehmen, die über klassischen Wohnungs- oder Bürobau hinausgehen. X1 ist für nachhaltiges Wirtschaften, Werkstätten und gemeinwohlorientiertes Gewerbe vorgesehen. X2 konzentriert sich auf Bildung, gesellschaftliches Lernen sowie kulturelle Angebote.
X3 soll dagegen unter anderem gemeinschaftliche und inklusive Wohnformen aufnehmen. Auch Gesundheitsangebote und Gewerbeflächen sind dort vorgesehen. Die Gebäude sollen in Holzbauweise entstehen und rückbaufähige beziehungsweise wiederverwendbare Materialien einsetzen.
Nach aktuellem Projektstand ist die Fertigstellung der drei Häuser gestaffelt für die Jahre 2028 bis 2030 geplant; das laufende Vergabeverfahren nennt Ende 2028 für X1, Anfang 2029 für X2 und Mitte 2029 für X3 als derzeitige Zieltermine.

Der Bebauungsplan für das „Haus der Statistik“ verbindet den sanierten DDR-Verwaltungskomplex mit Wohnungen, Kulturflächen, Experimentierhäusern und dem neuen Rathaus Mitte. / © Visualisierung: Teleinternetcafé und Treibhaus
Welche Freiräume bekommt das Quartier am Haus der Statistik?
Zwischen den Neubauten entstehen drei offene Innenbereiche, die das Planungsteam als „Stadtzimmer“ bezeichnet. Sie sollen nicht nur den jeweiligen Gebäuden dienen, sondern auch öffentlich zugänglich sein. Geplant sind Aufenthaltsbereiche, Spielangebote und begrünte Flächen. Gleichzeitig gehören die Freiräume zum Regenwasserkonzept des Quartiers.
Grüne Inseln, neue Bäume und unterirdische Rigolen sollen Niederschläge aufnehmen und zurückhalten. Entlang der Otto-Braun-Straße ergänzt ein öffentlich nutzbares Aktivitätenband die Innenhöfe. Dort sieht die Planung Plätze sowie Sport-, Spiel- und Bewegungsangebote vor.
Welche Rolle spielt das neue Rathaus Mitte?
An der Otto-Braun-Straße soll einer der größten Neubauten des Quartiers entstehen: das neue Rathaus Mitte. Dort will der Bezirk mehrere bislang verteilte Verwaltungsstandorte zusammenführen. Neben Arbeitsplätzen für die Verwaltung sind ein Bürgeramt, eine Bibliothek, eine Kantine, Ausstellungsflächen sowie Räume für die Bezirksverordnetenversammlung vorgesehen. Auch ein öffentlich zugängliches Café gehört zum Entwurf.
Der Siegerentwurf stammt vom Atelier Schmelzer Weber Architekten. Auf dem vorgesehenen Baugrundstück laufen bereits vorbereitende Arbeiten und eine Tiefenenttrümmerung. Der eigentliche Baustart steht jedoch noch nicht fest. Offizielle Angaben sehen Baumaßnahmen ab 2029 und eine Fertigstellung bis 2034 vor.

So soll das neue Rathaus Mitte an der Otto-Braun-Straße nach seiner Fertigstellung aussehen. / © Visualisierung: Atelier Schmelzer Weber Architekten
Was passiert mit dem bestehenden Haus der Statistik?
Die Häuser A bis D wurden beziehungsweise werden für neue Nutzungen hergerichtet. In Teilen des Gebäudekomplexes sind bereits Verwaltungsnutzungen eingezogen. Das Finanzamt Mitte-Tiergarten nutzt Flächen in den Häusern B und C, während die Berliner Immobilienmanagement GmbH Flächen in Haus D und Teilen von Haus A übernimmt.
Haus A spielt eine andere Rolle. Dort entstehen langfristig bezahlbare Räume für Kunst, Kultur, Bildung und soziale Einrichtungen. Rund 50 zivilgesellschaftliche Organisationen sollen dort perspektivisch arbeiten. Damit wird ein Teil des früheren DDR-Verwaltungskomplexes nicht nur baulich erhalten, sondern mit einem grundsätzlich anderen Nutzungskonzept weitergeführt.

Auch die Erdgeschosszonen des Haus der Statistik wurden im Zuge der Sanierung neu gestaltet. Die bestehenden Gebäude sollen mit den geplanten Neubauten zu einem gemischt genutzten Quartier verbunden werden. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Ist der Bebauungsplan für das Haus der Statistik bereits beschlossen?
Der Bebauungsplan 1-105 ist derzeit noch nicht rechtsverbindlich. Der Bezirk Mitte hat den Entwurf am 20. Juli 2026 veröffentlicht. Die Öffentlichkeit kann bis einschließlich 21. August 2026 Stellungnahmen einreichen. Anschließend muss der Bezirk die eingegangenen Hinweise prüfen und gegeneinander abwägen. Abschließend beschlossen ist der Bebauungsplan also noch nicht.
Das Verfahren läuft nach Paragraf 13a Baugesetzbuch als beschleunigtes Verfahren. Der aktuelle Planstand kann sich im weiteren Verfahren daher noch verändern. Für einzelne Teilprojekte existieren jedoch bereits deutlich konkretere Planungen und Termine. Das gilt insbesondere für den WBM-Wohnungsbau, die Experimentierhäuser und das neue Rathaus Mitte.

Neben dem Haus der Statistik sind große Teile des Areals noch unbebaut. Das geplante Quartier soll den bestehenden Gebäudekomplex mit mehreren Neubauten und neuen Freiräumen ergänzen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Wie lange dauert die Entwicklung des Quartiers am Haus der Statistik?
Die vollständige Entwicklung des Quartiers wird sich bis in die 2030er Jahre ziehen. Das liegt daran, dass die einzelnen Bausteine nicht gleichzeitig entstehen. Während Teile des sanierten Bestands bereits genutzt werden und der Wohnungsbau der WBM derzeit für die Jahre 2027 bis 2029 vorgesehen ist, folgen andere Projekte später. Dazu gehören vor allem die Experimentierhäuser und das neue Rathaus Mitte.
Für das Rathaus Mitte sehen die bisherigen Planungen eine Fertigstellung bis 2034 vor. Einen einheitlichen Endtermin für das komplette Quartier gibt es bislang jedoch nicht. Der Zeitplan bleibt außerdem vom weiteren Bebauungsplanverfahren und von den einzelnen Bau- und Vergabeverfahren abhängig.
Quartier Haus der Statistik
Quellen: Bezirksamt Mitte, Bebauungsplan 1-105 und Planbegründung, WBM Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte, KOOP5, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Berliner Stadtwerke, Berliner Morgenpost
Jetzt PLUS-Kunde werden
Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein PLUS-Abonnement.


