Nach Jahren der Übergangslösungen soll ab 2028 am Werner-Voß-Damm am Südkreuz ein neues Haus der Jugend entstehen. Bei einem Informationsabend des Bezirksamts Tempelhof-Schöneberg im November wurden Kritik und Potenziale des Vorhabens diskutiert.

Am Werner-Voß-Damm 47 in Tempelhof-Schöneberg soll das neue Haus der Jugend bis 2030 errichtet werden. 2028 sollen die Bauarbeiten starten. / © Foto: Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg
© Foto Titelbild: Wikimedia Commons, Fridolin freudenfett, CC BY-SA 3.0
Das Haus der Jugend am Südkreuz ist eines der letzten größeren Projekte des Programms Nachhaltige Erneuerung im Fördergebiet Schöneberg‑Südkreuz und soll den lang ersehnten festen Standort für die beiden selbstverwalteten Jugendzentren Potse und Drugstore bieten.
Anfang November 2025 lud das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg zu einem Informationsabend ins Rathaus Schöneberg. Rund 150 Menschen kamen, darunter Jugendliche, Bezirksverordnete und Vertreterinnen und Vertreter der Nachbarschaft. Ziel des Bezirksamt war es, das geplante Projekt vorzustellen und Anregungen für das anstehende Architekturverfahren aufzunehmen.
Haus der Jugend: 800 Quadratmeter Nutzfläche für Jugendliche
Für viele Jugendliche im Bezirk besteht seit Jahren eine große Versorgungslücke: Potse und Drugstore mussten nach ihrer Räumung aus der Potsdamer Straße 2019 auf befristete Ersatzräume an unterschiedlichen Standorten ausweichen. Teilweise liegen diese Räume nun in anderen Stadtteilen, unter anderem in Lichtenberg, und stehen nur für ein begrenztes Angebote zur Verfügung.
Das neue Haus der Jugend soll diese Lücke schließen. Geplant sind rund 800 Quadratmeter Nutzfläche am Werner-Voß-Damm 47, unweit des Bahnhofs Südkreuz. In dem Neubau sollen Werkstatträume für Holz- und Keramikarbeiten sowie eine kleine Bühne für Konzerte, Partys und Lesungen untergebracht werden. Proben-, Seminar- und Sporträume sollen das Angebot ergänzen.
Bauarbeiten am Werner-Voß-Damm sollen 2028 beginnen
Nach Angaben der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen soll der Neubau ökologisch und nachhaltig gebaut werden: möglichst aus nachwachsenden Rohstoffen und wiederverwendbaren beziehungsweise rückbaubaren Materialien. Außerdem sollen architektonische Maßnahmen zu Lärmreduzierung und Schallschutz ergriffen werden.
Die Gesamtkosten für den Neubau liegen bei rund 7,2 Millionen Euro. Finanziert werden soll das Projekt zu etwa 75 Prozent durch Mittel der Städtebauförderung, die restlichen 25 Prozent soll der Bezirk übernehmen.
Mitte 2026 soll der Architekturwettbewerb mit der Entscheidung für einen Siegerentwurf beendet werden. Die Bauarbeiten sollen danach planmäßig im Jahr 2028 beginnen. Die Fertigstellung ist für 2030 vorgesehen.
Kritik aus der Nachbarschaft: Sorge um Lärm am neuen Standort
Trotz aller Perspektive für die Jugendlichen des Bezirks ist der Standort nicht unumstritten. Beim Infoabend meldeten sich Anwohnerinnen und Anwohner aus der angrenzenden Gartenstadt zu Wort: Viele äußerten die Sorge um Lärm im öffentlichen Raum und die Vermüllung der Nachbarschaft. Für sie ist der Werner-Voß-Damm als Standort problematisch, man hätte lieber Baufeld 9 in der Ella-Barowsky-Straße weiter diskutiert gesehen.
Im Austausch mit den anwesenden Jugendlichen konnten erste Bedenken ausgeräumt werden. Man habe an den Standorten zuvor guten Kontakt mit der Nachbarschaft gepflegt und Probleme seien in Einvernehmen gelöst worden. Gegen Lärm helfen Pegelmesser, die Architektur des neuen Hauses und Aufklärung der Jugendlichen. Vereinbarungen, klare Regeln und Ansprechpersonen sollen Störpotenziale minimieren.
Wandel am Südkreuz: Haus der Jugend sorgt für kulturelle Ergänzung
Das Haus der Jugend am Südkreuz steht symbolisch für den städtebaulichen Wandel im Fördergebiet Schöneberg-Südkreuz. Wo früher Gewerbe, Bahnanlagen und wenig genutzte Areale dominierten, entsteht heute ein gemischtes Quartier aus Wohnungen, Büros, Grünflächen und Infrastruktur. Mit dem Haus der Jugend wird das Quartier in den kommenden Jahren um eine wichtige soziale und kulturelle Komponente ergänzt.
Quellen: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg von Berlin
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