Das „Haus der Gesundheit“ in Hellersdorf steht seit 2014 leer. Nun sucht der Bezirk einen Partner, der das Gebäude saniert und dauerhaft für soziale, gesundheitliche und ergänzende Büroangebote nutzt.

Das „Haus der Gesundheit“ in Hellersdorf: Ursprünglich entstand das Gebäude noch in der DDR als Poliklinik für die Großsiedlung Hellersdorf und diente später unter anderem Arztpraxen und dem Gesundheitsamt. / © Foto: Wikimedia Commons, 44penguins (Angela M. Arnold), CC BY-SA 3.0
© Titelbild: Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf
Vernagelte Fenster, Graffiti und ein beschädigter Schriftzug prägen seit Jahren das Bild an der Etkar-André-Straße. Das frühere „Haus der Gesundheit“ gilt inzwischen als einer der auffälligsten Lost Places in Hellersdorf. Mehrere Nutzungsideen verliefen bislang im Sande. Nun hat der Bezirk ein neues Verfahren gestartet, das erstmals konkrete Bedingungen für die Zukunft des Gebäudes festlegt.
- Bezirk: Marzahn-Hellersdorf
- Adresse: Etkar-André-Straße 8, 12619 Berlin
- Leerstand: seit 2014
- Frühere Nutzung: Arztpraxen, Apotheke und Gesundheitsamt
- Geplante Nutzung: soziale und gesundheitliche Infrastruktur sowie ergänzende Büroflächen
Das Gebäude entstand noch in der DDR als Poliklinik für die neu errichtete Großsiedlung Hellersdorf. Nach der Wiedervereinigung nutzten Arztpraxen, eine Apotheke und das Gesundheitsamt den Komplex unter dem Namen „Haus der Gesundheit“. Wegen erheblicher Mängel beim Brandschutz schloss der Standort 2014 vollständig. Seitdem blieb das Haus ungenutzt.
Lost Place in Hellersdorf soll über Erbbaurecht reaktiviert werden
Der Zustand hat sich während des langen Leerstands weiter verschlechtert. Der Bezirk spricht von einem hohen Sanierungsbedarf und sichtbaren Folgen des Vandalismus. Fenster und andere Zugänge wurden gesichert. Die Liegenschaftsverwaltung kontrolliert das Gebäude unangekündigt und in unregelmäßigen Abständen. Sie geht zudem Hinweisen aus der Bevölkerung nach. Eine Zwischennutzung schließt der Bezirk im gegenwärtigen Zustand aus.
Doch jetzt zeichnet sich eine Wende ab: Seit dem 1. Juli 2026 läuft ein Interessenbekundungsverfahren. Der Bezirk möchte damit weitere Interessenten gewinnen und das Grundstück samt Gebäude über ein Erbbaurecht vergeben. Träger, Organisationen und Unternehmen können ihre Konzepte nach den veröffentlichten Unterlagen bis zum 31. August 2026 einreichen.
„Haus der Gesundheit“: Soziale Angebote bleiben zentrale Vorgaben
Der künftige Partner soll das „Haus der Gesundheit“ sanieren, entwickeln und anschließend betreiben. Dabei verlangt der Bezirk mehr als ein wirtschaftlich tragfähiges Immobilienkonzept. Vorgesehen ist eine Mischung aus sozialer Infrastruktur und Büroflächen.
Reine Wohnprojekte, reine Lagernutzungen sowie Bürostandorte ohne erkennbaren öffentlichen Mehrwert scheiden aus. Auch Vergnügungsstätten kommen nach den Ausschreibungsbedingungen nicht infrage. Ziel bleibt eine dauerhafte gesundheitliche und soziale Versorgung am Standort.
„Haus der Gesundheit“ kann nicht vom Bezirk saniert werden
Das Bezirksamt betrachtet die Lage als wichtigen Vorteil. Das Grundstück befindet sich in einem Nahversorgungszentrum zwischen der Etkar-André-Straße und der Neuen Grottkauer Straße. Im direkten Umfeld liegen unter anderem Einzelhandelsgeschäfte, Arztpraxen, eine Bibliothek, eine Familienberatung sowie das Zentrum für sexuelle Gesundheit. Der U-Bahnhof Kienberg der Linie U5 und mehrere Buslinien sind zu Fuß erreichbar.
Bereits vor dem neuen Verfahren führte der Bezirk Gespräche mit mehreren potenziellen Investoren. Erste Entwürfe sehen gesundheitliche oder soziale Angebote vor. Ein vollständiges Nutzungskonzept lag im Juni 2026 jedoch noch nicht vor. Zugleich erklärte das Bezirksamt, dass es eine rein kommunale Nutzung grundsätzlich weiterhin begrüße. Wegen fehlender Haushaltsmittel halte es dieses Modell derzeit aber nicht für realistisch. Eine Sanierung aus eigenen Mitteln könne der Bezirk ebenfalls nicht finanzieren.
Frühere Konzepte für das „Haus der Gesundheit“ blieben ohne Finanzierung
In den vergangenen Jahren ließ die öffentliche Hand bereits mehrere Varianten untersuchen. Eine Machbarkeitsstudie prüfte ein allgemeines Verwaltungsgebäude, einen Standort für das Gesundheitsamt sowie eine Kombination aus Arztpraxen, betreutem Wohnen, Pflegewohnen und Seniorenwohnungen. Die Umsetzung scheiterte an der Finanzierung.
Ob nun durch das neue Verfahren tatsächlich zu einem Vertrag zustande kommt, bleibt offen. Die Hürden sind weiter hoch. Bewerber müssen neben einem Nutzungskonzept ihre finanzielle Leistungsfähigkeit und Erfahrungen mit vergleichbaren Immobilien nachweisen. Auch die Prüfung des Erbbaurechts ist formal noch nicht abgeschlossen. Die Zukunft des „Hauses der Gesundheit“ in Hellersdorf bleibt damit vorerst weiter offen.
„Haus der Gesundheit“ (Hellersdorf)
Quellen: Schriftliche Anfrage an das Abgeordnetenhaus von Berlin, Drucksache 19/26536 und 19/26335, Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf
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