Wegner und Woidke werben für eine stärkere Rolle der Hauptstadtregion im internationalen Luftverkehr. Lufthansa und andere europäische Airlines sehen darin jedoch vor allem unerwünschte Konkurrenz – und bremsen damit die wirtschaftliche Entwicklung der Hauptstadtregion bewusst aus.

Der BER gilt als Schlüssel für die wirtschaftliche Entwicklung Berlins, Brandenburgs und Ostdeutschlands. Trotzdem bleiben neue Langstreckenverbindungen politisch und wirtschaftlich umkämpft. / © Foto: Oliver Lang, FBB

© Titelbild: Oliver Lang, FBB

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Seit seinem Amtsantritt als Regierender Bürgermeister Berlins spricht Kai Wegner bei jeder sich bietenden Gelegenheit – zuletzt Ende Januar 2026 auf dem IHK-Kongress zum Thema „Weltmetropole Berlin“ – über die internationalen Perspektiven der Hauptstadtregion.

Dabei redet Wegner nicht nur über die Perspektiven der deutschen Hauptstadt, sondern bindet in seinen Ausführungen Brandenburg als unmittelbaren Nachbarn direkt mit ein. Die Beziehung zwischen den beiden Regierungschefs Wegner (CDU) und Woidke (SPD) war in den letzten Monaten noch nie so gut wie jetzt. Das deutet auf einen Bewusstseinswandel auf beiden Seiten hin.

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Wegner und Woidke appellieren: BER mit großem Entwicklungspotenzial

Gemeinsam appellierten sie an die Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz, die Hauptstadtregion hinsichtlich ihrer wirtschaftlichen Entwicklung stärker zu unterstützen. Ein wesentlicher Faktor für die weitere Entwicklung der Hauptstadtregion zu einer Metropolregion ist der Flughafen BER in Schönefeld. Als Großflughafen konzipiert und nach anfänglichen Problemen mittlerweile gut funktionierend, spielt er eine zentrale Rolle für die Region.

Doch nicht nur für die Hauptstadtregion ist der BER von Bedeutung, sondern für Ostdeutschland insgesamt. Deshalb reagierten beide Regierungschefs auch positiv auf die seitens der Bundesregierung geäußerte Bereitschaft, sich mit diesen Fragen zu beschäftigen und die Reise einer deutschen Wirtschaftsdelegation unter Führung des Bundeskanzlers an den Persischen Golf zu nutzen, um mit den Vereinigten Arabischen Emiraten über weitere Interkontinentalverbindungen nach Deutschland – konkret auch für den Hauptstadtflughafen BER – zu verhandeln.

Reaktion der Bundesregierung: Standort BER soll gestärkt werden

Dass der Wille des Bundeskanzlers vorhanden ist, dem Standort Deutschland mehr wirtschaftliche Dynamik zu verleihen, bleibt unbestritten. Die Ambitionen der Region Berlin-Brandenburg sind ihm ebenso bekannt.

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Die Regierungschefs beider Länder wollen ihn dabei tatkräftig unterstützen. Die anstehende Olympiabewerbung Berlins oder die ernsthaft in Erwägung gezogene Ausrichtung der Weltausstellung 2035 sind beredte Beispiele dafür.

Berliner und Brandenburger wollen mehr Direktflüge vom BER ohne unnötige Umstiege

Aus diesem Grund erwarten nun die Menschen und Unternehmen in der Hauptstadtregion, dass es am BER mehr Direktverbindungen gibt, ohne unnötige und ökologisch fragwürdige Umstiege an anderen deutschen oder europäischen Flughäfen.

Kai Wegner und Dietmar Woidke teilten in einer gemeinsamen Erklärung mit, dass eine Direktverbindung in eine wichtige Wachstumsregion den Wirtschaftsstandort Deutschland insgesamt stärken, mehr Investitionen in die Region bringen und neue Arbeitsplätze schaffen werde.

Der große Bremser am BER: Die Lufthansa fürchtet Konkurrenz

Nach vielen Jahren des Stillstands scheint nun Bewegung in die Sache zu kommen. Friedrich Merz äußerte gegenüber Journalisten, dass eine Wiederbelebung des Wirtschaftswachstums in Deutschland unmittelbar auch mit einer Stärkung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit des Luftverkehrs einhergehe.

Für den Emirates-Konkurrenten Lufthansa ist das allerdings keine gute Nachricht. Denn der BER in Schönefeld spielt in den Überlegungen der Lufthansa bislang eine untergeordnete Rolle. Die für das Unternehmen entscheidenden Langstreckenflüge werden über die Drehkreuze Frankfurt am Main und München abgewickelt.

Lufthansa: Ein weiteres Drehkreuz in der Hauptstadtregion ist nicht erforderlich

Die Lufthansa argumentiert, ein weiteres Luftfahrtdrehkreuz in der Hauptstadtregion sei nicht erforderlich, da es nicht genügend Passagiere gebe. Kritiker halten dagegen, dass es in Wahrheit darum gehe, die Konkurrenz aus dem Nahen Osten mit einem weiteren Standort auf dem deutschen Markt kleinzuhalten.

Zudem verweist die Lufthansa noch darauf, dass die Bundesregierung seit vielen Jahren weitere Landerechte für Fluggesellschaften aus den Vereinigten Arabischen Emiraten ablehne. Als Grund werden unter anderem europäische Regeln hinsichtlich Klima-, Verbraucher-, Wettbewerbs- und Sozialstandards genannt.

Konkurrenz aus dem Nahen Osten: VAE-Airlines erkennen Berliner Potenzial

Es ist davon auszugehen, dass sich renommierte Fluggesellschaften davon nicht beeindrucken lassen, denn das Interesse an Berlin besteht schon seit längerem. Da Emirates bereits an vier deutschen Standorten präsent ist – Frankfurt, München, Düsseldorf und Hamburg –, verweigerte die Bundesregierung bislang weitere Flugrechte.

Einen Slot-Antrag am BER hat Emirates dennoch gestellt. Dies sei ein vorsorglicher Routineschritt, um Berlin als fünftes deutsches Flugziel anzufliegen, so ein Sprecher der Airline. Ungeachtet dessen versucht die Lufthansa, diese Konkurrenz in Europa nicht zuzulassen, und steuert mit massiver Lobbyarbeit dagegen.

Europäische Airlines kämpfen gegen Ausweitung der Aktivitäten von Emirates

Auch andere große europäische Airlines wie British Airways oder Air France-KLM kämpfen gegen eine Ausdehnung der Emirates-Flugrechte in Europa. Sie argumentieren, dass durch eine weitere Expansion der Airlines vom Persischen Golf aus ihrer Sicht unfaire Wettbewerbsbedingungen entstünden. Den heimischen Fluggesellschaften würde dies schaden und wirtschaftliche Unsicherheit erzeugen.

Die Interessenlage wirkt widersprüchlicher denn je. Einerseits reist der Bundeskanzler in die Golfregion, um den Wirtschaftsstandort Deutschland, insbesondere auch die Hauptstadtregion, mit weiteren interkontinentalen Flugverbindungen wettbewerbsfähiger zu machen.

Ver.di unterstützt Lufthansa, während Friedrich Merz Kontakte zur Golfregion sucht

Andererseits regt sich im eigenen Land erheblicher Widerstand, ausgerechnet von der Lufthansa, die gemeinhin als nationale deutsche Airline wahrgenommen wird, obwohl sie vollständig privatisiert ist. Auch die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di unterstützt die Lufthansa und bezeichnet die Vergabe weiterer Flugrechte an Emirates oder Etihad als „Standortschwächung“.

Geplant war seitens des Bundesverkehrsministeriums, den beiden VAE-Airlines Emirates (Dubai) und Etihad (Abu Dhabi) nach zwanzigjährigem Bemühen einen täglichen Anflug zum Berliner Hauptstadtflughafen zu erlauben. Geblieben ist nun – nach massiver Einflussnahme der Lufthansa, zusätzlich unterstützt von Ver.di – eine Flugverbindung an lediglich zwei Tagen pro Woche.

Lufthansa und Ver.di verhindern bewusst eine Expansion des Flughafens BER

Damit hat man nicht nur die VAE-Airlines verärgert, sondern auch verhindert, dass die Hauptstadtregion inklusive ihres Flughafens in Schönefeld neue Möglichkeiten zum Ausbau interkontinentaler Verbindungen erhält.

Ob diese von außen und aus Konkurrenzinteressen erzeugten Einschränkungen einem fairen Wettbewerb entsprechen, müssen die Verantwortlichen bewerten. Fest steht: Der strukturellen Unterversorgung der größten deutschen Stadt mit bald vier Millionen Einwohnern hat man damit erneut einen Bärendienst erwiesen, auch Brandenburg und Ostdeutschland sind davon betroffen.

Quellen: DIE ZEIT, Flughafen BER, Der Tagesspiegel, Der Spiegel, Ver.di, Lufthansa

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8 Kommentare

  1. Max 18. Februar 2026 at 17:09 - Reply

    Ein Beispiel für das verkrustete Deutschland, dass in München und Frankfurt entschieden wird was Berlin machen darf.

  2. Markus 18. Februar 2026 at 19:11 - Reply

    An dieser Stelle rächt sich die Abwicklung der Wiedervereinigung über Artikel 23alt GG (was ich aber ansonsten befürwortet hatte). Durch den Beitritt der Neuen Länder wurde der Status Quo Westdeutschlands nicht in Frage gestellt und alte Pfründe gelten bis heute. Die eigentliche Sauerei ist hier, dass vergangene Verkehrsminister (insbesondere von der CSU die München pushen wollte) die Lufthansa bei ihrer Abriegelungspolitik gegenüber Berlin noch unterstützt hatten. Ich hoffe das Endet irgendwann.

  3. Max 18. Februar 2026 at 22:50 - Reply

    Die Lufthansa wird diesen Kampf langfristig verlieren. Der Metropolraum Berlin unterliegt seit 20 Jahren einem organischen und anhaltenden Wachstum, wirtschaftlich wie demografisch. Der Bedarf nach Flugkapazitäten wird also nur wachsen, wachsen, wachsen, was bestimmte Langstreckenverbindungen wirtschaftlich machen wird.
    Der Markt wird sich hier durchsetzen. Und wenn die Lufthansa nicht imstande ist oder aufgrund unternehmerischer Entscheidungen nicht will, werden andere in diese sich auftuenden Marktlücken stoßen. Ob heute, morgen, in einem, in 5 oder in 10 Jahren. Es wird passieren und die Lufthansa wird diesen Kampf verlieren. Der Druck steigt. Berlin wird in den nächsten Jahren irgendwann die bedeutsame 4-Millionen-Marke überschreiten, gleichzeitig auch das BIP auf über 200 Milliarden wachsen. Das sind Zahlen, die auch die Politik dann nicht mehr ignorieren kann, da kann die Lufthansa-Lobby dann auch Loopings fliegen, es wird nichts nützen, wenn der Bedarf am Markt immer weiter steigt.

  4. Böhme 19. Februar 2026 at 01:33 - Reply

    Ich habe es jetzt leider auf die Schnelle nicht gefunden, aber der Bericht ist im Ergebnis unvollständig. Die Slot-Vergabe erfolgt ja im Gegenseitigkeitsverhältnis. Und soweit ich mich erinnere, wollen die Vereinigten Arabischen Emirate (VAR) zwar in Berlin Slots haben, aber ihrerseits Lufthansa & Co. keine zusätzlichen Slots in den VAR einräumen.

    Unabhängig davon gibt es im – ausnahmslos westlich geführten – Lufthansavorstand keinerlei Bereitschaft, im Osten ein weiteres Drehkreuz (was ohne Weiteres möglich wäre) zu eröffnen. Und hierbei wird man über die Landesregierungen hinaus auch von den „Wessis“ in der Bundesregierung unterstützt.

    Es zeigt allerdings auch die völlig Unfähigkeit der Berliner und brandenburgischen Provinzpolitiker – sprich Wowereit und Platzeck und Entourage, mit solchen Situationen umzugehen. Ganz früh hatte sich bereits die Lufthansa als weitestgehend Staatsunternehmen erklärt, Berlin nicht zum dritten Drehkreuz zu erheben und nach Möglichkeit Direktverbindungen zu verhindern. Und es war klar, dass das in der maßgeblichen Zeit von der CSU besetzte Verkehrsministerium alles tun würde, um eine Aufwertung des BER zu verhindern, um den Münchener Flughafen zu schützen.

    Man war nur fassungslos, als Wowereit stolz Mehdorn als Geschäftsführer des BER präsentierte, war klar, dass der Anfang vom Ende Wowereits und der Anfang vom Ende der Lösung des BER war. Dann kam Mühlenfeld, der einen Technikchef von Siemens präsentierte, der die von Siemens verantwortete nicht funktionierende Entrauchungsanlage funktionabel machen sollte. Der BER ist meines Erachtens Opfer einer Aneinanderreihung von politischem Dilettantismus in Brandenburg und Berlin und aktiver Sabotage aus dem Bundesverkehrsministerium unter Mitwirken der Bundesländer Bayern und Hessen.

    • Max 19. Februar 2026 at 11:32 - Reply

      Die LH hat ja Slots om Dubai, lässt diese aber mit den popeligen Eurowings-Fliegern bedienen, statt mit Lufthansa Maschinen.

  5. Charlottenburger 19. Februar 2026 at 12:47 - Reply

    Flughäfen sind enorme Dreckschleudern. Man sollte den BER dauerhaft schließen. Das ist ein Symbol der Jetset- und Flugzeug-gerechten Stadt.

    • Max 19. Februar 2026 at 13:58 - Reply

      man könnte Deutschland in ein grosses Disneyland verwandeln und Eintritt nehmen. Einreise aber nur auf dem Landweg.

  6. Arne 2. März 2026 at 21:06 - Reply

    Die Golf-Airlines wären auch nur „Zubringer“-Airlines. Durch sie würde der BER zu keinem Hub. Dazu bräuchte es eine Airline von Skyteam oder Oneworld, die den BER einerseits Langstreckenverbindungen bringt und andererseits mit europäischen Metropolen (und einigen deutschen Städten) verbindet.

    Im Übrigen könnte Emirates bereits jetzt den BER anfliegen, nur müssten sie dafür einen anderen deutschen Flughafen aufgeben.

    Jede Anstrengung mit Lufthansa hinsichtlich eines Drehkreuzes in BER ist hingegen komplett verschwendete Zeit. Die haben bereits sechs/sieben Drehkreuze in Mitteleuropa: Frankfurt und München (LH), Zürich (Swiss), Wien (Austrian), Brussels (Brussels), und jetzt kommt noch ITA/Alitalia mit Mailand und Rom dazu.

    Warum die Airlines aus den anderen Allianzen nicht beim BER zuschlagen, kann man sich auch denken. Das liegt nicht am angeblich schlechten Einzugsgebiet. Die fürchten ein Kampf mit Lufthansa, sowie ihn die Lufthansa derzeit gegen Condor austrägt oder damals gegen Easyjet. Sobald Lufthansa sich in seinem Einzugsgebiet bedroht sieht, schicken so viele Flieger und niedrige Preise auf den Flughafen, dass die anderen Wettbewerber da nicht lange mithalten können. Und an dieser Achillesverse muss der BER ansetzen, wenn er sich als Hub etablieren möchte – in dem er LH nicht bevorzugt behandelt und neue Strecken nach Berlin hingegen zu Beginn fördert.

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