In Kreuzberg wird ein ehemaliges Bürogebäude zur Aufnahmeeinrichtung für Geflüchtete umgebaut. Das Vorhaben bringt neue Kapazitäten, wirft jedoch auch Fragen zur Einbindung in den Sozialraum auf.

Ein ehemaliges Bürogebäude an der Hasenheide wird zu einer Flüchtlingsunterkunft mit 921 Plätzen umgebaut. Ein Teil dient künftig als Schulfiliale der Nelson-Mandela-Schule für Willkommensklassen. / © Foto: IMAGO
© Titelbild: Wikimedia Commons, Gunnar Klack, CC BY-SA 4.0
An der Hasenheide in Berlin-Kreuzberg entsteht derzeit eine neue Aufnahmeeinrichtung des Landesamts für Flüchtlingsangelegenheiten. Das rund 35.800 Quadratmeter große Bestandsgebäude wurde zuvor als Büro genutzt und wird nun umfassend für die Unterbringung von Geflüchteten umgebaut. Die Einrichtung ist als Teil der sogenannten Regelstruktur vorgesehen und richtet sich an Asylsuchende, die einer gesetzlichen Wohnverpflichtung unterliegen.
Der Standort liegt in der Bezirksregion Tempelhofer Vorstadt und gilt als verkehrsgünstig angebunden. Laut Senatsverwaltung ermögliche die zentrale Lage eine vergleichsweise gute Erreichbarkeit von Behörden und Beratungsangeboten. Gleichzeitig betont der Senat, dass die langfristige Nutzung über zehn Jahre eine stabilere Planung sozialer Infrastruktur im Umfeld erlauben könne.
Umnutzung eines ehemaligen Bürogebäudes an der Hasenheide
Die geplante Kapazität der Einrichtung liegt laut Senatsverwaltung für Arbeit und Soziales bei insgesamt 921 Plätzen. Davon entfallen 758 Plätze auf den westlichen Gebäudeteil und 163 Plätze auf den östlichen Teil. Ergänzend ist vorgesehen, in Notsituationen zusätzliche Kapazitäten durch eine dichtere Belegung zu schaffen.
Insgesamt entstehen 514 Zimmer, die je nach Größe mit ein bis vier Personen belegt werden können. Innerhalb des Gebäudes sind verschiedene Nutzungen vorgesehen. So soll im östlichen Teil eine separate Einrichtung für besonders schutzbedürftige Personen entstehen, die nach aktuellem Planungsstand insbesondere Frauen aufnehmen soll.
Schultrakt, Gemeinschaftsräume und Angebote für Integration vorgesehen
Ein Teil des Gebäudes wird für schulische Zwecke genutzt. Im Vorderhaus eines Gebäudeteils ist ein Beschulungstrakt geplant, der als Filiale der Nelson-Mandela-Schule betrieben werden soll. Vorgesehen sind dort zwölf sogenannte Willkommensklassen. Die Beschulung sei als temporäre Maßnahme angelegt, mit dem Ziel, die Integration in das reguläre Schulsystem zu ermöglichen.
Darüber hinaus umfasst das Gebäude umfangreiche Gemeinschaftsflächen. Insgesamt sind 51 Aufenthaltsräume mit rund 2.250 Quadratmetern vorgesehen. Diese sollen für Beratungsangebote, Gruppenaktivitäten und weitere soziale Nutzungen zur Verfügung stehen. Zusätzlich wurde dem Bezirk angeboten, Teile der Flächen, darunter ein ehemaliges Restaurant, für integrative Angebote anzumieten.
Betrieb der Aufnahmeeinrichtung für Geflüchtete: Versorgung über Catering und soziales Angebot
Die Versorgung der Bewohner erfolgt über ein zentrales Catering, das in einer vorhandenen Großküche im Gebäude organisiert wird. Hintergrund ist, dass die untergebrachten Personen keine Mittel zur Selbstversorgung erhalten. Ergänzend stehen im östlichen Gebäudeteil Teeküchen zur Verfügung.
Für die Betreuung ist ein erhöhter Personalschlüssel vorgesehen. Neben Sozialarbeit und Kinderbetreuung sollen auch psychosoziale Beratungsangebote bereitgestellt werden. Entsprechende Räume sind im Gebäude eingeplant.
Kreuzberg: Fertigstellung und Inbetriebnahme der Anlage ab Ende 2026 geplant
Die bauliche Fertigstellung der Anlage wird für das zweite Quartal 2026 erwartet. Die Inbetriebnahme des westlichen Gebäudeteils ist für das vierte Quartal 2026 vorgesehen. Für den östlichen Teil wird ebenfalls ein Start im selben Zeitraum angestrebt, wobei hier noch Änderungen im Nutzungskonzept zu Verzögerungen führen könnten.
Aus Sicht des Senats könnten größere Einrichtungen wie diese wirtschaftlicher betrieben werden als kleinere Standorte. Gleichzeitig wird im Dokument darauf verwiesen, dass auch kurzfristig eingerichtete Notunterkünfte ähnliche Herausforderungen für den Sozialraum mit sich bringen können. Die langfristige Nutzung soll daher auch dazu beitragen, Strukturen im Umfeld schrittweise anzupassen.
Quellen: Abgeordnetenhaus Berlin, Schriftliche Anfrage, Drucksache 19 / 25 493, Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg
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