In Hamburg wachsen die Proteste gegen neue Regeln bei der Schulbegleitung. Eltern, Verbände und Gewerkschaften warnen vor Folgen für Inklusion, die Schulbehörde verweist auf steigende Fallzahlen und Kosten.
© Titelbild: depositphotos.com
Hamburg diskutiert über Inklusion an Schulen. Es geht um Kinder, die im Alltag Hilfe brauchen, um Eltern, die um Unterstützung fürchten, und um eine Schulbehörde, die ihr System neu ordnen will. Der Streit zeigt ein Problem, das weit über Hamburg hinausreicht: Es fehlt an Personal, Geld und Vertrauen.
Im Kern geht es um Kinder mit Behinderung oder drohender Behinderung. Schulbegleitungen helfen ihnen bei Orientierung, sozialen Situationen, alltäglichen Abläufen und der Teilhabe am Unterricht. Genau diese Hilfe will Hamburg neu organisieren. Die Schulbehörde spricht von Weiterentwicklung, nicht von Kürzung. Eltern und Verbände sehen das anders.
Inklusion in Hamburg: Was sich bei der Schulbegleitung ändern soll
Die Behörde verweist auf stark gestiegene Zahlen. Im Schuljahr 2014/2015 wurden 1.574 Schulbegleitungen bewilligt. Im Schuljahr 2025/2026 sind es 4.011 Fälle. Auch die Kosten stiegen deutlich: von 6,75 Millionen Euro im Jahr 2014 auf rund 42,15 Millionen Euro im Jahr 2025. Für 2027 rechnet die Behörde mit 44 Millionen Euro.
Künftig sollen mehrere Kinder häufiger gemeinsam unterstützt werden. FSJ-Kräfte sollen zentraler in sogenannten Kombinationsmaßnahmen eingesetzt werden. Fachkräfte sollen nur noch in Ausnahmefällen bewilligt werden. Für bestimmte Förderbedarfe, etwa Lernen, Sprache oder emotionale und soziale Entwicklung, soll zunächst ein Schuljahr lang geprüft werden, welche Unterstützung die Schule selbst leisten kann.
Neue Regelungen sollen ab dem Schuljahr 2026/27 in Kraft treten
Die neuen Regelungen sollen nach Angaben der Schulbehörde mit dem Schuljahr 2026/27 in Kraft treten. Die öffentliche Debatte läuft jedoch bereits, weil Schulen und betroffene Familien erste Informationen und Bescheide erhalten haben.
Schulsenatorin Ksenija Bekeris weist den Kürzungsvorwurf zurück. Sie erklärt, Hamburg stelle auch im nächsten Haushalt mehr Geld für Schulbegleitung bereit. Zugleich sagt die Behörde, die Bewilligungspraxis sei zuletzt teilweise zu weit gefasst worden. Einzelfälle sollen nach Angaben der Senatorin erneut geprüft werden. Eine Höchstgrenze für Bewilligungen soll es nicht geben.
Proteste in Hamburg: Eltern fürchten weniger Hilfe im Schulalltag
Viele Eltern überzeugt das nicht. Einige berichten, ihnen seien bereits reduzierte Stunden oder auslaufende Hilfen mitgeteilt worden. Besonders groß ist die Sorge dort, wo Kinder nicht nur gelegentlich Unterstützung brauchen, sondern ständig: beim Essen, auf Treppen, bei Konzentration, Orientierung oder sozialem Kontakt.
Auch Verbände kritisieren die Pläne scharf. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft spricht von Sparmaßnahmen zulasten von Kindern. Der Paritätische Wohlfahrtsverband fordert, die Änderungen auszusetzen. Auch der Sozialverband Hamburg, die Schüler:innenkammer Hamburg und Vereine für Menschen mit Behinderung stellen sich gegen die geplante Neuordnung.
In der Hamburgische Bürgerschaft warf die Linke dem Senat vor, Kindern Schulbegleitung zu nehmen. Die CDU kritisierte die Verunsicherung bei Eltern, Schülern und Schulen. Die Grünen räumten Kommunikationsfehler ein, widersprachen aber der Darstellung eines Kahlschlags.
Inklusion: Warum nicht nur Hamburg ein Problem hat
Der Konflikt zeigt ein strukturelles Problem – nicht nur für Hamburg. Denn Inklusion braucht verlässliche Unterstützung, doch qualifiziertes Personal fehlt vielerorts. Wenn Schulen ohnehin unter Druck stehen, geraten Schulbegleitungen schnell in eine Rolle, die sie nicht ausfüllen sollen. Für Kinder mit bewilligtem Bedarf kann das gravierende Folgen haben.
Hamburg steht damit nicht allein. Auch andere Bundesländer ringen mit Personalmangel, steigenden Förderbedarfen und überlasteten Schulen. Der aktuelle Streit in Hamburg macht aber sichtbar, wie schnell eine Verwaltungsreform zur Vertrauensfrage wird. Noch ist offen, wie die angekündigten Einzelfallprüfungen ausfallen und ob die Behörde ihre Pläne noch verändert.
Quellen: ZDFheute, NDR, Stern
Jetzt PLUS-Kunde werden
Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein PLUS-Abonnement.
Tags (Schlagwörter) zu diesem Beitrag
One Comment
Hinterlasse einen Kommentar Antwort abbrechen
Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.



Warum weigern sich die Eltern häufig ihre Kinder in die Förderschule zu geben? Hier hätten sie in kleinen Gruppen die notwendige Unterstützung, die sie ihren Kindern damit verweigern. Sie wollen cnach außen verschleiern ein förderungsbedürftiges Kind zu haben. In Berlin ein 11. Schuljahr verpflichtend für Schüler ohne Abschluss anzubieten, ist doch Wahnsinn. Wie haben diese Schüler 10 Jahre durch die Schule geschleppt und zwingen ihnen ein 11. Jahr auf. Die Förderung muss im Kindergarten beginnen, damit die Schulanfänger gleich einen guten Start haben und nicht schon in der 1. Klasse zurückversetzt werden müssen, denn der Prozentsatz derjenigen ist sehr hoch.